Vitali Klitschko besiegte Briggs nach Punkten

Briggs zeigte große Nehmerqualitäten
Briggs zeigte große Nehmerqualitäten ©APA (dpa)
Der ukrainische Profi- Boxer Vitali Klitschko hatte Shannon Briggs "Blut und Schmerz" versprochen und machte diese Drohung in der Nacht auf Sonn­tag in Hamburg wahr. Der 39- Jährige bleibt damit Weltmeister im Schwergewicht.
Klitschko vs. Biggs
Klitschko vs. Biggs I

Profi-Boxer Vitali Klitschko bleibt Weltmeister im Schwergewicht. Der 39 Jahre alte Ukrainer besiegte in der Nacht auf Sonntag vor 14.500 Zuschauern in der ausverkauften Hamburger O2-Arena den US-Amerikaner Shannon Briggs in zwölf Runden einstimmig nach Punkten.

Den Gegner ins Krankenhaus geschlagen, selbst fast ohne Kratzer geblieben, Frau und Fans verzückt: Box-Weltmeister Vitali Klitschko hätte in der Nacht von Hamburg der glücklichste Mensch der Welt sein können. War er aber nicht. “Ich bin ein bisschen enttäuscht. Ich wollte durch K.o. gewinnen. Das ist mir aber leider nicht gelungen”, sagte der 39-jährige Schwergewichts-Champion des WBC nach seinem einstimmigen Punktsieg (120:107,120:107, 120:105) über den bemitleidenswerten Herausforderer Shannon Briggs (USA).

Der ältere der beiden Box-Strategen aus der Ukraine wusste genau, warum seine Taktik zwar aufging, das primäre Ziel aber unerfüllt blieb. Klitschkos Eisenfäuste fanden zwar wie gewohnt ins Ziel, Briggs Eisenschädel steckte die hammerharten Schläge aber bis zum letzten Gong mit unglaublichen Nehmerqualitäten weg. “Ich habe geschlagen, ich habe getroffen. Doch er fiel nicht. Dann sagte ich mir: Keine Hektik. Das wird schon. Aber ich habe wohl zu lange gewartet”, haderte der gefeierte Sieger nach seiner siebenten erfolgreichen Titelverteidigung als Champion des WBC.

Warum Briggs’ Betreuer oder der Ringrichter den Kampf angesichts von Klitschkos Schlagserien nicht abgebrochen hatten, war unverständlich. Ringarzt Stephan Bock schickte den Amerikaner, der noch in den Vortagen ein großes Ballyhoo veranstaltet hatte, vorsichtshalber zu einer Computer-Tomographie ins Krankenhaus. Und Briggs hat die Niederlage offenbar doch nicht so relativ komplikationslos überstanden wie ursprünglich angenommen. Nach Informationen des TV-Senders RTL vom Sonntag liegt Briggs noch auf der Intensivstation der Uniklinik in Hamburg-Eppendorf. Dem Sender zufolge haben die Untersuchungen ergeben, dass Briggs unter anderem Frakturen an beiden Augen erlitten hat.

Die 14.500 Zuschauern in der ausverkauften O2-Arena waren trotz des verpassten K.o. zufrieden und dürfen sich – wie der Fernsehsender RTL (13,29 Millionen Zuschauer/Marktanteil 57,2 Prozent) – auf Fortsetzungen freuen. Der fast 40-Jährige wirkt im Kreise seiner Box-Kollegen noch immer wie ein Jungbrunnen. Findet auch Ehefrau Natali. “Vitali ist wie Wein, er wird mit den Jahren immer besser”, befand sie. “Ich habe noch genug trockenes Pulver. Wenn mein Körper mitspielt, kann mich keiner schlagen”, sagte der Zwei-Meter-Recke. Angst habe er nur vor Bruder Wladimir, wenn der gegen ihn antreten wollte.

Aber den Bruderkampf wird es nie geben. Hoffentlich aber den gegen David Haye. Vitali Klitschko erneuerte seinen sehnlichsten Wunsch, dem WBA-Weltmeister dessen großen Mund stopfen zu wollen. “Ich möchte ihn ausknocken, um auch den letzten Gürtel in die Familie zu holen”, sagte der K.o.-König, dessen bemerkenswerte Bilanz als Profi-Boxer 38 K.o.-Siege in 43 Kämpfen ausweist.

Die Chancen auf ein Zustandekommen des Titelvereinigung mit dem Briten sind unverändert. Dessen Klagen um die angeblichen Knebelverträge, die ihm seitens der Klitschkos angeboten worden seien, würden jeder Grundlage entbehren, sagte KMG-Geschäftsführer Bernd Bönte. “Das ist ein ganz einfacher, simpler Vertrag: 50:50 weltweit”, betonte er Samstagnacht.

Sollte es eine Einigung mit Haye geben, könnte der Kampf noch vor Vitalis nächster Pflichtverteidigung ausgetragen werden. Der Pflichtherausforderer wird im Dezember zwischen Odlanier Solis (Kuba) und dem Amerikaner Ray Austin ermittelt. Angst flößen die beiden den Klitschkos nicht ein, allenfalls Respekt. “Es gibt momentan keine richtig großen Gegner. Die junge Generation ist noch nicht soweit, die alten sind schon in Rente”, bedauerte Witali Klitschko.

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