Van der Bellen zum Kopftuch-Sager: "Fehler in der Formulierung möglich"

Kopftuch: Van der Bellen sieht "Fehler, wenn man so will"
Kopftuch: Van der Bellen sieht "Fehler, wenn man so will" ©APA/FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUMMAYR
Der amtierende Bundespräsident Alexander Van der Bellen versteht offenbar nicht so recht, wieso seine umstrittene Kopftuch-Aussage auf so viel Widerstand gestoßen ist.
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Zumindest in der Sache bleibt er in einem “Krone”-Interview bei seiner Meinung. Sein Fehler, “wenn man so will”, möge mehr in der Formulierung gelegen sein.

Der umstrittene “Kopftuch-Sager” Van der Bellens

Van der Bellen hatte angesprochen auf Islamfeindlichkeit, speziell Übergriffe auf Kopftuch tragende Frauen gemeint: “Wenn das so weitergeht (…) bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen, alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun.” Weiters griff er zum Vergleich mit Dänemark in der Zeit der Besatzung durch Nazi-Deutschland. Damals hätten nicht-jüdische Dänen begonnen, den Davidstern zu tragen – als Geste des Widerstands gegen die Deportation von Juden.

International einige negative Resonanz

Abgesehen davon dass letzteres historisch zumindest umstritten ist, stießen sowohl der Holocaust-Vergleich als auch die Kopftuch-Aussage sogar international auf negative Resonanz. “Hin und wieder wird man auch etwas sagen müssen, wo man im Moment viel Kritik einsteckt. Aber auf Dauer wird vielleicht doch verstanden, was man eigentlich sagen wollte”, sagt Van der Bellen nun dazu.

Bezüglich des Davidstern-Vergleichs sieht das Staatsoberhaupt selbst keinen Vergleich. Es sei ihm um die Darstellung des “zivilen Widerstands gegen die Diskriminierung einer Minderheit” gegangen. Er sorge sich “seit Langem, dass wir uns immer so sehr auf das Schlussverbrechen, den Holocaust, die Konzentrationslager fokussieren, und zu wenig mitdenken, was schon in den 1920er- und den 1930er-Jahren passiert ist”: die Vorbereitung, die Entwürdigung, die Diskriminierung – erst diese Vorgeschichte erkläre, wie es dann dazu kommen konnte, die Menschen auch physisch zu vernichten. Das habe er sagen wollen, zitiert die “Krone” den Bundespräsidenten.

Kopftuch-Sager: “War ein Fehler – etwas wurde entfesselt”

Auch in einem Interview mit der Tageszeitung Österreich (Freitag-Ausgabe) nahm der Bundespräsident Stellung und distanzierte sich von seinem umstrittenen Kopftuch-Zitat: “Ja, es war ein Fehler. Es ist dadurch etwas entfesselt worden, was auch eine gewisse Empörungskultur befördert hat.”

Van der Bellen führt gegenüber dem Blatt aus: “Mir ging es, ungeachtet der missglückten Kommunikation, schlicht um Freiheitsrechte. Jede erwachsene Frau hat das Recht, sich zu kleiden, wie sie will. Ich verstehe, dass der Zwang zum Kopftuchtragen in anderen Ländern Frauen erzürnt, aber die Antort kann nicht sein, es bei uns zu verbieten.”

Hörsaal führte zu “Ungezwungenheit” Van der Bellens

Der Bundespräsident lieferte gegenüber “Österreich” eine weitere Erklärung, wie es zu dem “Kopftuch-Sager” gekommen sei: “Ich habe das alles bei einer Diskussion mit Schülern und Schülerinnen gesagt. Da vergisst man, dass mitgeschnitten wird. Da fühle ich mich wie im Hörsaal, verhalte mich ungezwungen wie früher und sage Dinge, die man sonst so nicht sagt. Diese Schuld nehme ich auf mich. Ich muss mir wohl stärker bewusst sein, dass der Hörsaal eine Sache ist und das Amt des Bundespräsidenten eine andere.”

Van der Bellen sieht seinen “Fehler” dem Medium zufolge aber auch mit Humor und nimmt die Parodie von Künstlern wie Andreas Gabalier gelassen: “Daran will ich nichts kritisieren wollen – das finde ich ok. Ich habe damit ja auch vielen Kabarettisten Futter und Anlass zum Lachen gegeben.”

(apa/red)

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