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Umfeld präsentiert sich EURO-reif

Mit hängenden Köpfen, aber ruhig haben die Fans das Ernst-Happel-Stadion nach dem Länderspiel gegen die Niederlande verlassen: Fassungslosigkeit und Ernüchterung herrschte nach dem 3:4.

“Wenn jemand 3:0 führt und dann noch verliert, dann hat er bei einer EURO nichts verloren”, meinte ein enttäuschter Anhänger. Wesentlich EURO-reifer präsentierte sich diesmal das Umfeld zum Spiel.

Von den Fans hagelte es teils harsche Kritik am ÖFB-Team, das einen 3:0 Vorsprung verspielt hatte: “Wir sollten den Platz hergeben für jemanden, dessen spielerisches Unvermögen nicht dermaßen eklatant groß ist”, meinte einer. Unter all die Kommentare mischten sich auch Hicke-Raus-Rufe. Die meisten Fans waren nach der Niederlage aber vor allem fassungslos: “Ich hab’ sowas noch nie erlebt. Es ist zwar schön sieben Tore in einem Spiel zu sehen, aber in dieser Reihenfolge ist es natürlich ein Horror.”

Die bei den vergangenen Länderspielen teils heftig kritisierten Wiener Linien hatten aus der Vergangenheit offensichtlich gelernt. Sowohl der Zu- als auch der Abstrom zum und vom Stadion weg verlief ruhig und in angemessener Zeit. Die zum Praterstern führende Straßenbahnlinie 21 gab eine gelungene Abschiedsvorstellung. “Den großen Schwung hatten wir eine halbe Stunde nach Spielende abtransportiert”, sagte Johann Ehrengruber, Sprecher der Wiener Linien. Ein schadhafter Zug verursachte jedoch kurzfristig einen Stau in der Ausstellungsstraße. Wenige Minuten danach ging es aber weiter.

Den Wahrnehmungen der APA zufolge kam es zu keinen größeren Zwischenfällen bei der Abreise mit der Straßenbahn. Ein ausreichendes Kontingent an Waggons der Linie 21 wartete beim Stadion, nach relativ kurzer Zeit war der Großteil der Fans in Richtung Praterstern abgefahren. Bei der Fahrt zum Spiel lief es reibungslos ab.

Zahlreiche Matchbesucher wanderten diesmal auch in Richtung Landstraße ab. “So viele Fahrgäste hatte die U3 nach einem Spiel noch nie”, meinte Ehrengruber. Die U-Bahnlinie war laut dem Sprecher in ähnlicher Weise wie die U1 vom Praterstern verstärkt unterwegs. Shuttle-Busse transportierten ebenfalls zahlreiche Spielbesucher zur U3. Weil aber zahlreiche Fußgänger auf der Straße gingen, gab es hier teilweise Stop-And-Go-Verkehr. Ehrengruber: “Das lässt sich auch kaum verhindern, wenn Gruppen auf der Straße auftauchen.”

Wenig Arbeit hatte die Polizei: Es gab kaum negative Emotionen, keine Zwischenfälle oder Aggressionen unter den Fans. Damit fiel die Bilanz der Exekutive durchwegs positiv aus. “Es war ein Fußballfest”, sagte Oberstleutnant Christian Stella vom Landespolizeikommando Wien zur APA. Es sei eine Probe gewesen und diese habe wunderbar funktioniert. Man sollte das Spiel aber nicht als Maßstab für die EURO nehmen, so Stella. Denn für die Exekutive war es nicht wirklich eine Herausforderung.

“So haben wir uns die Holländer vorgestellt. Sie haben uns umarmt, wollten Fotos mit uns machen”, erzählte der Beamte im Anschluss an die Partie. Mit der Situation bei der Europameisterschaft könne man das heutige Match aber nicht vergleichen. Dazu sind zu wenige ausländische Fans dagewesen. Eine Probe für die Ordner, Sicherheitsorgane und Einsatzkräfte war es aber allemal.

Ohne einen “richtigen” Verletzten versorgen zu müssen, beendete das Wiener Rot Kreuz-Team die letzte “Generalprobe” vor der EM. Insgesamt habe es nur drei Interventionen gegeben: eine Abschürfung und zwei Kratzer, erklärte das Einsatzteam. Die Patienten konnten gleich nach der Verarztung das Match weiterverfolgen. “Das Spannendste am heutigen Abend war das packende Spiel”, scherzte Einsatzleiter Harald Ladislav. Insgesamt waren die Helfer mit 74 Sanitätern und drei Notärzten sowie sieben Wägen im Einsatz. Die 100 Bereitschaftskräfte aus dem EM-Sanitätsteam durften zu Hause bleiben.

Viel Neues gab es rund um das Ernst-Happel-Stadion und in der Arena selbst. Stadion- und Hauptallee wurden mit Flutlicht versorgt. In der Spielstätte durften sich die Fans an neuen Buffets laben. Wie in modernen Fast-Food-Restaurants wurden Speisen und Getränke nun nicht mehr auf Tafeln, sondern auf beleuchteten Reklamen ausgeschildert. Auf Flatscreens konnten die Besucher das Spiel verfolgen. Zusätzlich zu den Hauptbuffets gab es mobile Getränkestände, kleinere Bars sowie Snacks in Bauchläden.

Die Vorfreude auf die EURO ließen sich die Fans durch das Spiel aber nicht vermiesen. Für den Aufstieg Österreichs ins Viertelfinale zeigten sich die meisten durchaus optimistisch: Ein Unentschieden gegen Kroatien und Deutschland sowie ein Sieg gegen Polen sollten reichen, war der Tenor.

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