Ukraine-Krieg: Diese "vier Schritte" fordert Kiew für Hilfe gegen Russland

Michail Chodorkowski, Kritiker des russischen Regimes, drängte den Westen unterdessen im Einklang mit Kiew zu einer Flugverbotszone über der Ukraine.
Michail Chodorkowski, Kritiker des russischen Regimes, drängte den Westen unterdessen im Einklang mit Kiew zu einer Flugverbotszone über der Ukraine. ©APA/dpa/Bernd von Jutrczenka
Im Kampf gegen die russischen Truppen forderte die Ukraine unter anderem weitere Waffenlieferungen.
LIVE-Blog zur Ukraine am Mittwoch

Eine moderne Flugabwehr sowie Marschflugkörper und Granaten seien notwendig, twitterte Präsidentenberater Mychajlo Podoljak am Mittwoch. Moskau warnte unterdessen vor einer Entsendung von Friedenstruppen in die Ukraine. Mit einer Eroberung der Hafenstadt Mariupol will Moskau nach eigenen Angaben eine sichere Landverbindung zur annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim schaffen.

Die Forderung nach Marschflugkörpern und Granaten gelte vor allem für den Fall, dass es weiterhin keine Flugverbotszone über der Ukraine gebe, so Podoljak. Die NATO lehnt eine Flugverbotszone ab, weil sie befürchtet, damit in einen direkten Konflikt mit Russland zu kommen.

Diese "vier Schritte" fordert Kiew für Hilfe gegen Russland

Podoljak forderte von den "lieben Partnern" mehrere Maßnahmen. "Ihr wollt nicht mehr von den toten Augen unserer ermordeten Kinder träumen und die Hitze von Mariupol spüren?", schrieb er. Dann seien "nur vier Schritte" nötig, um dies zu ändern. Neben Flugabwehr und Marschflugkörpern nannte Podoljak auch ein hartes Embargo für russisches Öl sowie die Schließung von Häfen für russische Schiffe.

Aus Deutschland sind jedenfalls weitere Strela-Luftabwehrraketen auf dem Weg in die Ukraine. "Wir sind einer der größten Waffenlieferer in dieser Situation", sagte Außenministerin Annalena Baerbock im Deutschen Bundestag. "Das ist nichts, was uns stolz macht, sondern das ist das, was wir jetzt tun müssen, um der Ukraine zu helfen."

Forderung einer Flugverbotszone über der Ukraine

Michail Chodorkowski, Kritiker des russischen Regimes, drängte den Westen unterdessen im Einklang mit Kiew zu einer Flugverbotszone über der Ukraine. Wie dies genau umgesetzt werde, müssten Militärexperten entscheiden, sagte der einstige russische Oligarch, der heute im Westen in Exil lebt, am Mittwoch in Berlin. "Aber ohne Flugverbotszone geht nichts." Die Befürchtung der NATO, damit in einen Krieg mit Russland hineingezogen zu werden, bezeichnete er als Unsinn.

Verhandlungen westlicher Staatschefs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin führten nicht weiter, sagte Chodorkowski, der sich vor Jahrzehnten u.a. wegen eigener politischer Ambitionen mit Putin überwarf und jahrelang wegen Steuerhinterziehung in Russland in Haft war. Putin sei ein "Mafioso", sagte Chodorkowski nach den Worten einer Übersetzerin. Auch die Verhandlungen der Ukraine mit Russland brächten derzeit nichts. Entscheidend sei nur die Entwicklung auf dem Schlachtfeld. "Gespräche helfen hier nicht."

Verhandlungen des Westens mit Wladimir Putin führen zu nichts

Das russische Präsidialamt warnte unterdessen vor einer Entsendung von Friedenstruppen in die Ukraine. "Jede mögliche Konfrontation zwischen unseren Truppen und NATO-Kräften könnte klare Konsequenzen haben, die schwer zu korrigieren sind", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch vor Journalisten. Polens dahin gehende Idee sei waghalsig und extrem gefährlich. Die Regierung in Warschau hatte die Entsendung von Friedenstruppen ins Gespräch gebracht.

Zuvor hatte schon Außenminister Sergej Lawrow gesagt, Friedenstruppen in die Ukraine zu schicken, könnte zu einer direkten Konfrontation seines Landes mit der NATO führen. Polen hat eine internationale Friedenstruppe vorgeschlagen, die sich in der Ukraine dann auch verteidigen sollte.

Putin würde nicht bei der Ukraine halt machen

Der Westen müsse verstehen, dass Putin nicht bei der Ukraine halt mache, wenn er dort nicht gestoppt werde, meinte Chodorkowski. Der nächste Schritt werde ein Zusammenstoß mit einem NATO-Staat sein. "Mit Reden kann man das nicht aufhalten", sagte Chodorkowski. "Putin muss verstehen, dass nicht nur er jemandem die Nase brechen kann, sondern auch ihm die Nase gebrochen werden kann. Erst wenn seine Nase gebrochen sein wird, wird man mit ihm reden können."

Vergleich mit Nationalsozialisten in den 1930er Jahren

Dass den Nationalsozialisten in den 1930er Jahren nicht Einhalt geboten worden sei, sei Europa teuer zu stehen gekommen. "Und jetzt wiederholt sich dieser Fehler eins zu eins nach einer Blaupause." Der 58-Jährige war früher Chef des russischen staatlichen Ölkonzerns Yukos. Nach seinem Bruch mit Putin saß er von 2003 bis 2013 in Haft. Dann wurde er begnadigt und durfte Russland verlassen.

(APA/Red)

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