Videoclips mit Essiggurkerl im Salzburger Museum der Moderne

Als ironischen Kontrapunkt zur großartigen Max-Ernst-Ausstellung präsentiert das Salzburger Museum der Moderne auf dem Mönchsberg ab morgen, Donnerstag, zwei kleine Ausstellungen, die beide als "künstlerisches Augenzwinkern" charakterisiert werden könnten.
Einmal zeigt Erwin Wurm sein “Selbstporträt als Essiggurkerl”, und dann gibt es mit “Videorama. Kunstclips aus Österreich” einen schlaglichtartigen Einblick in die junge österreichische Videokunst. Beide Ausstellungen sind bis zum 10. Oktober zu erleben.

36 in Acryl gegossene, naturalistisch bemalte Essig- und Salatgurken stehen auf 36 Podesten. Dort freuen sie sich, Kunst zu sein und – weil aus Acryl – vor dem üblichen Gurken-Schicksal gefeit zu sein. Sogar besprochen zu werden, bleibt den 36 an und für sich schmackhaften Gewächsen erspart. Der Künstler persönlich verweigerte bei der Presse-Besichtigung jegliche Erklärung und verwies auf die fundamentale Bedeutung seiner “der EU-Norm entsprechend gekrümmten und leicht obszönen Frucht” für Herren-Gulasch und Leberkäs-Semmerl. Immerhin, so betonen die Kuratoren dieser Wurm-Schau gänzlich ohne Ironie, würde Wurms “Selbstporträt als Essiggurkerl” aus dem Jahr 2008 “in seiner vollen Größe erstmalig in Europa gezeigt”.

Ebenso witzig und dazu noch deutlich variantenreicher präsentiert sich die Ausstellung “Videorama. Kunstclips aus Österreich”, die zusammen mit der Kunsthalle Wien konzipiert worden ist. 25 verschiedene Clips von Video-Künstlern wie Stermann & Grissemann, Gerwald Rockenschaub, Erwin Wurm, Hubert Sielecki/A.S.K., Markus Schinwald und vielen anderen loten die bewegte Kunst aus – erzählend, krass, surreal, zeitgeistig oder schräg. Da gibt es das “Unternehmen Arschmaschine” in dem Mara Mattuschka & Gabriele Szekatsch ihre radikale Annäherung an den Allerwertesten in Schwarz und Weiß gedreht haben. Oder Veronika Schuberts “Tintenkiller”, in dem die Künstlerin Versatzstücke der Serie “Tatort” optisch verfremdet hat.

Darüber hinaus sind in den Videoclips dicke, sich räkelnde Menschen zu sehen, hoffnungslos überfüllte Hamsterkäfige, Montagen von frankenstein-artigen Monstern, tote Insekten und eine Maschine, die wahlweise zum Klopfen von Schnitzel und von Büchern taugt. Erwin Wurms Gurkerl, die im Pressetext als “zynische Herangehensweise an den Skulpturenbegriff” umschrieben werden, sind schnell besichtigt. Wer sich die Videos anschauen will, braucht hingegen Zeit.

“Selbstporträt als Essiggurkerl” von Erwin Wurm und “Videorama. Kunstclips aus Österreich” sind noch bis zum 10. Oktober im Salzburger Museum der Moderne zu sehen, http://www.museumdermoderne.at

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