US-Wirbelsturm "Sandy" fordert dutzende Menschenleben

Dutzende Menschen starben im US-Wirbelsturm "Sandy" - Strom fiel aus
Dutzende Menschen starben im US-Wirbelsturm "Sandy" - Strom fiel aus ©EPA
"Sandy" hat die Ostküste der USA mit voller Wucht getroffen und mehr als ein Dutzend Menschen getötet. Die Angaben über Opferzahlen variierten, zuletzt war von 16 Toten die Rede, unter ihnen mehrere Kinder.
Bilder der Zerstörung
NYC nach Sandy
Bilder aus NYC
Kurz vor "Sandy"
Flüge aus Wien noch nicht gestrichen
NYC trotzt Sandy

An der Küste kam es zu katastrophenartigen Zuständen mit Regen und Überflutungen. In einem Atomkraftwerk im Bundesstaat New Jersey gab es Hochwasser-Alarm. Millionen Menschen waren ohne Strom. Das öffentliche Leben in Millionenmetropolen wie New York, Washington und Philadelphia kam zum Erliegen. Laut CNN waren 6,5 Millionen Menschen in mehreren US-Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington von Stromausfällen betroffen.

In einem New Yorker Umspannwerk gab es eine Explosion. Bilder zeigten einen gewaltigen Feuerball aus der Anlage in der Lower East Side von Manhattan am späten Montagabend. Von Verletzten wurde dort zunächst nichts bekannt.

AKW von “Sandy” bedroht

Die Nahverkehrssysteme sowie Schulen, Behörden, Theater, Büchereien, Parks und zahlreiche Restaurants und Geschäfte blieben vielerorts geschlossen. Auch die Vereinten Nationen und die Börse an der Wall Street in New York blieben zu. In das geschlossene U-Bahn-System der Millionenmetropole drang der Verkehrsbehörde MTA zufolge Wasser ein. Windböen peitschten durch die Stadt, immer wieder waren Sirenen zu hören.

Im Atomkraftwerk Oyster Creek südlich von New York wurde wegen eines bedrohlich ansteigenden Wasserspiegels Alarm ausgelöst, teilte die US-Atomaufsichtsbehörde NRC am späten Montagabend (Ortszeit) mit. Das Kraftwerk im Bundesstaat New Jersey sei zu dem Zeitpunkt bereits abgeschaltet gewesen. Wind, Sturmflut und Regen hätten das Wasser zunächst stark anschwellen lassen. In den folgenden Stunden sollte es aber rasch ablaufen, hieß es. Oyster Creek ist seit 1969 am Netz und das älteste laufende Atomkraftwerk der USA.

Schäden in Milliarden Höhe

Nach einer ersten Expertenschätzung könnte Wirbelsturm “Sandy” an der US-Ostküste Gesamtschäden von bis zu 20 Milliarden US-Dollar angerichtet haben. Diese Zahl nannte der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat in der Nacht auf Dienstag in Oakland. Allerdings war das Unwetter zum Zeitpunkt der Schätzung noch nicht vorbei.

Nach Angaben des US-Hurricane Centers erreichte das Auge des Wirbelsturms “Sandy” am Montagabend (Ortszeit) im Bundesstaat New Jersey nahe der Spielermetropole Atlantic City die Küste. Teile der Strandpromenade wurden beschädigt. Dann wirbelte der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde an der US-Ostküste entlang. Zuletzt zog er insgesamt abgeschwächt weiter westwärts. Wetterexperten befürchteten aber, dass “Sandy” später im Nordosten auf einen Wintersturm treffen könnte. Diese Kombination könnte dann zum schwersten Unwetter seit Jahrzehnten führen.

New Yorker verlassen Wohnungen

In New York hatten fast 400.000 Menschen in tiefer gelegenen Gebieten der Metropole schon vor dem Sturm ihre Häuser und Wohnungen verlassen müssen. Tausende Flüge an die US-Ostküste – auch von und nach Österreich – wurden gestrichen. Weiterhin gab es am Dienstag keine Flüge von Wien nach New York, dafür eine Wiederaufnahme der Verbindung Wien-Washington. Das war der Stand am Dienstagvormittag, wie AUA-Sprecherin Patricia Strampfer bekannt gab. Während der für 10.30 Uhr angesetzte Flug nach New York gecancelt wurde, da hier die Flughäfen weiterhin gesperrt sind, soll jener in die US-Hauptstadt um 13:25 Uhr starten, also um drei Stunden später als geplant.

Aus jetziger Sicht sollte der normale Flugverkehr nach New York ab Mittwoch wieder möglich sein, noch sei aber nicht absehbar, inwieweit der JFK-Airport von “Sandy” Schäden davongetragen hat, so Strampfer. Den Fluggästen wird daher geraten, sich via Internet auf dem Laufenden zu halten.

Tausende Menschen in Schutzrumen

Draußen auf der Straße und ganz besonders in einigen tiefer gelegenen Stadtvierteln war es den Behörden zufolge lebensgefährlich. Allein in New York mussten vorsorglich fast 400.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Dabei handelt es sich vor allem um die am Wasser gelegenen Randgebiete verschiedener New Yorker Stadtteile. Auch Szene-Viertel in Manhattan wie Greenwich Village oder Tribeca, in denen viele Prominente wohnen, waren betroffen.

Die meisten Menschen kamen bei Freunden und Verwandten unter oder verließen die Stadt. Etwa 4.000 Menschen begaben sich nach Angaben von Bürgermeister Michael Bloomberg in Notunterkünfte..

Obama ruft Notstand für New York und New Jersey aus

US-Präsident Barack Obama hat am Dienstag für die vom Hurrikan “Sandy” schwer getroffenen Bundesstaaten New York und New Jersey den Notstand ausgerufen. Das teilte das Weisse Haus in Washington mit.

Die Entscheidung ermöglicht es den vom Sturm Betroffenen, Bundesgelder zu beantragen, etwa für den Wiederaufbau ihrer Häuser oder für die Unterbringung in Ersatzwohnungen. Im Bundesstaat New York waren 1,5 Millionen Menschen ohne Strom. In New York standen sieben U-Bahn-Tunnel unter Wasser.

“Sandy” im Endspurt

Der Sturm wirkte sich bereits auf den Endspurt zur US-Wahl am 6. November aus. Sowohl Präsident Barack Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Termine ab. Obama kehrte von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu folgen. “Dies wird ein großer und mächtiger Sturm”, warnte er im Weißen Haus. Er machte aber auch Mut: “Wir werden das zusammen überstehen.” Obama rief für Washington und New York sowie für die Bundesstaaten Maryland, Massachusetts und Delaware den Notstand aus.

Bei einer dramatischen Rettungsaktion brachten zwei Hubschrauber der US-Küstenwache 14 Besatzungsmitglieder des Filmschiffs “Bounty” in Sicherheit. Eine Stunden später geborgene Frau starb. Der Kapitän des Schiffes wurde weiter vermisst. Die Suche nach ihm geht weiter.

Der öffentliche Verkehr ist zusammengebrochen, Teile New Yorks sind überflutet: Nur allmählich kehrt Leben zurück in die Straßen der Stadt. Trotzdem hinterlässt “Sandy” Schäden in Milliardenhöhe und in einem wohl historischem Ausmaß.

Spezialseite von Google zu “Sandy”

(APA)

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