Tödlicher Brand in Wien-Simmering: 90-Jährige soll Feuer gelegt haben

90-Jährige Ehefrau steht unter Verdacht, den töldichen Brand in Wien-Simmering gelegt zu haben.
90-Jährige Ehefrau steht unter Verdacht, den töldichen Brand in Wien-Simmering gelegt zu haben. ©APA/Barbara Gindl (Symbolbild)
Ein 93-jähriger Mann kam bei einem Zimmerbrand in Wien-Simmering in der Nacht auf Donnerstag ums Leben. Die 90-jährige Ehefrau soll das Feuer gelegt zu haben und wurde wegen Mordverdachts festgenommen.
Zimmerbrand in Wien-Simmering

Die 90-Jährige war mit der Pflege ihres Mannes überfordert, zudem gab es Streit mit der Hausverwaltung. Aus Verzweiflung soll sie dann laut Polizei mit Hilfe von Zeitungen das tödliche Feuer in der Wohnung in Wien-Simmering gelegt haben. Die Frau wollte danach Selbstmord begehen.

90-Jährige Ehefrau soll tödliches Feuer in Wien-Simmering gelegt haben

Die 90-Jährige wurde von den Einsatzkräften in Wien mit einer Drehleiter vom Balkon gerettet. Für ihren Mann kam jede Hilfe zu spät. Die Frau, die eine Rauchgasvergiftung während des Brandes erlitten hatte, wurde bereits in die Justizanstalt eingeliefert.

93-Jähriger kam bei dem Brand in Wien-Simmering ums Leben

Nach dem tödlichen Brand, dessen Ursache zunächst unklar war, hatte das Wiener Landeskriminalamt (Leib/Leben sowie Brand) die Ermittlungen übernommen. Im Zuge dessen erhärtete sich der Verdacht, dass die 90-jährige Frau den tödlichen Brand absichtlich gelegt haben soll. Sie habe den Mann und dann sich umbringen wollen. Der 93-Jährige soll unter einer langwierigen Erkrankung gelitten haben.
Die Feuerwehr in Wien war gegen 2.30 Uhr alarmiert worden. Rund zwei Stunden lang löschten die Einsatzkräfte den Brand. Die Feuerwehrmänner mussten unter Atemschutz die Flammen auch von innen eindämmen. 27 Mann und sechs Fahrzeuge waren im Einsatz.

Angehörige oft mit Pflege überfordert

Die Tat reiht sich in eine ganze Reihe ähnlich tragischer Tötungsdelikte, wo Angehörige mit der Pflege ihrer Liebsten nicht mehr zurecht kamen. Erst vor einem Monat tötete aufgrund einer schweren Erkrankung ein 84-Jähriger seine 82-jährige Frau sowie den Hund der Familie. Im Februar hatte ein 60-Jähriger in Graz seine Mutter und seinen Bruder getötet und anschließend Selbstmord begangen, weil er mit der Pflege der beiden überfordert war.

Pflegeorganisationen machten auf Problematik aufmerksam

Am gestrigen Donnerstag machten Pflegeorganisationen, Gewerkschaft und Sozialversicherungsdachverband auf die Problematik aufmerksam. Sie sahen bei der Pflegereform der Bundesregierung noch Nachbesserungsbedarf. Die Entlastung pflegender Angehöriger ging ihnen nicht weit genug. So haben nur rund 24.000 der insgesamt rund 950.000 pflegenden Angehörigen Anspruch auf den Angehörigenbonus von 1.500 Euro. Voraussetzung sind nämlich Pflegestufe 4 und Selbst- oder Weiterversicherung der Angehörigen. Pensionisten, die laut Sozialversicherungs-Dachverband die Hälfte der Angehörigen-Pflege übernehmen, sind damit ausgeschlossen, wurde kritisiert. Laut Dachverband der Sozialversicherungsträger kann wegen der für die Auszahlung notwendigen Vorarbeiten zudem "nicht sichergestellt werden", dass der Angehörigenbonus wie geplant ab 1. Jänner 2023 ausgezahlt wird.

FPÖ fordert Präventionsmaßnahmen bei der Pflege

"Leider gab es im heurigen Jahr schon einige Fälle, wo ältere Personen die Herausforderungen der Pflege nicht mehr geschafft haben. Daher müssen wir rasch Präventionsmaßnahmen setzen, um den Menschen Hilfestellung zu bieten. Es muss unser vorrangiges Anliegen sein, rasch Maßnahmen zu erarbeiten, um vor allem ältere Menschen vor solchen Verzweiflungstaten zu bewahren", forderte FPÖ-Frauen- und Seniorensprecherin Rosa Ecker. "Und nicht zu vergessen ist der Umstand, dass viele Ältere in unserem Land - verstärkt durch die Pandemie - in den letzten zwei Jahren vereinsamt sind und sich allein gelassen fühlen."

NEOS kritisieren Geldverteilung bei der Pflegereform

Auch die NEOS kritisieren, dass die von ÖVP und Grünen so groß gefeierte Pflegereform hauptsächlich mehr Geld für den stationären Bereich vorsieht. "Einigen pflegenden Angehörigen etwas mehr Geld in die Hand zu drücken, löst keine strukturellen Probleme - und abseits davon hat die Regierung keine Idee, wie Menschen daheim altern können", sagt Gesundheitssprecherin Fiona Fiedler. "Man spricht immer groß von 'ambulant vor stationär' und 'Pflege zuhause'- aber konkrete Verbesserungen in diesem Bereich sieht die Pflege-Reform dieser Bundesregierung nicht vor. Derartige Tragödien häufen sich aber, sie sollten ein Weckruf sein, dass im Bereich der häuslichen Pflege vieles im Argen liegt. Wir dürfen die betagten Menschen nicht allein lassen."

Hilfsangebote für verzweifelte Lebenssituationen

Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich. Infos für Jugendliche gibt es unter www.bittelebe.at

(APA/Red)

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