Verbund gibt Startschuss für Kapitalspritze

Der Verbund hat am Dienstag den Startschuss für seine große Kapitalerhöhung gegeben und seine Pläne für die Verwendung der zusätzlichen Mitteln erläutert. Demnach sollen in den nächsten fünf Jahren 1,9 Mrd. Euro in Österreich und Deutschland in Stromerzeugung und in das Netz investiert werden, weitere 500 Mio. Euro fließen für Auslandstöchter in der Türkei und Italien.

Die Kapitalmaßnahme soll 1 Mrd. Euro Eigenkapital bringen, die Investitionsprojekte summieren sich auf 2,4 Mrd. Euro bis ins Jahr 2016. Das Management begibt sich ab heute auf Road-Show, um Zeichner für die neuen Aktien zu finden. Erste Station ist London.

Die Kapitalerhöhung verfolge das Ziel, den Fremdkapitalanteil des Unternehmens zu reduzieren und das Rating (“A”) abzusichern, erläuterte Verbund-Vorstandschef Wolfgang Anzengruber am Dienstag in Wien. Würde sie nicht stattfinden, hätte man die Investitionen “statt auf sieben bis acht Jahre auf 15 Jahre verteilen müssen”, das Strommunternehmen hätte “zur Sicherung des Ratings Investitionspläne gestrichen”. Knapp 78 Prozent der bis 2016 geplanten Kapitalausgaben für Wachstumsinvestitionen (CAPEX) fänden in Österreich (und Deutschland) statt, sagte Anzengruber.

Er räumte aber auch ein, dass die für die Türkei geplanten 400 Mio. Euro ein Eigenkapital für das 50-Prozent-Joint-venture Enerjisa (Partner: Sabanci) darstellten – also Mittel, die für die Investitionen ihrerseits wiederum mit Krediten vervielfacht werden. Das Gemeinschaftsunternehmen will bis 2015 eine Stromerzeugungskapazität von 1.500 MW mit Wasser- und Gaskraftwerken errichten und 10 Prozent an dem stark wachsenden türkischen Strommarkt (7 bis 8 Prozent pro Jahr) erringen. Dazu kommen weitere Investitionen in Übertragungsnetze.

In Österreich (und marginal in Deutschland) werden in künftige Energieerzeugungsprojekte (z.B. Pumpspeicher, Laufkraft, Gas) 887 Mio. Euro gesteckt, zusätzlich zu den rund 300 Mio. Euro, die für bereits laufende Vorhaben gebraucht werden. Rund 600 Mio. Euro werden noch für den Ausbau des österreichischen 380-KV-Stromnetzes fällig. Rund 100 Mio. Euro braucht man für das italienische Gemeinschaftsunternehmen Sorgenia (44,8 Prozent Anteil). Für die französische Beteiligung Poweo wird mit keinem zusätzlichen Investitions-Aufwand gerechnet.

Die restlichen 1,4 Mrd. Euro, die der Verbund für seine Investitionsvorhaben benötigt, will Anzengruber über den Cash-flow, Fremdmittel und den Verkauf von bis zu 30 Prozent der 2009 erworbenen bayerischen Innkraftwerke aufbringen. Für letztere Anteile gebe es mittlerweile rund 10 Interessenten, sagte er. Der Verkaufsprozess soll nächstes Jahr beginnen. Für die nächsten zwei Jahre ist laut Anzengruber keine Neuaufnahme von Krediten bzw. Anleihen für den Investitionsplan geplant. Die Kapitalmaßnahme soll den Verschuldungsgrad (Gearing) auf 150 senken.

Weil nicht alle Aktionäre zur Gänze ihre Bezugsrechte ausüben, wird sich der Streubesitz der Verbund-Aktie “um 1 bis 2 Prozent erhöhen”, wie Anzengruber schätzte. Ein Syndikat von EVN und der Wiener Stadtwerke Holding will zu “einem wesentlichen Teil”, aber nicht zur Gänze mitziehen – die Sperrminorität der beiden Aktionäre durch Kontrolle von mehr als 25 Prozent soll erhalten bleiben. Die Tiroler Tiwag, ebenfalls ein Großaktionär, hat angekündigt, voll mitziehen zu wollen. Haupteigentümer Republik Österreich wird zur Gänze mitziehen (Kostenpunkt: 510 Mio. Euro). In Österreich sind öffentliche Mehrheiten an Energieversorgern in der Verfassung verankert. Die Kosten der Kapitalerhöhung beziffert der Verbund mit brutto 23 Mio. Euro (inklusive Steuern).

Die 11 bis 12-prozentige Kapitalerhöhung wird aber “nahe dem Marktpreis” erfolgen, wurde am Dienstag angekündigt. Der derzeitige Kurs von 27,42 Euro (gegen 13 Uhr) liegt freilich deutlich unterhalb der als Maximalgrenze genannten 35 Euro. Die Bezugsperiode läuft bis 23. November, am 24. November soll der Bezugspreis und die endgültige Anzahl der neuen Aktien genannt werden. Am 26. November wird dann der Handel aufgenommen werden.

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