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TU-Wien-Rektorin schlägt wegen Inflation Alarm

TU-Rektorin Sabine Seidler warnt vor einer Zahlungsunfähigkeit der Uni.
TU-Rektorin Sabine Seidler warnt vor einer Zahlungsunfähigkeit der Uni. ©APA/HERBERT-PFARRHOFER (Archivbild)
Beim Aktionstag der TU Wien hat Rektorin Sabine Seidler vor der Zahlungsunfähigkeit der Uni gewarnt.

Die Technische Universität Wien steuere auf eine Zahlungsunfähigkeit zu, aber "nicht weil wir über unsere Verhältnisse gelebt oder schlecht gewirtschaftet haben", so TU-Rektorin Sabine Seidler anlässlich eines Protesttags an ihrer Uni bei einer Pressekonferenz. "Die äußeren Rahmenbedingungen haben sich geändert", verwies Seidler auf Inflation, steigende Energiepreise und anstehende Lohnerhöhungen.

Öffentliche Lehrveranstaltungen rund um Wiener TU

Mit dem von allen universitären Gruppen unterstützten Aktionstag soll auf die aktuelle Finanzsituation der Hochschule aufmerksam gemacht werden. Unter anderem wurden am Vormittag rund um die TU im Resselpark und Umgebung öffentliche Lehrveranstaltungen abgehalten. Anschließend zog ein Demozug über den Ring und holte beim Heldenplatz Studierende anderer Hochschulen ab, um anschließend zum Bildungsministerium zu wandern. Nach Angaben der Veranstalter waren dabei zwischendurch bis zu 9.000 Personen unterwegs, bei der Abschlusskundgebung am Minoritenplatz waren es dann einige Hundert.

Als Vorsitzende der Universitätenkonferenz (uniko) hatte Seidler zuletzt aufgrund der Teuerung eine Aufstockung des Uni-Budgets um 1,2 Mrd. Euro bis 2024 gefordert, im Budget ist nur eine Erhöhung um 500 Mio. Euro vorgesehen.

170 Mio. Euro Mehrkosten durch Inflation für TU Wien

Auf die TU kommen nach dieser Rechnung etwa wegen gestiegener Heiz- und Strompreise, Mietenerhöhungen, KV-Abschlüsse und höheren Kosten etwa für Kleingeräte Mehrkosten von rund 170 Mio. Euro zu, von denen durch das geplante Budgetplus nur rund 60 Mio. Euro abgedeckt sind. Allein die Zusatzaufwendungen im Energiebereich würden sich auf rund 90 Mio. Euro in den kommenden beiden Jahren summieren. "Können Sie sich die TU ohne Labors vorstellen?", so Seidler.

TU-Wien-Rektorin fordert Lösungen

Zwar habe Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) zuletzt zugesichert, sich um zusätzliche Mittel zu bemühen, meinte Seidler. Aber: "Es geht nicht darum, sich zu bemühen, sondern Lösungen zu erarbeiten." Erneut forderte sie einen "Krisengipfel". Unterstützung erhielt Seidler von ihrem designierten Nachfolger Jens Schneider (ab Oktober 2023) sowie Vertretern der Lehrenden und Studierenden.

Für Mitte Dezember bereitet die TU eine einmonatige Schließung vor. In dieser Zeit, in die auch die zweiwöchigen Weihnachtsferien (23. Dezember bis 8. Jänner) fallen, könnten Lehrveranstaltungen nur online stattfinden und in den Labors nur jene Geräte laufen, die nicht abgedreht werden können, so die Rektorin in der "Presse" (online). "Meine Hoffnung ist, dass wir das nicht brauchen."

Bildungsministerium verweist auf Gespräche

Im Bildungsministerium verwies man auf APA-Anfrage auf die laufenden Gespräche mit der uniko. Änderungen beim anstehenden Budget schloss man dabei erneut aus. Gleichzeitig könnte es aber Entlastungen bei Ausgabenposten wie Miete oder Energie geben - außerdem beobachte man die Lohnverhandlungen und könne gegebenenfalls nach deren Abschluss reagieren.

Ohne zusätzliche Gelder drohen Ausfälle auf TU Wien

Der Vorsitzende der HochschülerInnenschaft an der TU, Simon Los, befürchtete ohne zusätzliche Mittel eine Rückkehr ins Distance Learning. Senats-Vorsitzender Norbert Pfeifer wiederum warnte davor, dass die Nichtnachbesetzung von Stellen zum Ausfall von Lehrveranstaltungen bzw. zu Massenübungen statt Kleingruppen führen würde. Ohne Zusatzbudget werde es nur theoretische Lehre im Hörsaal geben, weil der Betrieb der Instrumente zu teuer werde. Viele für den Uni-Betrieb nötige Geräte würden sich auch nicht so ohne weiteres vorübergehend abschalten lassen.

SPÖ und NEOS kritisieren Hochschuldbudget

Auch die SPÖ und die NEOS üben Kritik am für sie zu geringen Hochschulbudget. "Dieses Hochschulbudget garantiert geradezu das Eintreten sämtlicher Horrorszenarien für die Universitäten", meinte SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl. "Die Proteste der Universitäten sind ein weiterer Beweis dafür, wie zukunftsvergessen die Regierung Budgets erstellt - ohne an die kommenden Generationen zu denken", so ihr NEOS-Pendant Martina Künsberg Sarre.

(APA/Red)

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