"Tosca" bei den Opernfestspielen St. Margarethen

Gemeinsam mit Amra Bergman entstand das Konzept eines riesigen Engels
Gemeinsam mit Amra Bergman entstand das Konzept eines riesigen Engels
Mit dem Öffnen steinerner Engelsflügel findet das Drama bei den Opernfestspielen St. Margarethen kommenden Sommer wieder auf der Bühne und nicht hinter den Kulissen statt: Ein "dreidimensionales Feuerwerk" versprach das Team rund um Regisseur Robert Dornhelm am Donnerstag bei der Präsentation von Giacomo Puccinis Kammeroper "Tosca", die ab 8. Juli 2015 erstmals im Römersteinbruch zu sehen ist.

Die aufwendige Produktion, die an Dornhelms diesjähriges bildgewaltiges Spektakel “Aida” anknüpfen soll, folgt auf “ein turbulentes Jahr für die Opernfestspiele”, wie Karl Wessely, Geschäftsführer des nunmehrigen Veranstalters, der Arenaria GmbH, betonte. Arenaria, unter Federführung des Grundeigentümers Esterhazy Betriebe eigentlich als Veranstaltergesellschaft für den Betrieb ab 2015 ins Leben gerufen, hat bereits die diesjährige “Aida”-Premiere übernommen, nachdem die mittlerweile bereits geschlossene Opernfestspiele St. Margarethen GmbH & CoKG (OFS) mit Wolfgang Werner an der Spitze wenige Tage zuvor Insolvenz angemeldet hatte. OFS-Intendant Werner, der bereits zuvor im Zwist mit den Esterhazy Betrieben gelegen war und 2015 ursprünglich “Troubadour” zeigen wollte, trat daraufhin als alleiniger Geschäftsführer zurück.

Nach der Übergangslösung für 2014 soll die Arenaria nun “auf eine breite Basis gestellt werden”, so Wessely. Man verhandle mit neuen Partnern, das Land Burgenland sei auf Nachfrage jedoch weiterhin nicht dabei, “aber wir hoffen natürlich darauf”. Mit einem “Leading Team”, das neben Regisseur Dornhelm auch Dirigent Michael Güttler (musikalischer Leiter) und Bühnenbildnerin Amra Bergman (Ausstattung) umfasst, habe man nun “eine neue Richtung eingeschlagen”, um modernen Anforderungen gerecht zu werden und das “Eventpublikum” ebenso anzusprechen wie Opernkenner. Dafür sorge auch der hochkarätige Cast: So ist die griechische Sopranistin Alexia Voulgaridou in der Rolle der Operndiva Tosca zu sehen, singen die Tenöre Andrea Care bzw. Yusif Eyvazov ihren Liebhaber, den Maler Mario Cavaradossi, und übernehmen Marco Vratogna bzw. Davide Damiani im Opernkrimi die Rolle des brutalen Polizeichefs Scarpia.

“Die ‘Tosca’ ist eine Oper, die man dem Publikum nicht schmackhaft machen muss, die für sich selbst spricht”, so Güttler, derzeit Chefdirigent der Finnischen Nationaloper Helsinki. Puccini habe mit seinem Meisterwerk “unglaublich gute, dramaturgisch wirkungsvolle Räume” geschaffen, die nun in der außergewöhnlichen Felsenkulisse erlebbar gemacht werden sollen. Dornhelm, der mit “La Boheme” 2013 sein Debüt als Opernregisseur gegeben hatte und nun bereits das dritte Mal in St. Margarethen inszeniert, will aus dem Kammerstück eine “dreidimensionale Oper” machen. “Wenn man den Ton verstärkt, sollte man auch das Bild verstärken – warum nicht?”, so Dornhelm, der bereits bei “Aida” dieses Jahr viel mit Projektionen und optischen Raumerweiterungen gearbeitet hat und “auf diese Erfahrung aufbauen” will.

Gemeinsam mit Amra Bergman entstand nun das Konzept eines riesigen Engels, dessen die Bühne umhüllende Flügel für den ersten und zweiten Akt geöffnet werden. In dem begrenzten Raum ermögliche man doch noch eine Art Kammerspiel in Open-Air-Ambiente, so Bergman, die das Bühnenbild als “für ewig in den Steinbruch eingemeißelten Engel” gestaltet, der “mit dem Steinbruch verschmilzt”. Auf der unter den Flügeln befindlichen Videoleinwand sollen u.a. die Sänger vergrößert werden. Wie Szenerien wie der Gesang des Hirtenjungen über den Dächern von Rom umgesetzt werden, will Dornhelm noch nicht verraten. Unterstützende Bilder für die berühmte Arie “Es blitzten die Sterne” zu finden sei jedenfalls “das Leichteste”, so Dornhelm auf Nachfrage. “Wir leben in einer digitalen Welt.”

Die bereits für die heurige Spielsaison angekündigte gläserne Box an der Seite der Bühne für das damit sichtbar werdende Orchester könnte 2015 Wirklichkeit werden. “Wir wissen, wo wir hin wollen”, so Güttler, der noch auf der Suche nach einem geeigneten Orchester ist. “Es ist ein work in progress.” Ähnlich sieht Dornhelm seine eigene Arbeit, ist die Oper für den Hollywood-Export doch auch nach zwei Inszenierungen in St. Margarethen “jedes Mal ein Abenteuer”. “Ich lerne langsam dazu, aber vorsichtig bin ich noch immer”, sagte der Regisseur. “Ich will mich nicht wiederholen und so tun, als wären wir in einem Open-Air-Kino.”

85.000 Karten für 80 Vorstellungen von “Tosca” sind vorerst aufgelegt, “mit ordentlichem Polster nach oben”, so Wessely. “Es braucht sich keiner Sorgen machen, keine Karten zu bekommen.” “Aida” sahen heuer 111.500 Besucher und damit 24 Prozent mehr als im Vorjahr, und auch für nächstes Jahr erwartet man einen “ordentlichen Erfolg”. Zudem will man die Veranstaltungsschiene weiter ausbauen, ein Konzert mit Dire Straits-Gründer Mark Knopfler am 14. Juli ist bereits fixiert, mit weiteren Acts wird verhandelt. Die Kinderoper wandert im Juni 2015 in den Haydnsaal von Schloss Esterhazy in Eisenstadt; unter der Patronanz von Opernstar Anna Netrebko wird das Stück “Die Schneekönigin” nach dem Märchen von Hans Christian Anderson aufgeführt.

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