Vom Ende einer Geschichte: Kritik und Trailer zum Film

Nach vier Jahrzehnten wird Tony Webster von seiner Vergangenheit eingeholt. Eine etwas komplizierte Erbschaft lässt ihn sich an seine Jugendzeit erinnern und immer mehr die eigene Biografie hinterfragen. Was Romanautor Julian Barnes in "Vom Ende einer Geschichte" auf nicht mal 200 Seiten beschrieben hat, kommt jetzt unter demselben Titel ins Kino.

Mit der Zeit ist es so eine Sache: Sie soll Wunden heilen, mit ihrem Fortschreiten täuschen aber auch die Erinnerungen an früher. In seinem Roman “Vom Ende einer Geschichte” spielte der britische Autor Julian Barnes gekonnt mit diesem Phänomen. Regisseur Ritesh Batra machte daraus nun gediegenes Schauspielerkino, das leider etwas blutleer bleibt. Ab Freitag im Kino.

Vom Ende einer Geschichte: Kurzinhalt zum Film

Dass Erinnerungen Menschen Streiche spielen können, ist ein geflügeltes Wort. Genauso, dass man sich die Dinge zurechtbiegt – im Gedächtnis speichert man die Vergangenheit so ab, wie man sie gerne gehabt hätte oder wie man mit ihr gerade noch klarkommt. Hinweise, dass es auch anders gewesen sein könnte, werden so lange verdrängt, bis man sie vergisst. Das geht auch dem mürrischen geschiedenen Upperclass-Pensionisten Tony (Jim Broadbent) so, der sich seine reichliche Zeit mit einem kleinen Leica-Laden sowie wohlwollenden Nicht-Beziehungen zu seiner Ex-Frau (hervorragend: Harriet Walter) und schwangeren Tochter (Michelle Dockery aus “Downton Abbey”) vertreibt.

Mit seiner Vergangenheit wird er gezwungenermaßen konfrontiert, als er nach Jahrzehnten aus dem Nachlass der Mutter seiner Ex-Freundin (Charlotte Rampling) ein Tagebuch erhalten soll – das diese ihm aber verweigert. Als sich herausstellt, dass das Tagebuch von seinem vor langem durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Freund und späteren Rivalen Adrian stammt, setzt er sich “seine” Geschichte neu zusammen. Das alles passiert durch Rückblenden in gar nicht so swingende Sixties und ist jede Minute sehenswert, hervorragend gespielt und mit Liebe zum Detail inszeniert – von einem Cameo-Auftritt von Barnes in einem Pub bis zur Gruppe von Behinderten, die sich über “Downton Abbey” lustig macht.

Vom Ende einer Geschichte: Die Kritik

Es ist aber leider auch gleichzeitig seltsam trocken und emotionslos, wie Batra die Geschichte vorantreibt. Selbst die Punchline und Auflösung der Geschichte – die übrigens mit einer viel positiveren Note als das Buch endet – kommen (gewollt?) undramatisch und nebenbei daher. So kann man sich zwar über die den gesamten Film tragende Schauspielleistung Broadbents freuen, der seiner Figur sowohl genügend Selbstmitleid als auch kauzige Züge mitgibt, um sie in ihrer Ambivalenz sympathisch zu machen. Trotzdem lässt einen der Film dann doch etwas kalt. Für ein anspruchsvolles Publikum, das sich nach einer Partie Crocket die Zeit zwischen Fünf-Uhr-Tee und Bridgeabend vertreiben will, aber der ideale Freizeittipp.

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(APA/Red)

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