Viel Wind um eine Station

Die U5 wird in Wien gebaut.
Die U5 wird in Wien gebaut. ©APA/Sujet
Gastkommentar von Dr. Andreas Unterberger: Irgendwie kommt einem die Nachricht nicht neu vor, man hat sie nämlich schon ein paar Dutzend Male gehört. Dennoch freut sie: Wiens U5 wird gebaut. Also scheint der Westen der Stadt doch nicht ganz vergessen zu sein.

Dr. Andreas Unterberger - VIENNA.AT Kommentator

Also wird doch nicht nur auf die grünen Radfahrer gesetzt, denen mit einer dubiosen Volksabstimmung die ganze Mariahilfer Straße freigeräumt worden ist. Allein: Je näher man sich die nunmehrigen Ankündigungen der SPÖ anhört, umso rascher schrumpft der Elefant auf eine Minimaus.

Denn in Wahrheit besteht die neuerlich groß angekündigte U5 aus einer einzigen Station: Die Linie dorthin wird es – soll es irgendwann in den nächsten zehn Jahren zwischen Rathaus und Altem AKH geben (ab der Station Rathaus gibt es ja die längst vorhandenen U2-Strecke Richtung Karlsplatz). Nach dem Bau bis zum Alten AKH geht der Stadt nämlich schon wieder das Geld aus.

U-Bahnbau auch Kostenfrage

Jetzt wäre es natürlich billig, auf die Kosten der ständigen Umplanungen der Mariahilfer Straße zu verweisen, die man ersatzweise einsparen hätte können; aber ehrlicherweise muss man schon zugeben, dass eine U-Bahn deutlich teurer ist als sämtliche Umplanungen der Einkaufsstraße – trotz der Sinnlosigkeit der dortigen Aktionen.

Freilich: Wenn man da die Bestechungssummen für die diversen Boulevard-Medien dazurechnet, wird der Betrag schon deutlich größer, der durchaus ohne zusätzlichen Schulden für den U-Bahn-Bau zur Verfügung stünde. Das wird er insbesondere dann, wenn man Elisabeth Ochsners Enthüllungen hört, dass versteckterweise noch 20 bis 25 Prozent mehr als offiziell ausgewiesen solchen Medien zugewendet werden (und Ochsner muss es wissen, war sie doch bis Jahresende Geschäftsführerin der führenden Schaltagentur).

Heute mal kein Dienstwagen

Natürlich freut man sich, dass Bürgermeister und Stadträte an schönen Tagen bald direkt mit der U-Bahn auf einen Gspritzten in den Alten-AKH-Hof fahren können. Zumindest könnten, wenn sie nicht auch dafür den Dienstwagen verwenden sollten.

Aber es kann überhaupt kein Zweifel bestehen: Eine U5 hat erst dann einen Sinn, wenn sie auch das Neue AKH, die U6, den Elterleinplatz und das Ende der U3 in Ottakring erreicht. Dann aber wäre sie sehr, sehr positiv. Diese Verbindung ist nämlich längst schon dringend und wichtig.

Dafür hat jedoch das Rathaus kein Geld. Und beim Bund wird dieses erst recht nicht zu holen sein. Steckt doch dieser durch seine Schuldenfreude und durch die Kärntner Pleitebank Hypo in noch viel größeren Geldnöten.

Während also die verkündete U5-Strecke vorerst nur eine Karikatur des wirklich Notwendigen ist, soll die U2 Richtung Matzleinsdorfer Platz nach Süden verlängert werden. Das entspricht zweifellos den Machtverhältnissen innerhalb der SPÖ, bedeutet aber die vierte U-Bahn nach Süden. Wobei freilich auf Grund der absurden Bundesländergrenze keine einzige dorthin ausgebaut wird, wo Niederösterreicher, Steirer und Burgenländer schon außerhalb der Stadt parken könnten.

SPÖ will sich mehr ins Spiel bringen

Warum wird dann eigentlich der U-Bahn-Neubau so groß angekündigt, der in Wahrheit nur eine Umplanung, nur einen Verzicht auf andere, schon mehrfach verkündete U-Bahn-Verlängerungen darstellt? Nun, die Wiener SPÖ will und muss sich selbst und den öffentlichen Verkehr wieder stärker ins Spiel bringen, um von einigem ablenken, das auch ihre Wähler sehr verärgert und der Opposition (trotz deren weitgehender Untätigkeit) zutreibt:

Vom Mariahilfer-Straßen-Chos mit den ständigen, bis heute nicht klaren Umplanungen;Von dem zuletzt sehr dominant gewordenen grünen Lobbyismus zugunsten der Radfahrer-Community;Von dem insbesondere auch SPÖ-Wähler verärgernden Hypo-Debakel, das ja nicht zuletzt auch auf die Haltung der Bundesländer, also insbesondere auch Wiens zurückgeht;Von der katastrophalen Schulpolitik, wo lediglich die „bürgerlichen” Gymnasien noch ein letztes Qualitätsbollwerk in Wien sind, und wo jetzt teure Nachhilfeaktionen der Gemeinde das Versagen der diversen Gesamtschulen überkleistern sollen;Von der total missglückten Verbindung Hauptbahnhof-U-Bahnnetz;Und von den eigenen schlechten Umfragewerten.

Die SPÖ hat also zweifellos sehr viel, von dem sie ablenken will. Ob da die eine Station ausreicht? Und die mindestens fünfte Verkündigung eines Baus der U5? Diese war ja schon bei der Nummerierung her im allerersten U-Bahn-Konzept enthalten, wie nicht nur die Nummer zeigt . . .

Ad personam:

Der Autor war 14 Jahre Chefredakteur von „Presse” bzw. „Wiener Zeitung”. Er schreibt unter www.andreas-unterberger.at sein „nicht ganz unpolitisches Tagebuch”, das heute Österreichs meistgelesener Internet-Blog ist.

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