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Vier von zehn Ehen in Österreich geschieden - 2020 droht Scheidungsjahr

Wenn es auseinandergeht: Auch im Vorjahr wurden vier von zehn Ehen in Österreich geschieden
Wenn es auseinandergeht: Auch im Vorjahr wurden vier von zehn Ehen in Österreich geschieden ©Pexels/cottonbro (Sujet)
Im Vorjahr landeten vier von zehn Ehen vor dem Scheidungsrichter, was einer nicht ungewöhnlichen Zahl entspricht. Experten erwarten jedoch coronabedingt, dass 2020 hier ein exorbitanter Anstieg zu erwarten ist.
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16.319 Ehen sind im Vorjahr in Österreich geschieden worden, die Scheidungsrate lag damit auf dem Niveau der Vorjahre. "Etwa vier von zehn Ehen in Österreich landen früher oder später vor dem Scheidungsrichter", erläuterte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Mittwoch in einer Aussendung.

2019: Meiste Scheidungen in Niederösterreich und Wien

Am höchsten war der Wert mit 44,4 Prozent in Niederösterreich, das Wien an der Spitze ablöste.

Österreichweit lag die Gesamtscheidungsrate 2019 mit 40,7 Prozent nur leicht unter dem Niveau der beiden Vorjahre (41,0 Prozent) uns deutlich unter dem bisherigen Höchstwert von 49,5 Prozent im Jahr 2007, berichtete Thomas. Außerdem wurden im Vorjahr 121 eingetragene Partnerschaften aufgelöst, 23,5 Prozent mehr als 2018.

Statistik: Auch bereits Scheidungen bei Homo-Ehen

In der Statistik sind erstmals auch acht Scheidungen gleichgeschlechtlicher Ehen enthalten. Dabei handelte es sich um Trennungen von vier männlichen und vier weiblichen Ehepaaren. Bei den eingetragenen Partnerschaften gab es zwei Auflösungen von verschiedengeschlechtlichen Partnern.

Nach Niederösterreich gab es in Wien die zweithöchste Scheidungsrate (44,1 Prozent), das seit 1991 den negativen Spitzenplatz innehatte. Auf den weiteren Plätzen lagen Vorarlberg und das Burgenland (je 42,9 Prozent) und Kärnten (41,2 Prozent). In Salzburg (38,3 Prozent), Oberösterreich (37,8 Prozent) und der Steiermark (37,3 Prozent) lag die Gesamtscheidungsrate unter dem Österreichschnitt. In Tirol war die Gesamtscheidungsrate mit 34,9 Prozent, wie schon seit 2017, am niedrigsten.

Einvernehmliche Scheidungen

86,3 Prozent aller Scheidungen passierten im Vorjahr in beiderseitigem Einvernehmen. Bei den insgesamt 1.913 strittig geschiedenen Ehen war zu 49,9 Prozent der Mann Träger des Verschuldens, zu 9,9 Prozent die Frau, zu 28,3 Prozent beide sowie in 12,0 Prozent der Fälle keiner von beiden.

Die mittlere Dauer (Median) der im Jahr 2019 geschiedenen Ehen lag mit 10,5 Jahren etwas unter dem Niveau von 2018 (10,6 Jahre). 1,9 Prozent der Scheidungen fanden bereits innerhalb des ersten Ehejahres, weitere 4,5 Prozent im Lauf des zweiten Ehejahres statt. Etwa jede siebente Scheidung (13,5 Prozent) erfolgte nach der Silberhochzeit (25. Hochzeitstag), darunter sogar 44 amtliche Trennungen nach der Goldenen Hochzeit (50. Hochzeitstag).


So alt waren die geschiedenen Österreicher

Das mittlere Scheidungsalter (Median) für Männer stieg 2019 um 0,1 Jahre auf 45,3 Jahre und für Frauen um 0,2 Jahre auf 42,1 Jahre im Vergleich zum Vorjahr. Von den Scheidungen ihrer Eltern waren insgesamt 18.474 Kinder, davon 12.823 Minderjährige betroffen. Die Ex-Ehepaare hatten somit im Durchschnitt 1,13 Kinder.

Für das bisherige Jahr 2020 lagen bei der Statistik Austria noch keine Daten vor.

Rechtsanwalt befürchtet Scheidungsjahr 2020 wegen Coronakrise

Der Rechtsanwalt Clemens Gärner von der Wiener Familienrechtskanzlei Gärner Perl sprach am Mittwoch in einer Aussendung allerdings bereits von einem "Scheidungsjahr" 2020 wegen der Coronakrise. "Der Sommer ist eine an sich sehr starke Zeit für Scheidungen. Wir haben diesen Sommer aber einen Anstieg der Scheidungsrate um noch mal 30 Prozent registriert", betonte Gärner.

Darunter seien jedoch auch jetzt in die Wege geleitete Scheidungen von Personen, die das bereits vor der Coronakrise vorhatten. "Andere wiederum sind aufgrund des geballten Zusammenseins erst draufgekommen, dass sie diese Ehe keinesfalls weiterführen wollen", erläuterte der Anwalt.

Soziale Isolation ließ Affären auffliegen

"Dazu kommt, dass die Fälle von Gewalt in der Familie in dieser Phase angestiegen sind." Und letztlich seien viele in dieser Zeit überhaupt erst an relevante Informationen gekommen – beispielsweise Beweise, dass der Partner sie betrügt.

Gärner schätzt, dass 80 Prozent der Ehen am Fremdgehen scheitern. „Wie sich gezeigt hat, fliegen Affären während der gemeinsamen sozialen Isolation schnell auf. Denn heute sind viele Beweise digital – beispielsweise Fotos am Handy oder WhatsApp-Botschaften. Während der Corona-Zeit ist so mancher unvorsichtig geworden, ist praktisch unter den Augen des Partners fremdgegangen und hat dann das eigene Handy unversperrt herumliegenlassen“, analysiert Gärner.

Verschärfung während des Sommers - nun drohen Scheidungen

Aufgrund der Sommerurlaubszeit haben sich die Anzahl der Scheidungsanträge noch einmal verschärft. "Anstatt wegzufahren, verbrachten heuer zum zweiten Mal viele Menschen die Zeit gemeinsam zuhause. Die, die weggefahren sind, hatten zum Teil sehr viel Stress an den Grenzen. Dadurch wird so manche Beziehung abermals belastet“, sagt der Experte.

Das gestiegene Scheidungsvolumen trifft auf Gerichte, die noch den Rückstau an Fällen bewältigen müssen und zudem nur beschränkten Platz bieten können. "Verhandlungstermine für strittige Scheidungen gibt es im besten Fall erst im November, wahrscheinlicher ist nächstes Jahr", sagt Gärner. Einvernehmliche Scheidungen gehen in aller Regel schneller, da hilft es, wenn der Anwalt viel im Familienrecht tätig ist und guten Kontakt zu den Richtern hat.

Gärner empfiehlt, bei Scheidungsplänen möglichst bald rechtlichen Beistand zu suchen, um den Prozess in Gang zu setzen. „Aufgrund der Wartezeiten vor Gericht muss man damit rechnen, dass sich auch die eigene Scheidung verzögert.“

(APA/Red)

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