Und wann darf gekifft werden?

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Gastkommentar von Johannes Huber. Die FPÖ bekämpft das Rauchverbot in Lokalen. Vorerst mit Erfolg. Die ÖVP gibt klein bei. Das wirft jedoch Fragen auf.

Gut, dass wir keine anderen Probleme haben, könnte man sagen. Andererseits aber ist es eher beschämend für die zukünftige Regierung, dass das Rauchverbot in Lokalen ihr größtes Thema ist. Ja, das ist es: Schon lange nicht mehr haben sich so viele Österreicher an einer inhaltlichen Auseinandersetzung beteiligt wie an dieser; allein die hunderttausenden Unterstützungserklärungen für die Petition gegen eine Lockerung des Verbots zeugen davon. Abgesehen davon wirft die ganze Geschichte ein bezeichnendes Licht auf FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache: Indem er so verbissen dafür kämpft, dass auch in Zukunft in räumlich abgetrennten Bereichen geraucht werden darf, lässt er eine rot-weiß-rote Suchtmittel-Devise hochleben: „Ein bisserl geht schon!“

Meist wird diese Regel für Alkohol angewendet. Was nicht immer gut ist; im Gegenteil: Alle Welt weiß zum Beispiel, dass Alkohol am Steuer tödlich sein kann. Am vernünftigsten wären daher null Komma null Promille. Also kein Schluck Bier, Wein oder Schnaps. Aber nein, das ist nicht möglich. Winzer, Wirte und ganze Brauhäuser würden zu sehr darunter leiden. Also gelten null Komma fünf Promille.

Und das bedeutet: Alkoholkonsum ist staatlich anerkannt, um nicht zu sagen gefördert. Wer Auto fährt, trinkt sich im Fall des Falles gefühlsmäßig an den gerade noch erlaubten Grenzwert heran. Unfallopfer werden in Kauf genommen. Und überhaupt: Wen kann es in einem solchen Umfeld noch wundern, dass die Österreicher mit durchschnittlich 12,3 Liter reinem Alkohol pro Jahr so viel zu sich nehmen wie kaum ein anderes Volk auf dieser Welt? Wohl kaum jemanden.

Vor diesem Hintergrund könnte man annehmen, dass die Alpenrepublik nicht hinter US-amerikanischen Bundesstaaten zurücksteht: Dort, wo man in der Öffentlichkeit schon seit einer gefühlten Ewigkeit keinen oder kaum Alkohol zu sich nimmt, ist Cannabis legalisiert. Mit anderen Worten: Es darf gekifft werden.

Um nicht missverstanden zu werden: Hier geht es nicht um ein Plädoyer dafür, sondern um die Doppelmoral, mit der Strache und Co. agieren: Gegen eine Legalisierung der weniger gewöhnlichen Volksdroge Cannabis treten sie auf, für die gewöhnlichen Volksdrogen Alkohol und Nikotin machen sie sich stark. Das kann man nicht verstehen. Doch Vernunft spielt ganz offensichtlich ohnehin keine Rolle.

Die Sache sollte stattdessen viel eher die sein: Jeder mündige Mensch, der rauchen möchte, soll es tun dürfen. Das jedoch sollte unter gar keinen Umständen von politischer Seite her unterstützt werden, indem etwa noch länger Raucherbereiche in Lokalen erlaubt werden. Zumal die Allgemeinheit zu viele Nebenwirkungen zu tragen hat: Von den enormen Kosten, die Lungenkrebs für das Gesundheitswesen verursacht, bis hin zur Beeinträchtigung der Lebensqualität von Nichtrauchern, die sich nie ganz vermeiden lässt.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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