Verwirrendes "Drama" um Freilassung von Plavsic

Verwirrung um die wegen Kriegsverbrechen im Bosnien-Krieg (1992-95) zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilte ehemalige Präsidentin der bosnischen Republika Srpska, Biljana Plavsic.

Die Belgrader Tageszeitung “Politika” berichtete am Freitag, dass sich Plavsic bereits nicht mehr im Gefängnis, sondern schon in Stockholm an einer von der Polizei bewachten geheimen Adresse befinde. Die schwedischen Behörden seien bemüht, ein Modell zu finden, um Plavsic vor Dienstag (27. Oktober), wenn sie per Regierungsbeschluss freigelassen werden soll, ausreisen zu lassen, so das Blatt.

Die schwedische Regierung hatte am Donnerstag der Freilassung Plavsics aus einem schwedischen Gefängnis zugestimmt, nachdem sie nächste Woche zwei Drittel ihrer Haftstrafe abgebüßt hat. Grünes Licht dafür hatte zuvor auch der Präsident des Haager UNO-Tribunales für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY), Patrick Robertson, gegeben. Der bosnisch-serbische TV-Sender RTRS meldete daraufhin am Donnerstag, Plavsic sei schon frei und bereits auf dem Weg nach Belgrad. Das schwedische Justizministerium dementierte allerdings umgehend.

Laut “Politika” war es am Donnerstag zu einem “echten Drama” im Dreieck Stockholm, Belgrad und Sarajevo gekommen. Die bosnischen Behörden, aber auch drei bosniakische (muslimische) Organisationen in Schweden sollen von Stockholm beantragt haben, Plavsic nach Sarajevo zu überstellen. Ihr Anwalt habe den schwedischen Behörden daraufhin eine Kopie ihres serbischen Passes zugestellt, berichtete das Blatt. Die serbische Staatsbürgerschaft soll der 79-jährigen Biologin sichern, nach Belgrad und nicht nach Sarajevo ausreisen zu können.

“Politika” zufolge gibt es derzeit zwei Varianten für die Belgrad-Reise von Plavsic – entweder mit einem Regierungsflugzeug der Republika Srpska oder einer slowenischen Fluggesellschaft. Der bosnisch-serbische Premier Milorad Dodik bestätigte am Donnerstag, dass seine Regierung bemüht sei, die Reise von Plavsic nach Belgrad in die Wege zu leiten. Die serbischen Behörden hatten zuvor wissen lassen, dass sie in die Vorbereitungen für Plavsics Rückkehr nicht eingeschaltet seien.

Plavsic, die während des Krieges zum bosnisch-serbischen Staatspräsidium gehörte, hatte sich 2001 dem UNO-Tribunal in Den Haag gestellt. Sie hatte nach Auffassung des Gerichts während des Bosnien-Krieges an der Verfolgung von Bosniaken (Muslime) und Kroaten mitgewirkt. Tausende kamen dabei ums Leben, weitere Tausende wurden vertrieben.

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