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Verständnis für Demos und Skepsis gegenüber klassischen Medien gestiegen

Demos erleben immer mehr Verständnis der Bevölkerung.
Demos erleben immer mehr Verständnis der Bevölkerung. ©APA/THOMAS KARABACZEK
Eine Studie hat gezeigt, dass immer mehr Menschen Sympathie für Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen aufbringen. Auch die Skepsis gegenüber der Berichterstattung klassischer Medien ist gestiegen.

Die Sympathie für Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen ist in der österreichischen Bevölkerung zuletzt gestiegen. Mit 36 Prozent macht der Anteil jener, die für die Proteste Verständnis zeigen, bereits über ein Drittel aus, wie eine am Dienstag vorgestellte repräsentative Studie des Gallup-Instituts in Kooperation mit dem Medienhaus Wien zeigt. Gleichzeitig nimmt auch die Skepsis gegenüber der Berichterstattung klassischer Medien in Bezug auf die Pandemie zu.

Das Institut erhebt seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 regelmäßig die Stimmungslage sowie die Mediennutzung in der Coronakrise. Für die aktuelle Umfrage wurden 1.000 Personen zwischen 18. und 22. Februar online befragt. Sie ist repräsentativ für die webaktive Bevölkerung ab 16 Jahren.

36 Prozent der Bevölkerung zeigen inzwischen Sympathie für Proteste

Die jüngsten Ergebnisse wurden vor allem mit den Antworten aus der November-Befragung - also rund um Beginn des zweiten Lockdowns - verglichen. Zwar war auch das Verständnis für die Demos im Herbst mit 29 Prozent schon relativ hoch, allerdings ist diese Gruppe seither eben noch einmal signifikant angewachsen. "Die sind zwar nicht alle auf der Straße", unterstrich Andrea Fronaschütz, Leiterin des Gallup-Instituts, in einer Online-Pressekonferenz. Allerdings zeigten die Zahlen: Die Demo-Sympathisanten seien "keine obskure Gruppe am gesellschaftlichen Rand".

Und sie lassen sich auch nicht in einen Topf werfen, sprach Fronaschütz von einer großen Heterogenität - etwa was die Anhängerschaft von Parteien anbelangt. Das linke Spektrum hat hier zuletzt gegenüber dem rechten Lager sichtbar "aufgeholt". Dennoch lassen sich aber einige Tendenzen ablesen, in welchen Segmenten das Verständnis zuletzt überdurchschnittlich gewachsen ist: Das betrifft etwa die 31- bis 50-Jährigen (45 Prozent Zustimmung), die am meisten an wirtschaftlichen und psychischen Folgen der Krisenbekämpfung zu leiden hätten oder in deren Familien oftmals die Kinder im Distance Learning seien, erklärte Fronaschütz. Hohe Zustimmungsraten gibt es zudem in Haushalten mit Kindern, bei geringem Einkommen und bei Selbstständigen. Auffällig: Bei Personen, die selbst oder deren Angehörige an Covid-19 erkrankt waren, zeigten mit 27 Prozent indes weniger Verständnis für Protestaufmärsche als noch im November (35 Prozent).

Zusammenhang zwischen Demos und Mediennutzung

Einen Zusammenhang gibt es auch zwischen der Einstellung zu Anti-Corona-Demonstrationen und der Mediennutzung. So werden traditionelle Medien wie Fernsehen, Radio oder Zeitungen von Personen, die den Demos offen gegenüberstehen, seltener genutzt als von der durchschnittlichen Gesamtbevölkerung. Beklagt werden häufig die Einseitigkeit von Information, die psychische Belastung infolge von Corona-Nachrichten und - von ganzen 37 Prozent (Gesamtbevölkerung: 17 Prozent) - das fehlende Vertrauen in Medien allgemein. Gleichzeitig äußern sich Skeptiker gegenüber klassischen News häufiger in Sozialen Medien, erklärte Medienhaus-Wien-Geschäftsführer Andy Kaltenbrunner.

Allerdings steht es um die Corona-Berichterstattung aus Sicht der Bevölkerung generell zunehmend schlechter. Waren es zu Beginn der Krise vor einem Jahr nur 13 Prozent, sind inzwischen 26 Prozent - also ein gutes Viertel - der Ansicht, Medien hätten "Panik verbreitet und maßgeblich zur Eskalation der Krise beigetragen". Besonders stark ist dieser Anteil bei FPÖ-Anhängern (57 Prozent), aber auch etwa bei NEOS-Sympathisanten (33 Prozent) oder bei den Unter-30-Jährigen (35 Prozent) zeichnet sich immer mehr Skepsis ab. Bei Demo-Sympathisanten sind es 46 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Österreicherinnen und Österreicher, die einen konstruktiven Beitrag der Berichterstattung in der Pandemiebewältigung sehen, von 25 auf 13 Prozent halbiert. Dennoch: Der Großteil sieht die Rolle der Medien weiterhin differenziert.

"Medien werden offenbar als Teil des politischen Systems empfunden"

Laut Gallup-Auswertung gibt es einen "Parallelismus" zwischen der stärker werdenden Kritik an der Berichterstattung und der sinkenden Zustimmung zu den Anti-Corona-Maßnahmen der Bundesregierung, die kontinuierlich zurückgeht und im Februar bei nur noch 43 Prozent lag (März 2020: 88 Prozent). "Medien werden offenbar als Teil des politischen Systems empfunden", schließt Institutschefin Fronaschütz daraus.

Überhaupt liest sie aus den Resultaten eine wachsende "Entfremdung von Medien, aber auch von politischen Strukturen" heraus. Die schwierige Frage für Kaltenbrunner lautet: "Wie bekommt man diese Gruppe wieder zurück in den öffentlichen Diskurs?"

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(APA/Red)

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