Und Gudenus steht daneben

Der Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) verhält sich "peinlich"
Der Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) verhält sich "peinlich" ©APA/HERBERT NEUBAUER
Gastkommentar von Johannes Huber. Zeit, sich dem Wiener Vizebürgermeister zuzuwenden. Was er so treibt, ist nämlich mehr als peinlich. Es ist rufschädigend.

Das Foto ging zwar nicht um die Welt, aber durch Österreich und wohl auch halb Russland: Während FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der glücklose Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer und der EU-Abgeordnete Harald Vilimsky in Moskau ein Selfie machen, steht ein Mann unmittelbar daneben und lacht in die Kamera, die die ganze Szene festhält; es handelt sich um Wiens Vizebürgermeister Johann Gudenus. Irgendwie war er bei diesem Trip am vergangenen Wochenende also dabei, gehörte aber nicht ganz dazu. Wie auch immer: Es ist direkt wichtig gewesen, ihn wieder einmal zu sehen; so hat er sich in Erinnerung gerufen und dazu ermuntert, nachzuschauen, was er so treibt.

Die Stadtverfassung will es, dass er sich Vizebürgermeister nennen darf und eine Art Funktionsentschädigung in Höhe von neuneinhalbtausend Euro brutto im Monat bekommt, aber nicht amtsführend, de facto also arbeitslos ist. Was wohlgemerkt nicht ihm anzulasten ist, sondern all jenen, die eine entsprechende Korrektur der Verfassung verweigern; und dazu zählen ganz besonders auch ÖVP-Politiker. Doch zurück zu Gudenus: Nach seiner Bestellung vor einem Jahr hat er angekündigt, sich selbst zu beschäftigen. Als Ombudsmann im Sinne der Bevölkerung wollte er sich betätigen. Daraus ist jedoch nichts geworden, was öffentlich wahrnehmbar wäre.

Sehr wohl wahr gemacht hat der 40-Jährige dagegen, was er damals zusätzlich angekündigt hat. Und zwar die Vertretung der Stadt nach außen. Das tut er; und zumal er dabei außerhalb der Landesgrenzen als Repräsentant der 1,7 Millionen Wienerinnen und Wiener angesehen wird, ist das schon einmal grundsätzlich nicht unproblematisch. Erschwerend kommt jedoch dazu, wohin es Gudenus zieht.

Es gibt ja die freiheitliche Unsitte, zu glauben, dass man sich auf internationaler Ebene unbedingt wichtigmachen muss. Wobei das in entwickelten Demokratien kaum durchgeht. Also muss sich auch Gudenus eher mit Repräsentanten schwindliger Staaten begnügen. Vor bald fünf Jahren schon gab er sich mit Parteifreunden beim tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow die Ehre. Dieser hatte sicher seine Freude damit, konnte er so seinem Volk doch endlich einmal vermitteln, von Gästen aus dem Westen aufgesucht zu werden. 2014 betätigte er sich als „Wahlbeobachter“ auf der Krim. In Wahrheit war er damit freilich ein Wahlhelfer der Russen, die die Halbinsel im Schwarzen Meer für sich beanspruchen.

Heuer im Frühjahr weilte Gudenus in Minsk, der Hauptstadt von Weißrussland. Auch dort hat man ein Problem mit der Demokratie. Präsident Alexander Lukaschenko will am besten gar nicht damit anfangen. Einen Terroranschlag hat er einmal auf eine „Übelkeit erregende“ Demokratisierung zurückgeführt, so „Spiegel Online“.

Und jetzt eben die Liebes-, äh Fotogrüße aus Moskau: Höhepunkt der Reise war eine Vereinbarung mit der Partei von Wladimir Putin, in der sich auch die Freiheitlichen dazu bekannten, Erziehung „im Geiste von Patriotismus und Arbeitsfreude“ betreiben zu wollen. Man kann nur hoffen, dass sie nie Zugriff auf das Schulwesen bekommen; Details blieben vorerst jedoch offen. Wobei Gudenus im besten Fall gar nicht wusste, worauf er sich da einließ; im schlimmsten war es ihm egal. So oder so aber ist es längst zu einem Problem für Wien geworden, dass ein solcher Mann die Stadt nach außen hin vertritt, wie es ihm gefällt. Das ist mehr als peinlich. Das ist rufschädigend.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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