Verbund ab 2011 auch für Tiroler Übertragungsleitungen zuständig

Mit dem Dritten Energiemarkt-Liberalisierungspaket will die EU mehr Wettbewerb im europäischen Stromsektor schaffen, was letztendlich den Endkunden zugutekommen soll. Jetzt fehlt nur noch die Regelzone Vorarlberg, die wahrscheinlich per 2012 hinzukommen soll. Der Endkunde hat von alledem vorerst jedoch nichts.

Unter anderem müssen Stromkonzerne das Erzeuger- und Stromübertragungsgeschäft trennen (Unbundling). Vor diesem Hintergrund kooperieren die Verbund-Netztochter Austrian Power Grid (APG) und die Tiroler TIWAG-Netz AG bei den Übertragungsnetzen. Die bereits vor einem Jahr angekündigten Pläne wurden am Montag konkretisiert. Die APG ist ab 2011 für 95 statt bisher 85 Prozent des österreichischen Hoch- und Höchstspannungsnetzes zuständig.

Der teilstaatliche Verbund hat bisher die Regelzonenführung für sieben Bundesländer inne (“Regelzone Ost”), Tirol und Vorarlberg haben eigene Regelzonen. Jetzt, nach einjähriger Vorbereitung, wird auch der Betrieb des Tiroler Übertragungsnetzes in die APG-Regelzone integriert. Die Wettbewerbshüter haben im dritten Quartal 2010 grünes Licht dafür gegeben. Die Höchstspannungsleitungen bleiben durch die Kooperation “jedenfalls” in Tiroler Hand, auch die Arbeitsplätze bleiben bestehen, betonte TIWAG-Netz-Vorstand Erich Entstrasser vor Journalisten.

In der Vergangenheit hatten sich die Stromnetzbetreiber in Tirol und Vorarlberg wiederholt gegen eine Zusammenlegung der Regelzonen ausgesprochen. Die EU-Entflechtungsvorschriften zwangen die Unternehmen aber zum Umdenken, da sich der eigenständige Fortbestand von kleinen Übertragungsnetzen nicht mehr rentiert. Auch Vorarlberg dürfte bald einlenken und wahrscheinlich Anfang 2012 Tirol nachfolgen. Man sei schon in Gesprächen, kündigte APG-Vorstand Thomas Karall an. Warum man diese Regelzone des Ländle nicht in einem Aufwaschen integriert hat? “Vorarlberg ist technisch und organisatorisch vielleicht eine Spur anspruchsvoller, weil die Verwobenheit mit Deutschland noch größer ist als in Tirol”, erklärte E-Control-Boss Walter Boltz.

Der Energieregulator habe die seit 1998 bestehende Dreiteilung der Regelzonen stets kritisch gesehen und begrüße daher die Kooperation zwischen TIWAG und Verbund. Ein wesentlicher Vorteil einer einheitlichen Regelzone sei, dass Österreich, wenn es geschlossen auftritt, seine Einflussmöglichkeiten auf EU-Ebene verstärkt, so Boltz. Immerhin liege Österreich im Zentrum des europäischen Höchstspannungsnetzes.

Boltz sprach auch von einer “positiven Entwicklung für die Konsumenten” – wenngleich der Endkunde auf seiner Stromrechnung vorerst wohl nichts bemerken wird. Jedoch “spart sich der Endkunde die Mehrkosten von schätzungsweise 3 bis 4 Mio. Euro im Jahr, die in Tirol angefallen wären”, meinte der Regulator zur APA. Ende 2011 müssen nämlich die Übertragungsnetzbetreiber EU-weit zertifiziert sein, und diese Zertifizierung komme vor allem kleineren Betreibern wie die TIWAG teuer. Die Tiroler ersparten sich durch die Kooperation mit der Verbund-Netztochter eine “nicht unwesentliche” Aufstockung des Personals um etwa 25 Posten, denn laut den neuen EU-Vorschriften müssen für die Regelzonenführung eigene Mitarbeiter abgestellt werden, so Boltz.

Durch die Zusammenlegung der Regelzonen Ost und Tirol dürften sich außerdem die Kosten für die Regelleistung um rund 2 Mio. Euro im Jahr verringern, so Karall. Momentan zahlt die APG ihren Kunden, den Kraftwerken, rund 60 Mio. Euro im Jahr – durch Speicherkraftwerke wird gewährleistet, dass Frequenz und Spannung im gesamten Netzgebiet stabil bleiben. Und wenn durch die neuen EU-Regelungen der Wettbewerb gestärkt wird – für größere Regelzonen gibt es mehr potenzielle Anbieter für Ausgleichsenergie -, werden die Preise, die die Kraftwerksbetreiber dem Regelzonenführer verrechnen, sinken, glaubt Boltz

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