Trauerfeier für Barbara Prammer in Wien: "Eine große Österreicherin"

In Wien wurde am Samstag Abschied genommen von Barbara Prammer.
In Wien wurde am Samstag Abschied genommen von Barbara Prammer. ©APA
Mit einer Trauerfeier vor dem Parlament verabschiedete sich das offizielle Österreich am Samstag von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ). Der Zweite Nationalratspräsident Karl-Heinz Kopf (ÖVP) würdigte Prammer als "große Österreicherin".
Bei der Trauerfeier
Nachfolge Ende August
Ringsperre am Samstag
Anteilnahme der Bevölkerung

Zu dem Staatsakt bei strahlend-heißem Sommerwetter waren rund 600 Ehrengäste aus dem In- und Ausland gekommen, zahlreiche Bürger folgten den Reden und musikalischen Darbietungen auf der (dafür gesperrten) Ringstraße vor dem Parlament.

Würdigung an “Menschen Barbara Prammer”

“Ich verneige mich heute respektvoll vor einer großen Demokratin – einer großen Österreicherin – und bedanke mich namens des Nationalrates und seiner Abgeordneten bei unserer Präsidentin für ihre umsichtige, überparteiliche und vor allem menschliche Art der Führung des Hauses”, würdigte Kopf Prammers Tätigkeit an ihrer letzen Wirkungsstätte.

Und er verneigte sich vor dem “Menschen Barbara Prammer. Vor einer Frau, die mit großer Demut ihre schwere Erkrankung angenommen, diese Krankheit gleichzeitig mit enormer Willensstärke bekämpft und trotzdem ihr Amt mit unglaublicher Disziplin bis vor wenigen Wochen nahezu uneingeschränkt ausgeübt hat.”

“Engagierte Kämpferin”

Prammer sei eine “engagierte Kämpferin für den unverzichtbaren Stellenwert und die Würde des Parlaments” und die stetige Weiterentwicklung der Demokratie gewesen, erinnerte Kopf an ihre “Beharrlichkeit”, der u.a. letztlich die U-Ausschuss-Reform und die Einigung auf die Parlamentssanierung zu verdanken sei, an die von ihr eingerichtete Demokratiewerkstatt und das Jugendparlament.

“Überglücklich” habe sie während ihres letzten Krankenhausaufenthalts gemacht, dass das Gesetz zur Sanierung einstimmig vom Nationalrat beschlossen wurde.

Abschied der Amtskollegen

Mit den Worten “Liebe Frau Präsidentin, wir werden weiterhin sehr oft an Sie denken und Sie in ehrenvoller Erinnerung behalten. Der Herrgott möge Ihnen Ihre vielen guten Taten vergelten und Ihnen den ewigen Frieden schenken”, verabschiedete sich der Zweite Nationalratspräsident.

Bundesratspräsidentin Ana Blatnik – eine Kärntner Slowenin – hob Prammers Engagement für Volksgruppen und Minderheiten hervor, den von ihr eingeführten Volksgruppentag im Hohen Haus oder das 2011 vor dem Parlament errichtete Barackendorf zum Hinweis auf die Situation der Roma und Sinti. Prammer habe “den Bausteinen, auf denen unsere Gesellschaft fußt, ein Gesicht gegeben”, mit ihrem konsequenten Bekenntnis zu Toleranz, Menschenrechten, Chancengleichheit, Dialog und Kompromiss und Auftreten gegen Diskriminierung, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus.

Stärkung der Menschenrechte

Auch Prammers internationale Bemühungen um die Stärkung der Menschenrechte und Demokratie würdigte Blatnik. Zur Trauerfeier waren zahlreiche internationale Gäste erschienen – darunter Parlamentspräsidenten aus Deutschland, der Tschechischen Republik, Slowenien und Kroatien und in Vertretung des Präsidenten des Europaparlaments Vizepräsidentin Ulrike Lunacek. Sie legten zu den Klängen der von Harri Stojka interpretierten internationalen Roma-Hymne eine Rose am Sarg ab.

Prammer erlag vor einer Woche 60-jährig einem vor elf Monaten diagnostizierten Krebsleiden.

(APA)

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