Von Habsburg bis Hitler

Der Untergang der Monarchie, Elend und Hunger in der Bevölkerung, das Aufkeimen des Judenhasses und mit ihr der Nationalsozialisten: Zeitzeugen berichten und geben ihre Erinnerungen preis.

Heinrich Dosedla
Von Habsburg bis Hitler
Österreich vor dem Anschluss
Molden

Beschreibung:
Unter jenen, die den Einmarsch deutscher Truppen in Österreich vor siebzig Jahren begrüßten, waren nicht nur Resignierte jeder Schattierung, die das staatspolitische Experiment der Ersten Republik für gescheitert und nun die »Heimkehr ins Reich« eher für das kleinere Übel hielten. Außer fanatischen Nazi-Anhängern, die schon jahrelang in der Illegalität aktiv waren, gab es viele aus allen Lagern der Bevölkerung, einschließlich der organisierten Arbeiterschaft, die unter dem Druck der Verhältnisse aus verschiedenartigsten Motiven längst zu Überläufern und Verrätern geworden waren. Anhand von Erlebnisberichten der letzten darin verstrickten Zeitzeugen zeichnet der Autor den Weg der kleinen Leute vom Schutzbund zur SS und vom Kuhstall ins KZ nach. Gleichzeitig versucht er den Weg seines Vaters nachzugehen, der in den Nachkriegswirren spurlos verschwand.

Vienna Online-Rezension:
Bereits in den 60er Jahren begann der Autor Heinrich Dosedla, damals noch Student, mit der Aufzeichnung zahlreicher Zeitzeugenberichte. Sein Fleiß und seine Sorgsamkeit fanden letztendlich in dieses knapp 400 Seiten starke Buch Einzug: Dosedla schafft einen roten Faden, der sich nicht nur an die Chronologie der Ereignisse hält sondern darüber hinaus, Puzzlestein für Puzzlestein, die historischen Elemente zu einem ganzen Gebilde ausrollt. Fasziniert haben mich wenig bekannte Tatsachen der damaligen Zeit, die neben Dosedlas Ausführungen immer den dazu passenden Kommentar eines Zeitzeugen erhielten. Durch dieses Wechselspiel von Erläuterung und Erzählung wirkt das Buch auf den Leser mit einer pulsierenden Lebendigkeit. Vom fundamentalen Geschehen bishin zu flüchtigen Details des Alltags finden sich in dieser Lektüre unzählige Betrachtungsweisen zu einer dramatischen Epoche der österreichischen Geschichte wieder.

Fazit:
Wer denkt, das Thema Zwischenkriegszeit sei abgedroschen und erschöpft wird durch dieses Buch eines besseren belehrt. Neben des unbezahlbaren, historischen Werts der Zeitzeugenberichte macht die ergreifende Authentizität diese Lektüre zu einem absoluten Highlight österreichischer Schriftwerke. [MAS]

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