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Vier Pfoten verurteilt Abschuss des Bären JJ3

Vier Pfoten und die Stiftung für Bären haben mit Empörung und Trauer zur Kenntnis genommen, dass Jäger des Kantons Graubünden den Bären JJ3 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgeschossen haben.

Der Bruder des Braunbären „Bruno“ (JJ1), der vor zwei Jahren für Aufsehen sorgte und zum Medienstar avancierte, war vor einigen Tagen auf der Futtersuche in die Nähe menschlicher Siedlungsräume geraten.

Die Schweizer Behörden hatten das Tier daraufhin als „Risikobären“ eingestuft, was – anders als im moderneren österreichischen Jagdrecht – einer Todeserklärung gleichkommt. Vier Pfoten hatte dennoch umgehend effektive Alternativen angeboten, die einen Lebendfang von JJ1 und seine vorläufige Unterbringung in einem tierschutzgerechten Bärenpark vorsahen.

Die ablehnende Antwort des Schweizer Bundesamtes für Umwelt auf das Angebot beider Stiftungen, den Bären zu übernehmen, ist erst bei Vier Pfoten eingetroffen, nachdem der Bär schon tot war. Vier Pfoten und die Stiftung für Bären fordern die zuständigen Behörden auf, den Schweizer Bären-Managementplan zu überarbeiten. Wie beispielsweise in Österreich festgelegt, muss auch in der Schweiz ein Lebendfang und die Unterbringung in einer geeigneten Freianlage möglich sein.

Noch am Freitag hatte das Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden verlauten lassen, es bestehe kein akuter Handlungsbedarf, JJ3 werde noch nicht abgeschossen. Am Montagabend soll dann alles anders gewesen sein, obwohl der Bär nie aggressives Verhalten gezeigt hat. „Wir werden dieses Vorgehen prüfen und behalten uns rechtliche Schritte vor“, erklärt Thomas Pietsch, Wildtierexperte von Vier Pfoten.

Bei JJ3 handelt es sich um einen Bären, der aus einem Wiederansiedlungsprojekt in den italienischen Alpen stammt. Die Mutter von Bruno, Lumpaz und JJ3 sowie acht andere Bären wurden speziell aus Slowenien geholt, um sie in den Alpen anzusiedeln. „Offenbar kennen die Schweizer Jäger und Behörden auf die Wiederansiedlung nur eine Antwort: Abschuss“, sagt Pietsch. „Die übereilte und überflüssige Tötung zeigt, dass die für Jagd und Fischerei zuständige Behörde nicht geeignet ist, über den Umgang mit wilden Bären zu entscheiden. Dies sollte in Zukunft allein dem Natur- und Artenschutz überlassen sein.“

Vier Pfoten hofft, dass sich der Bär MJ4, der auch in den Bündner Alpen lebt, weiterhin zurückgezogen verhält, denn sonst ist der nächste Abschuss vorprogrammiert. Die Behörden sind dringend gefordert, den Bären-Managementplan zu überarbeiten und die Vergrämungs- und Präventions-Maßnahmen sowie die Aufklärung der Bevölkerung zu verbessern.

www.vierpfoten.at

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