Versuchter Bankraub: Der achte Coup der "Daltons"?

Es waren zwar nur zwei Täter, von der Vorgehensweise sowie vom Zeitpunkt des Überfalls her dürfte es sich aber wieder einmal um einen - versuchten - Coup der "Daltons" handeln: Freitag früh wollten zwei stark maskierte Männer eine Filiale der Erste Bank in der Laxenburger Straße in Wien-Favoriten überfallen.

Einer der Räuber hatte sich gar als Behinderter getarnt: Mit Armbinde und weißem Stock trat er mit seinem ebenfalls stark maskierten Komplizen um 7.05 Uhr in Erscheinung. Beide hatten sich zusätzlich mit Bärten, Brillen und verbreiterten Nasen getarnt. Sie warteten, bis um 7.05 Uhr eine Angestellte in das Geldinstitut gehen wollte. Sie bedrohten die Frau mit einem Küchenmesser und wiesen sie darauf hin, dass sie auch eine Pistole eingesteckt hätten. Laut Klug bekam die Bankangestellte die Faustfeuerwaffe sogar kurz zu sehen.

Einmal in der Bank, lief es nicht mehr gut für die Ganoven: Sie verlangten, dass der Tresor aufgesperrt werde. Die Angestellte konnte die beiden Räuber jedoch davon überzeugen, dass eine Öffnung des Tresors zu dieser Zeit noch nicht möglich sei. Daraufhin zogen die Bankräuber unverrichteter Dinge wieder ab. Laut Zeugenaussagen schwangen sie sich auf Fahrräder und setzten sich vermutlich über die Trambauerstraße ab. Die Polizei erschien wenig später am Tatort, von den Räubern fehlte aber jede Spur.

“Wir vermuten vom Tatzeitpunkt und vom Modus Operandi her, dass es die Daltons waren”, sagte Klug zur APA. “Obwohl diesmal ein dritter Täter nicht in Erscheinung getreten ist.” Ganz wollte der Oberstleutnant aber nicht ausschließen, dass auch der dritte Komplize wieder zugegen war. Er könnte Schmiere gestanden, dabei aber nicht aufgefallen sein. Die beiden Täter waren etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß und recht schlank. Laut der Angestellten sprachen sie gutes Deutsch mit Favoritner Dialekt. Untereinander unterhielten sie sich aber in einer ausländischen Sprache.

Bisher schon sieben Überfälle
Die wegen der aufsteigenden Größe – von rund 1,65 bis 1,85 Meter – nach den “Lucky Luke”-Bösewichten benannten Männer haben in den vergangenen Jahren inklusive des Coups vom Freitag siebenmal in Wien und einmal in Oberösterreich zugeschlagen. Den ersten Überfall soll die Bande am 7. November in der Tandelmarktgasse in der Leopoldstadt verübt haben. Damals vernichtete laut Klug ein Alarmpaket die Beute. Am 3. und 12 Dezember 2007 schlug das Trio daraufhin laut Polizei erneut zu: in der Simmeringer Hauptstraße in Wien sowie in einem Postamt in Wels. 2008 dürften drei Coups am 30. Jänner in der Hetzgasse (Bezirk Landstraße), am 17. März erneut in der Simmeringer Hauptstraße sowie am 16. Dezember in der Hetzendorfer Straße (Meidling) auf das Konto der “Daltons” gehen. Ihr letzter “Auftritt” am 2. April am Gellertplatz (Favoriten) schlug fehl, auch damals ließ sich der Tresor nicht öffnen.

Nach dem misslungenen Raubzug am Gellertplatz sagte Klug: “Sie bereiten sich relativ gut auf die Überfälle vor.” Dazu gehöre auch detailliertes Fachwissen über die Banken und deren Mitarbeiter. Bei einem Überfall in Simmering hätten sie einer Angestellten beispielsweise zu verstehen gegeben, dass man ihre Identität kenne und wissen würde, dass sie eine Tochter habe. Laut dem Ermittler erscheinen die “Daltons” gerne außerhalb der Öffnungszeiten bei Banken und verschaffen sich beim Eintreten von Mitarbeitern kurz vor dem Aufsperren Zutritt.

Täterbeschreibung:

Unbekannter Täter 1)
Mann, ca. 40 – 50 Jahre alt, ca. 165 cm – 175 cm groß, bekleidet mit schwarzem Kurzmantel, dunkle Hose, weiße Umhängetasche, Handschuhe, Blindenschleife am rechten Oberarm, maskiert mit schwarzer Schirmkappe, Sonnenbrillen, vermutlich aufgeklebter Vollbart sowie ebenfalls Nase mit Pflaster abgeklebt.

 

Unbekannter Täter 2)
Mann, ca. 40 – 50 Jahre alt, ca. 180 cm – 190 cm groß, bekleidet mit blauer Jacke, schwarzer Rucksack, maskiert mit Sonnenbrille, vermutlich aufgeklebten Vollbart, Fischerhut sowie die Nase mit Pflaster abgeklebt.

Da ein Zusammenhang mit früheren Straftaten nicht auszuschließen ist, wird für zweckdienliche Hinweise eine Summe von 10.000.-€ ausgelobt.

Noch immer keine Spur zu den Tätern
Nach den “Daltons” wurde sogar schon über die TV-Sendung “Aktenzeichen XY” gesucht. Seit Anfang April ist für Hinweise, die zur Verhaftung der Gesuchten führen, eine Belohnung von 11.000 Euro ausgesetzt.

Klug: “Es müsste in der Bevölkerung auffallen, dass auffällig ge- oder verkleidete Männer vor den Banken warten. Also muss man appellieren: Bitte seid aufmerksam und meldet euch gleich, wenn euch etwas seltsam vorkommt.”

Hinweise erbittet die Exekutive an den Journaldienst des Landeskriminalamtes Wien unter der Telefonnummer (01) 31310 / 33800 DW.

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