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Tori Amos is 'Abnormally Attracted To Sin'

"Abnormally Attracted To Sin", so heißt das neue Album von Tori Amos. Was dahinter steckt, konnte das Publikum beim FM4 Überraschungskonzert live erleben. Unverwechselbarer Sound à la Tori Amos: Fotos der Sängerin  | Das Video vom Konzert

“Abnormally Attracted To Sin” (Universal) heißt das neue Album der exzentrischen Popsängerin Tori Amos. Unter Sünde versteht Amos aber nicht das, was herkömmlich damit gemeint ist: Denn bei den “fundamentalen Überzeugungen” der großen Religionen vom Sündhaften geht es “um Unterdrückung und darum, das Sexuelle und das Spirituelle in den Frauen zu trennen”, sagte Amos im APA-Gespräch. Für Amos ist jedoch “die größte Sünde die Intoleranz”. Wer die FM4 Radio Session von Amos am gestrigen Mittwoch im RadioKulturhaus versäumt hat, hat am 25. September in der Wiener Stadthalle Halle F erneut Gelegenheit, die Sängerin live zu erleben.

Unverwechselbar Tori Amos sind die Songs der neuen CD, ein bisschen weniger Klavier-lastig als früher. Die Themen der Texte drehen sich um unterdrückte Weiblichkeit, Religion und auch Politik. Vor allem gehe es darum, “Erotik und Spiritualität zusammenzubringen”, schilderte die Sängerin. “Frauen müssen schon seit langer Zeit mit der Idee umgehen, dass sie, wenn sie Mutter werden, dafür ausgerechnet jene Dinge amputieren müssen, die sie zur Mutter gemacht haben”, so Amos.

“Diese andere Seite”, das Erotische der Frauen, wird als “nicht ehrenhaft angesehen, und in Magazinen am obersten Regal der Zeitungsstände” versteckt. Amos will betonen, dass dieser essenzielle Wesenszug der Frauen, die “spirituell und sexuell integrierte Frau” nicht versteckt werden soll. Das Patriarchat der “großen Religionen hat da nicht geholfen”. Amos ist jedoch “wirklich überzeugt, dass es auch besser für die Männer wäre, wenn die Frauen in diesem Zusammenbringen” der verschiedenen Facetten des Weiblichen unterstützt würden.

Intoleranz hingegen sei die “größte Kraft, die uns Krieg führen und andere Leute wegen deren Glauben attackieren lässt”. Um überleben zu können, müssten die Menschen für die künftigen Generationen “einige dieser Konzepte auf neue Beine stellen. Die Erde wird durch die Intoleranz sonst ein sehr kleiner Planet.”

Die neue, nach einem Zitat aus dem Musical “Guys and Dolls” benannte CD kommt in einer Deluxe-Version mit einer Bonus-DVD, auf der zu jedem Song ein eigener Videofilm zu finden ist – “Visualettes” nennt Amos diese kurzen Filme. Im Schaffensprozess haben Video und Audio einander gegenseitig beeinflusst und seien zusammengesehen ein ganz neues Werk, betont die Musikerin, alle Teile (u.a. auch die aufwendigen Fotografien im Booklet) passen zueinander wie eine Hand in einen Handschuh. Dahinter steckt viel Arbeit, viel Liebe und auch viel Geld, schilderte Amos. Derartiger Aufwand ist untypisch in Zeiten des Downloads – “ich habe mich mit diesem Paket verführt. Als Künstler muss man geben, geben, geben. Ich wollte den Menschen etwas geben, das haptisch ansprechend ist und reich.”

Dass Amos nun doch nicht – entgegen den Ankündigungen – auf ein Plattenlabel verzichtet, sondern mit Universal einen “nicht traditionellen Labeldeal” abgeschlossen hat, darin “hat das Universum eingegriffen, nicht Universal”, so Amos. Sie sei zufällig Zeuge eines Telefonats mit dem Universal-Chef geworden und habe diesen grüßen lassen. “Er wollte mich sprechen”, und als er erfahren hatte, dass Amos keinen Labeldeal mehr wollte, sagte er: “Das kannst du nicht machen. Wir müssen zusammenarbeiten.”

Amos ist bekannt dafür, Verehrerin der österreichischen Klaviermarke Bösendorfer zu sein. Die Verluste, Besitzer-Veränderungen und Sparmaßnahmen, der sich die Klaviermanufaktur zuletzt ausgesetzt sah, beunruhigen sie, bestätigte die Sängerin. Und Amos sorgt vor: “Ich horte Bösendorfer-Flügel”, sagt die Musikerin. Nicht zuletzt für den Fall, dass die Produktion doch noch aus Österreich abgezogen wird. “Wenn man beginnt, diese Klaviere anderswo zu bauen, muss man sicherstellen, dass die Einzelteile die selben sind, das Holz, die Handwerker – oder es ist schlicht nicht mehr dasselbe”, so Amos. Für sie würde dann eine andere instrumentale Zeitrechnung beginnen, so wie “vor Christus” und “nach Christus”: “‘Vorher’ wäre Bösendorfer in seiner puren Form und ‘nachher’ wäre, was auch immer zukünftig damit passiert.”

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