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Tony Conrad installiert Gefängniszelle in Wien

"Einer der tollen Aspekte an dieser Schau ist, dass ich sie nicht verstehe", scherzte Tony Conrad, als er am Dienstag in der Dependance der Kunsthalle Wien am Karlsplatz durch seine erste Einzelausstellung führte. Für die am Mittwoch startende Schau "Über zwei Ecken" hat der amerikanische Filmemacher, Videokünstler, Musiker und Komponist im Glaskubus die Replik einer Gefängniszelle installiert.


Über Jahrzehnte hat Conrad, Schlüsselfigur der amerikanischen Avantgarde, die Zelle in seinem Studio aufgebaut. An der Wand im Ausstellungsraum ist ein Teil jenes auf 16mm gedrehten, sechsstündigen und erst kürzlich digitalisierten Films aus den frühen 80er Jahren projiziert, dem die Zelle einst als Kulisse diente. Die Tore der Zelle sind geöffnet, was Transparenz statt Gefangenschaft suggeriere. “Man sieht die Gitterstäbe, aber die Zelle ist leer. Mir als Besucher sagt das: Ich könnte drinnen, aber auch draußen sein”, erläuterte Conrad seinen Ansatz. “Das steht analog zu unserer Gesellschaft, in der wir leben – und die Frage, ob wir in ihr oder außerhalb leben.”

Transparenz und das Sehen seien die übergeordneten Themen der kleinen Schau, in der der kanadische Kurator Gareth Long auch Conrads Arbeiten aus der Serie “Paintings” inkludiert. In Abständen zueinander von der Decke abgehängte, mit einem Guckloch versehene Glasplatten stünden dabei sowohl für die Funktion als Raumteiler bzw. soziale Barriere als auch für Verdoppelung von Transparenz. Conrads “invented acoustical tools” – hybride, als Instrumente und Skulpturen fungierende Objekte – lassen offen, wie die erklingenden Töne entstehen und komplettieren die Ausstellung, die sich jeglicher Logik von Freiheit und Kontrolle entziehe, wie es im Beschreibungstext heißt.

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