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Vorarlberger Patienten wurden zweifelhafte Hüftprothesen eingesetzt

Bregenz -  In Vorarlberg sind 99 Patienten Hüftprothesen eingesetzt worden, die möglicherweise mangelhaft sind. Die künstlichen Hüftgelenke stammen vom Hersteller "DePuy", der bereits im vergangenen Herbst eine weltweite Rückrufaktion gestartet hat. "Wie es aussieht, ist nur Vorarlberg betroffen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass auch in einem anderen Bundesland eine solche Hüftprothese implantiert wurde", bestätigte Christoph Grager von der Patientenanwaltschaft Vorarlberg am Montag gegenüber der APA einen Bericht des ORF.
Grünewald zu schadhaften Hüftprothesen

Grager erklärte, dass bei den Prothesen offenbar ein verstärkter Metallabrieb festgestellt worden sei. “Das kann für die Betroffenen beträchtliche Folgen haben“, betonte der Mitarbeiter der Patientenanwaltschaft. “DePuy“, ein Tochterunternehmen des US-Konzerns “Johnson & Johnson”, teilte in einer Stellungnahme gegenüber dem Rundfunk mit: “Wir verstehen, dass dieser Rückruf die Patienten besorgt, aber die Firma unterstützt die Betroffenen und lässt auch prüfen, ob sie Anspruch auf Schadenersatz haben. Und wir haben auch eine Hotline eingerichtet.”

Hüftprothesen: Bisher elf Betroffene

Die überwiegende Mehrzahl der 99 in Vorarlberg vorgenommenen Implantationen ist laut Grager im Jahr 2006 erfolgt. Nach dem Rückruf und einer entsprechenden Information durch die Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft und die Patientenanwaltschaft hätten sich bisher elf Betroffene gemeldet. Vier davon hätten sich das künstliche Hüftgelenk wieder entfernen lassen, andere seien noch am Überlegen. Er hofft, dass noch weitere der 99 Personen Kontakt aufnehmen. “Manche haben keine Beschwerden. Es ist aber auch eine Metall-Belastung des Organismus nicht sofort spürbar“, sagte Grager.

Wirbel um möglicherweise defekte Hüftprothesen in Österreich

DePuy” ließ die Produkte weltweit bereits 2010 zurückrufen. Insgesamt seien seit der Produkteinführung 2006 550 Hüftprothesen in der Alpenrepublik verkauft worden. Dies bedeute aber nicht, dass alle Implantate auch eingesetzt wurden, wie es am Montag aus der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hieß.

Besonders betroffen scheint Vorarlberg zu sein. Nach Angaben von Gerald Fleisch, dem Direktor der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft, sind 88 Patienten betroffen, denen insgesamt 99 der “DePuy”-Implantate eingesetzt wurden. Der letzte Eingriff mit einer “DePuy”-Hüftprothese sei in Vorarlberg im April 2009 vorgenommen worden, sagte Fleisch, anschließend habe es in der Medizinbranche “erste Verdachtsmomente gegeben, wonach bei diesem Produkt besonders viele Revisionen zu verzeichnen sind“. Die überwiegende Mehrzahl der in Vorarlberg vorgenommenen Implantationen geht laut Christoph Grager von der Patientenanwaltschaft ins Jahr 2006 zurück.

Die Krankenhausbetriebsgesellschaft hat in Kooperation mit der Patientenanwaltschaft nach der Rückrufaktion von “DePuy” die 88 Betroffenen informiert. Acht davon ließen sich das künstliche Hüftgelenk bereits wieder entfernen, vier weitere solcher Operationen seien geplant, sagte Fleisch. Bei der Patientenanwaltschaft hatten sich bis Montag früh zehn Betroffene gemeldet, am Vormittag kam zumindest eine weitere Person hinzu. “Ich hoffe, dass noch weitere der 88 Personen mit uns Kontakt aufnehmen“, so Grager. Manche der Operierten hätten keine Beschwerden, “es ist aber auch eine Metall-Belastung des Organismus nicht sofort spürbar“, sagte Grager. Ein Bluttest könne Aufklärung darüber bringen, ob Legierungsbestandteile in einem zu hohen Maß im Körper vorhanden sind.

In Sachen Schadenersatz will man sich bei der Vorarlberger Patientenanwaltschaft vorerst alle Optionen offenhalten. In Deutschland, wo 5.500 Personen betroffen sind, habe ein Anwalt bereits eine Strafanzeige eingebracht. Grager wies dabei insbesondere darauf hin, dass Hüftprothesen nicht beliebig oft eingesetzt werden könnten. Er rechne damit, dass “DePuy” einen Vergleichsvorschlag vorlegen werde.

Der Gesundheitssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, forderte in einer Aussendung Gesundheitsminister Alois Stöger auf, ein verpflichtendes “Implantatregister” zu installieren, um die Datenlage zu verbessern. Dafür plädierte auch die FPÖ in einer Aussendung. Ärztesprecher und FPÖ-Abgeordneter Andreas Karlsböck tritt für eine bessere Kontrolle ein, denn die mangelnde Produktsicherheit liege daran, dass lediglich die Unterlagen begutachtet würden, die der Hersteller einreiche.

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