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Versicherungsbetrug: Wiener nach "Wohnungseinbruch" in Ottakring vor Gericht

Fand in der Wohnung des Angeklagten in Ottakring tatsächlich ein Einbruch statt?
Fand in der Wohnung des Angeklagten in Ottakring tatsächlich ein Einbruch statt? ©Bilderbox (Symbolbild)
Ein 42-jähriger Wiener hatte Anzeige erstattet, weil angeblich in seiner Wohnung in Ottakring eingebrochen worden war. Doch der Einbruch war möglicherweise fingiert - und der Wiener musste sich wegen Versicherungsbetrug vor Gericht verantworten.

Der Einbruch in seiner Wohnung war nur vorgegeben, um Geld von seiner Versicherung zu kassieren – so lautet zumindest die Anklage. Nachdem der 42 Jahre alter Wiener den Einbruch in Ottakring angezeigt hatte, musste er sich am Mittwoch wegen Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung und versuchten Betrugs im Straflandesgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft unterstellt dem Mann, den Einbruch fingiert zu haben, um über seine Haushaltsversicherung zu Geld zu kommen. Der Angeklagte und sein Verteidiger Eduard Salzborn wiesen diese Anschuldigung empört zurück. Es wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Tathergang des Einbruchs in Ottakring

Nach Darstellung des 42-Jährigen wurde er am 20. Juni 2011 von seiner Lebensgefährtin angerufen, die ihm aufgeregt mitteilte, jemand sei gewaltsam in die gemeinsame Wohnung in Wien-Ottakring eingedrungen. “Es hat fürchterlich ausgeschaut. Im Schlafzimmer war das totale Chaos. Alles war durchwühlt und am Boden verstreut”, schilderte die Frau nun im Zeugenstand ihre Eindrücke beim Betreten der Wohnung.

Schaden: 17.000 Euro

Nachdem er mit einem Freund, der von Beruf Kriminalbeamter ist, Rücksprache gehalten hatte, erstattete der 42-Jährige Anzeige und legte in weiterer Folge seiner Haushaltsversicherung eine Schadensmeldung vor: Der oder die Eindringlinge, die sich über ein Fenster Zutritt verschafft hätten, hätten unter anderem Golddukaten mitgenommen. In einer exakten Aufstellung der abhandengekommenen Gegenstände machte der Mann einen Schaden von 17.000 Euro geltend.

Obwohl ein erster Gutachter keinen Zweifel an dem behaupteten Einbruch hatte – in seiner Expertise stellte er fest, die Angaben des Wohnungsbesitzers wären in Bezug auf die sichergestellten Spuren “nachvollziehbar” -, schaltete die Versicherung einen zweiten Sachverständigen ein. Dieser kam zum Schluss, dass die festgestellten Beschädigungen am Fenster – ein abgerissener Schließbügel und bloße Kratzspuren, aber keine Absplitterungen am Fensterbalken – keinesfalls mit einem gewaltsamen Aufbrechen von außen in Einklang zu bringen sind.

Wollte er Versicherung “linken”?

Der im Hauptberuf bei der Polizei tätige Kriminaltechniker bekräftigte in der Verhandlung seine Angaben. Auf den Einwand, selbst die Polizei sei zunächst von einem Einbruch ausgegangen, erklärte der Sachverständige, seine “normalen Kollegen” hätten “hinsichtlich der Spurenauswertung keine ausreichende Ausbildung”.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte seine Versicherung “linken” wollte. Unter anderem führt sie gegen den 42-Jährigen ins Treffen, dieser sei arbeitslos, habe seine Zahnarztrechnung nicht mehr bezahlen und angesichts seiner finanziellen Lage gar keine Golddukaten besitzen können.

Waren in der Wohnung in Ottakring Golddukaten?

“In den Ermittlungsakt sind Dinge, die diese Anschuldigung in Zweifel ziehen könnten, nicht eingeflossen”, konterte Verteidiger Salzborn. Die Golddukaten hätten der Mutter seines Mandanten gehört, die diese während der Renovierung ihrer Wohnung dem Sohn anvertraute: “Die Mutter ist nie vernommen worden.” Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin verfüge der 42-Jährige über ein monatliches Einkommen von über 3.000 Euro: “Die Freundin ist dazu nie vernommen worden.”

Was die Zahnarztrechnung betrifft, habe der Angeklagte bis auf die letzte Rate schon lange vor dem Einbruch alles bezahlt gehabt. “Es war ausgemacht, dass er das ausstehende Geld erst nach dem Abschluss der Behandlung bezahlt. Der Zahnarzt ist dazu allerdings nie vernommen worden”, stellte der Anwalt fest.

Einbruch auch zwei Türen weiter

Außerdem steht laut Salzborn fest, dass wenige Minuten, nachdem die Wohnung seines Mandanten auf den Kopf gestellt wurde, am Clemens-Hofbauer-Platz in Ottakring eingebrochen wurde: “Das ist exakt zwei Türen weiter.”

Zur Einvernahme zahlreicher Zeugen und der Einholung eines weiteren kriminaltechnischen Gutachtens wurde vertagt. Bis zur rechtskräftigen Erledigung des Strafverfahrens wird der 42-Jährige aus Ottakring mit Sicherheit kein Geld von seiner Versicherung erhalten.

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