Tiroler Schiedsrichter Plautz darf bei EURO pfeifen

Der österreichische Fußball-Schiedsrichter Konrad Plautz ist am Mittwoch gemeinsam mit elf Kollegen für die EURO 2008 nominiert worden. Für den 43-jährigen ist es die erste Endrunden-Teilnahme in seiner Karriere.

Am 26. Mai 1984 legte Plautz die Schiedsrichterprüfung ab, bereits in der Saison 1989/90 stieg er als Assistent in die Bundesliga auf. Seit mehr als zehn Jahren (1996) ist Plautz FIFA-Schiedsrichter, seit 2000 gehört er zu Europas Topklasse der 30 besten Spielleiter. Bei einer WM- oder EM-Endrunde pfiff er jedoch nie. Vor allem die Nichtberücksichtigung für die von Schiedsrichterpannen geprägte WM in Deutschland 2006 wurmte den Tiroler. “Schade, denn es war meine letzte WM-Chance und mit dem Großteil der Schiedsrichter hätte ich locker mithalten können”, meinte er damals.

Das Alterslimit von 45 Jahren für internationale Schiedsrichter bedeutet, dass die Heim-EURO die letzte Endrunden-Chance für den Tiroler war. Die Nominierung zeichnete sich im Vorfeld ab. Dass Plautz kurz vor der Weltmeisterschaft in Deutschland mit Arsenal – Villarreal als erster Österreicher ein Champions-League-Halbfinale pfiff, galt noch als Trostpreis für die WM-Nichtnominierung. Im vergangenen Sommer leitete Plautz aber den prestigeträchtigen europäischen Supercup Milan – Sevilla.

Im Zivilberuf ist der gelernte Werkzeugmacher Plautz Manager im Gerätewerk Matrei. Neben der Schiedsrichterei hat er eine zweite große Leidenschaft: das Theater. Seit Jahren leitet Plautz die Heimatbühne Navis im Tiroler Wipptal.

“So richtig kann ich das noch gar nicht realisieren. Das ist für mich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk”, meinte der 43-Jährige, der als erster Österreicher seit Günter Benkö bei der EURO 2000 bei einem großen Turnier die Stars nach seiner Pfeife tanzen lässt.

Seit 1996 fungiert Plautz als FIFA-Schiedsrichter, vor sieben Jahren wurde er in den Kreis der 30 europäischen Top-Schiedsrichter aufgenommen – dennoch wurde er für die WM 2006 in Deutschland nicht berücksichtigt. “Ich habe schon ein bisschen gezittert, dass es mir bei der EURO so geht wie bei der WM”, sagte der Unparteiische.

Dass es doch noch mit der EM-Teilnahme geklappt hat, sieht Plautz auch als Auszeichnung für das gesamte österreichische Schiedsrichterwesen. “Das ist ein Zeichen, dass bei uns gut gearbeitet wird.” Gerhard Kapl, der Vorsitzende der ÖFB-Schiedsrichter-Kommission, freute sich mit Plautz. “Er hat es sich verdient, denn er hat in der Vergangenheit großartige Leistungen erbracht.”

Mit dem EURO-Ticket allein gibt sich der passionierte Laienschauspieler Plautz aber nicht zufrieden. “Ich möchte zwar einfach einmal mein erstes Spiel so gut wie möglich pfeifen und dann weitersehen. Aber ich werde sicher kämpfen, damit ich auch beim Finale in Wien dabei bin.”

Plautz kennt den Gruppen-Spielplan genau, einen persönlichen Favoriten für seinen ersten Auftritt hat er aber nicht. “Jedes EM-Match ist toll. Doch es wäre schon etwas Besonderes, eine Partie in Innsbruck leiten zu dürfen.”

So wie seine Kollegen wird Plautz vom 14. bis 17. April 2008 in Regensdorf (Schweiz) an einem Vorbereitungsseminar teilnehmen, wo auch seine beide nominierten Assistenten Egon Bereuter (bei der WM 2002 als Linienrichter dabei) und Markus Mayr mit von der Partie sind – sollte einer aus diesem Duo den bei diesem Anlass geplanten Fitnesstest nicht schaffen, rückt Bernhard Zauner als Ersatz nach. Im (äußerst unwahrscheinlichen) Fall, dass Plautz selbst scheitert, wäre für das gesamte österreichische Schiedsrichter-Team der EM-Traum geplatzt.

Ab 3. Juni sind alle EM-Schiedsrichter anlässlich der Europameisterschaft wieder in Regensdorf stationiert, am 26. Juni übersiedeln die Final-Referees nach Wien.

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