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Vorarlberg: Hunderte Hinweise - keine heiße Spur: Supermarkterpresser weiter auf der Flucht

Nach dem Fund vergifteter Lebensmittel in Friedrichshafen am Bodensee haben sich Hunderte Menschen mit Hinweisen bei der Polizei gemeldet. "Bis zum Morgen waren es mehr als 650, danach kamen etliche hinzu, aber bisher hat sich keine heiße Spur zu dem Erpresser abgezeichnet", sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, Markus Sauter.

Das eigens eingerichtete Callcenter der Polizei mit rund einem Dutzend Mitarbeitern bleibe rund um die Uhr im Einsatz. Die bisherigen Hinweise seien von unterschiedlicher Qualität: “Es ist alles dabei – von konkreten Hinweise auf bestimmte Personen bis hin zu Anrufern, die meinen, die Person auf dem Fahndungsfoto vielleicht schon mal irgendwo gesehen zu haben.” Die 220 Ermittler der Sonderkommission “Apfel” würden die Hinweise “akribisch” auswerten und zunächst bestimmen, “welche davon Priorität haben und welche in die Warteschleife kommen”.

Fünf vergiftete Gläschen

Die Polizei hatte am Donnerstag Fahndungsbilder eines dringend tatverdächtigen Mannes veröffentlicht. Er soll mit der erneuten Platzierung von vergifteten Lebensmitteln in Supermärkten und Drogerien gedroht haben, um eine zweistellige Millionensumme zu erpressen. Mitte September waren fünf vergiftete Gläschen mit Babynahrung in Friedrichshafen entdeckt worden. Gefahndet wird nach dem Erpresser auch im Ausland, vor allem in Österreich und der Schweiz.

Vorarlberger Polizei in Kontakt mit Kollegen

Die Vorarlberger Polizei stehe in ständigem Kontakt mit den deutschen Ermittlern, sagte ein Polizeisprecher auf APA-Nachfrage. Hinweise auf einen Österreich-Bezug gebe es trotz der Drohungen des Erpressers, auch im Ausland aktiv zu werden, bisher nicht. Zeugen, die sich aufgrund der Fahndungsfotos, bei den Behörden in Vorarlberg meldeten, würden an die deutsche Polizei weitervermittelt.

Weitere Taten nicht ausgeschlossen

Die Polizei fürchtet weitere Taten. “Wir können nicht ausschließen, dass der Erpresser über das Wochenende erneut vergiftete Lebensmittel ausbringt”, sagte Pressesprecher Jens Purath am Freitag im ZDF-“Morgenmagazin”. Dies sei der Grund gewesen, dass die Polizei das Thema publik gemacht habe.

Die Polizei geht aktuell davon aus, alle bisher vergifteten Gläser entdeckt zu haben. Das Gift Ethylenglycol sei in die Babynahrung eingerührt worden, hieß es von der Polizei. Beim Verzehr drohten “sehr ernsthafte Gesundheitsgefahren bis hin zum Tod”. Die Drohung des unbekannten Erpressers umfasse aber nicht nur Babynahrung. Er habe gedroht, 20 verschiedene Lebensmittel zu vergiften.

Supermärkte überprüfen Sortiment

Supermärkte und Geschäfte in der gesamten Region erklärten lokalen Medienberichten zufolge, dass sie ihre Bestände angesichts dieser Drohung genauestens prüfen. Zur Frage, ob jemand in Erwägung ziehe, die geforderte Millionensumme zu bezahlen, machte die Polizei keine Angaben.

Es gebe keinen Grund zur Panik, erklärten Polizeisprecher. Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand sagte: “Ich kann nur alle dazu aufrufen, besonnen zu bleiben und jetzt besonders aufmerksam und vorsichtig zu sein. Bei einem Verdacht sollte jeder von uns sofort die Polizei informieren und sie bei den Ermittlungen unterstützen.”

Auf beschädigte oder manipulierte Verpackung achten

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg riet zur Wachsamkeit beim Einkauf: Eine Beschädigung der Verpackungen oder fehlender Unterdruck, insbesondere bei Gläsern mit Schraubverschluss – erkennbar am fehlenden Knackgeräusch beim Öffnen – könnten Hinweise auf Manipulationen sein, erklärte der Sprecher der Zentrale, Niklaas Haskamp.

(APA)

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