ÖVAG fiel bei Stresstest durch, Erste und Raiffeisen schnitten gut ab

In Österreich gab es beim europaweiten Großbanken-Belastungstest keine Überraschungen mehr. Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) hat die 5-Prozent-Schwelle beim Eigenkapital unter einem Schockszenario nicht geschafft, ist also durchgefallen.
Gut abgeschnitten hätten mit ihren Kapitalquoten die börsenotierten Großbanken Erste Group und Raiffeisen International (RBI). Auch die Bank Austria – deren Ergebnis in den italienischen UniCredit-Abschluss fiel – ist im Österreich-Test durchgekommen.

Ausgehend von 6,4 Prozent Kernkapital nach der strengen Definition der europäischen Bankenaufsicht EBA würde die mit Staatskapital massiv unterstützte ÖVAG unter harten Krisenszenarien Ende 2012 auf nur 4,5 Prozent Kernkapital kommen. Allerdings sind bei der ÖVAG schon kapitalstärkende Maßnahmen eingeleitet. Darunter der gestern paktierte Verkauf der Volksbank International (VBI) an die russische Sberbank. Damit kommt die Bank dann auch “unter Stress” wieder über die kritische Schwelle beim Kapital und sogar in Richtung europäisches Mittelfeld.

Die Erste Group würde bei einem simulierten Rückfall in die Rezession von 8,7 Prozent auf 8,1 Prozent zurückfallen.

Von 8,1 Prozent auf 7,8 Prozent gefallen wäre unter dem Belastungstest die Kapitalquote bei der Raiffeisen Bank International.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat die Stresstests für die Banken mit einem “Belastungs-EKG” verglichen.

Stresstest macht Europas Banken kaum Stress

Die meisten europäischen Banken scheinen für künftige Finanzkrisen gewappnet. Ein mit Spannung erwarteter Stresstest der Aufsichtsbehörden deckte bei lediglich acht von 90 Instituten einen Kapitalmangel auf und zwar von insgesamt 2,5 Mrd. Euro. In Österreich ist die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) erwartungsgemäß davon betroffen. Experten hatten mit doppelt so vielen Banken gerechnet, die einer Rezession und einem Einbruch an den Aktien- und Anleihemärkten nicht standhalten können.

Von den 13 getesteten deutschen Banken wäre einzig die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nach den EBA-Kriterien nicht durchgekommen. Doch das Institut hatte sich im Streit mit der Aufsicht in letzter Minute selbst von der Untersuchung ausgeschlossen. Schon kurz nach Bekanntgabe am Freitagabend bezweifelten Experten und Bankenvertreter, dass der Test der europäischen Aufsicht EBA das Vertrauen in die Finanzbranche wieder herstellen kann.

“Robust” unter Testbedingungen

“Die Ergebnisse des Bankenstresstests zeigen, dass die Kapitalausstattung der teilnehmenden deutschen Banken (…) sich unter den pessimistischen Annahmen des Stresstests als robust erwiesen hat”, sagte die Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, Sabine Lautenschläger. Aus Deutschland bestanden die Großbanken Deutsche Bank und die Commerzbank klar. Die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB kamen dagegen nur knapp durch und müssen laut EBA ihre Kapitalpuffer erhöhen. Sie haben bereits Maßnahmen angekündigt, wie sie ihre Kapitalausstattung verbessern wollen. Die Helaba konnte die EBA dagegen nicht überzeugen mit ihren geplanten Maßnahmen, was für großes Unverständnis in der deutschen Politik und Bankenbranche sorgte.

Fünf spanische und zwei Griechische Banken gescheitert

Neben der ÖAVG sind fünf spanische Geldhäuser – Ergasias EFG Caja 3, Catalunya, Unnim, CAM und die Banco Pastor – sowie zwei griechische Institute – ATEbank und Eurobank – gescheitert.

Maßstab für die EBA im zweiten großen Banken-Stresstest ist die harte Kernkapitalquote, die nur Aktionärskapital und Gewinnrücklagen berücksichtigt. Die so definierte Kapitalausstattung darf auch in einem Schock-Szenario mit einer zwei Jahre andauernden Rezession, einbrechenden Aktienkursen und steigenden Zinsen nicht unter fünf Prozent sinken. Im vergangenen Jahr war die Hürde mit sechs Prozent höher, damals durften die Teilnehmer aber auf Kapitalformen wie Genussscheine und stille Einlagen noch bauen.

Kritik am Stresstest

Während des Tests war immer wieder kritisiert worden, dass sich die Politik zu stark eingemischt habe. So galt das Szenario einer Staatspleite Griechenlands als Tabu. Die Teilnehmer müssen nur 15 Prozent auf ihre griechischen Staatsanleihen abschreiben, in der Realität notieren sie bis zu 50 Prozent unter den Buchwert. Vor allem deutsche und französische Banken sitzen auf großen Posten griechischer Bonds. “Da wurde eine große Chance für glaubwürdige Tests vertan”, kritisierte Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management. “Mit nur acht Durchfallern kann kein Vertrauen wiederhergestellt werden”, sagte Michael Symonds, Kreditanalyst von Daiwa Capital Markets. Der Stresstest soll Investoren eigentlich Hinweise auf die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensystems geben.

Auch Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis monierte, der Test trage nur unzureichend zur Vertrauensbildung bei. Einige gesunde Institute seien “künstlich krankgeredet” worden, erklärte er unter anderem mit Blick auf die Helaba. Schon vor einem Jahr war die Glaubwürdigkeit des Tests in Zweifel gezogen worden. Damals waren nur sieben von 91 Instituten durchgefallen, darunter der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Nur kurze Zeit später kollabierten irische Banken, obwohl sie den Test bestanden hatten. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, Michael Kemmer, warnte daher davor, die Ergebnisse überzubewerten.

Der wahre Wert des Stresstests liegt für viele Kapitalmarktexperten daher in der Transparenz: Rund 3.000 Daten muss jede Bank veröffentlichen – von der Laufzeit all ihrer Staatsanleihen bis zu einer Ergebnisprojektion für dieses und das nächste Jahr. 2010 waren es nur 100 Daten. Kritiker halten indes auch das für gefährlich, da es einige Häuser zum Ziel von Spekulanten machen könnte. “Es ist durchaus möglich, dass sich jemand sehr genau anschaut, wo eine Bank ihre Schwachpunkte hat, und möglicherweise auch dagegen spekuliert”, sagte Kemmer.

APA

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