Untere Lobau trocknet aus: Kritik an Wiens Politik

"Untere Lobau trocknet aus": Wissenschafter-Kritik an Wiener Politik
"Untere Lobau trocknet aus": Wissenschafter-Kritik an Wiener Politik ©APA (Symbolbild)
Organisationen und Forschende haben auf eine bereits vorhandene Gefahr im Naturschutzgebiet in der Unteren Lobau in Wien hingewiesen.

"Die Untere Lobau trocknet aus", warnten u.a. Experten von Universität Wien, BOKU Wien und Naturhistorischem Museum. Die Naturlandschaft müsse wieder mit der Donau vernetzt werden, appellierten sie an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Die Situation sei "dramatisch".

Situation der Unteren Lobau in Wien "dramatisch"

Tier- und Pflanzenarten verschwinden, immer häufiger kommt es zu Fischsterben, wurde bei einer Pressekonferenz erläutert. Ohne eine deutliche Wiederanbindung an das Wasser der Donau werde die Untere Lobau bald ihren Auencharakter, ihre Artenvielfalt, ihre letzten Wasserflächen und damit auch ihren Wert im Rahmen des Nationalparks Donau-Auen verlieren.

Kritik an Wiener Politik: "Das ist eine aktive Sterbehilfe"

Während im niederösterreichischen Teil des Nationalparks seit Jahren die Wälder zur Donau hin geöffnet und ehemalige Nebenarme wieder an den Strom angebunden werden, "schaut die selbsternannte Umweltmusterstadt Wien dem Sterben des ihr anvertrauten Teils des Nationalparks tatenlos zu", wurde in einer Aussendung nach der Pressekonferenz kritisiert. Die Stadt unterbinde sogar die seit Jahren auf dem Tisch liegenden Renaturierungskonzepte. "Das ist eine aktive Sterbehilfe", fand Ulrich Eichelmann von Riverwatch drastische Worte. "Die Lobau braucht Wasser, und zwar viel und sofort", erläuterte der Ökologe Peter Weish vom Wiener Naturschutzbund.

Donau soll wieder mit Gewässern der Lobau vernetzt werden

Eine 2015 abgeschlossene Studie zu Möglichkeiten, die Gewässer der Lobau mit der Donau zu vernetzen, komme zu dem eindeutigen Befund: Ohne Management, ohne signifikant Wasser in die Lobau zu leiten, geht dieser wertvolle Lebensraum verloren. Dahinter verberge sich auch ein Interessenskonflikt um die zeitweise Nutzung des Grundwassers der Lobau durch die Stadt Wien. Sieben Jahre seien seit der Studie vergangen und nichts dazu entwickelt worden, kritisierten die Experten am Mittwoch. "Auch wenn der Status 'Nationalpark' grundsätzlich eine Grundwassergewinnung zulässt, darf die Grundwassergewinnung nicht eine Verschlechterung des ökologischen Zustands und einen Biodiversitätsverlust zur Folge haben", wurde festgehalten.

Außerdem wurden kurzfristig umzusetzende, erste Maßnahmen gefordert. Es sollte eine testweise Einleitung von Wasser erfolgen, um abzuklären, ob die Brunnen abseits der Annahmen von Modellberechnungen tatsächlich gefährdet sind, sowie im Wasserwerk Lobau eine moderne Aufbereitungsanlage installiert werden. Das eigentliche Ziel müsse aber die Wiederanbindung der Unteren Lobau an die Donau sein. Damit bekäme Wien endlich auch eine echte Au zurück, erklärten die Experten.

(APA/Red)

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