Voestalpine halbiert Dividende für 2008/09

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Der Stahlkonzern voestalpine hat sich 2008/09 (per Ende März) mit Kündigungen und Kurzarbeit gegen die Krise gestemmt.

Im zweiten Halbjahr wurden 1.100 Stammmitarbeiter und 1.700 Leiharbeiter freigesetzt, in den vergangenen zwei Monaten (per Ende Mai) verschärfte sich der Personalabbau weiter auf ein Minus von 1.500 bzw. 2.000 Stellen. Etwas über 10.000 Mitarbeiter, also rund ein Viertel der Belegschaft, wurden auf Kurzarbeit geschickt. Weitere Kündigungen stünden aber vorerst nicht an, sagte Unternehmenschef Wolfgang Eder am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz. Die Dividende soll auf 1,05 Euro je Aktie halbiert werden.

“Wir haben den stärksten Konjunktureinbruch seit 1945 noch nicht hinter uns”, so Eder. 2010 werde “das schwierigste Geschäftsjahr der vergangenen Jahrzehnte” – es drohen Verluste. Im ersten Halbjahr 2009/10 sei definitiv mit “roten Zahlen” zu rechnen – laut Finanzvorstand Robert Ottel sei ein operativer Verlust von “weniger als 100 Mio. Euro” und ein Periodenverlust von “weniger als 180 Mio. Euro” zu erwarten. Im Gesamtjahr will man beim Jahresüberschuss “irgendwo rund um Null landen”.

“Für die nächsten Monaten haben wir alle Maßnahmen durchgeplant und finden das Auskommen”, so Eder. Die Konzernauslastung quer über alle Divisionen liege derzeit bei durchschnittlich 70 Prozent. Für die weitere Zukunft werde es entscheidend sein, wie das Management die Konjunktur im September einschätze. Die Investitionen hat der Konzern 2008/09 von der ursprünglich geplanten Milliarde auf 590 Mio. Euro um 40 Prozent zurückgenommen.

Das Unternehmen steht auch weiter auf der Kostenbremse – sämtliche Divisionen werden nun auf mögliche Einsparungen hin durchleuchtet. Ab 2011 will Eder hier ein weiteres Sparpotenzial von “einigen 100 Mio. Euro” auf der Kostenseite “heben”. “Neben den kurzfristigen Krisenmaßnahmen arbeiten wir an einer nachhaltigen Anpassung unserer Strukturen”, so der Konzernchef. Die Konzernstruktur wird gestrafft. Eine “Devestition” der – besonders krisengeschüttelten – Division Automotive sei nicht Teil der Überlegungen. Aber eine defensive Position in diesem Bereich liege auf der Hand.

“Wir wollen den finanziellen Handlungsspielraum erweitern und unsere Verschuldungskennzahlen verbessern”, begründete Eder die anstehende Restrukturierung. In den kommenden zwei Jahren sollen die Kosten in allen Divisionen optimiert werden. “Wir haben den stärksten Konjunktureinbruch seit 1945 noch nicht hinter uns”, so der Konzernchef.

Der Verschuldungsgrad verschlechterte sich im abgelaufenen Geschäftsjahr – das Gearing (Nettofinanzverschuldung in Prozent des Eigenkapitals) erhöhte sich von 83,3 auf 88,2 Prozent. Die Nettoschulden stiegen von 3,57 auf 3,76 Mrd. Euro. Das Eigenkapital sank von 4,29 auf 4,26 Mrd. Euro.

Mit der milliardenschweren Übernahme des einst ebenfalls börsenotierten Edelstahlkonzerns Böhler-Uddeholm in 2008 hatte das Gearing einen Sprung nach oben gemacht – im längerfristigen Schnitt würde wieder ein Gearing von 50 Prozent angepeilt. “Wir haben aber kein Problem einige Jahre bei 70 Prozent oder gering darüber zu bleiben”, so Eder.

Trotz des zweiten Halbjahres 2008/09, “das an Dramatik nichts zu wünschen übrig gelassen hat”, habe die voestalpine beim operativen Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr “die Milliarde geschafft” – das EBIT sank um 11,9 Prozent auf 1,02 Mrd. Euro, der Nettogewinn (vor Minderheitsanteilen und Hybridkapitalzinsen) ging um 18,6 Prozent auf 611,6 Mio. Euro zurück, der Gewinn je Aktie schrumpfte um 27,3 Prozent auf 3,41 Euro. Beim Umsatz erzielte die Voest ein Plus von 10,9 Prozent auf 11,63 Mrd. Euro.

Die Margen seien zwar zurückgegangen – beim EBIT von 11,0 auf 8,7 Prozent und beim EBITDA von 17,5 auf 14,8 Prozent -, seien aber nach wie vor “attraktiv”. Die Dividende werde zwar voraussichtlich auf genau die Hälfte des Vorjahres gekürzt, doch die Dividendenrendite liege immer noch bei 3,6 Prozent und somit – trotz Krise – im langjährigen Konzerndurchschnitt von “4 Prozent plus/minus”.

Die Börsenkapitalisierung schrumpfte zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres von 7 auf 1,65 Mrd. Euro, der Aktienkurs brach von 44 auf 9,85 Euro um mehr als drei Viertel ein.

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