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Tirol unter Bundeskuratel

©APA/EXPA/JOHANN GRODER
Gastkommentar von Johannes Huber. Landeshauptmann Platter und sein "Wir haben alles richtig gemacht"-Mann Tilg haben sich viel zu viel zu Schulden kommen lassen. Sie sind untragbar.

Zumindest der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter und sein "Wir haben alles richtig gemacht"-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (beide ÖVP) haben winziges Glück im riesengroßen Unglück: Wären sie gerade nicht im Krieg gegen das Coronavirus, müssten sie gehen. Und zwar auf der Stelle. Sie müssten die Verantwortung dafür übernehmen, dass in ihrem Reich aus reiner Profitgier heraus so sehr geschlampt und geschlafen wurde, dass das Virus von St. Anton, Ischgl und anderen Skiorten in ganz Europa weiterverteilt werden konnte; und dass die Tiroler hierzulande nun auch selbst mit Abstand am stärksten davon betroffen sind.

Jetzt können die beiden schwer einfach so zurücktreten: Tirol brennt. Nachdem Platter schon am Sonntag eine Ausgangssperre verkündete hatte, musste er am Mittwochabend nachlegen. Die Bewohner der 279 Gemeinden des Landes dürfen diese (de facto) nicht mehr verlassen. Sie sind eingesperrt. Das Virus breitet sich so stark aus, dass es wirklich keine Alternative mehr zu einer so weitreichenden Freiheitsbeschränkung geben dürfte. Nur wenn jeder zu Hause bleibt, könnte es noch gestoppt oder spürbar eingebremst werden.

Und überhaupt: Welcher Landespolitiker, welche Landespolitikerin soll schon das Zeug dazu haben, einzuspringen? Das geht nicht: Dazu sind Autorität, Sachkenntnisse, Kontakte und viele andere Dinge nötig. Man sollte viel eher darüber nachdenken, Tirol unter Bundeskuratel zu stellen. Das könnte man sogar sehr gut argumentieren.

Nicht nur, aber auch Tiroler Liftbetreiber, Hoteliers und Lokalgrößen haben über Österreich hinaus COVID-19 Infektionen mitverschuldet, um es vorsichtig zu formulieren. Tage, nachdem die ersten Fälle bekannt geworden waren, liefen die Lifte ebenso weiter wie der Euro in der gesamten Tourismuswirtschaft ungemindert rollte. Auch die Landessanitätsdirektorin beschwichtigte. Als es nicht mehr anders ging und einige Orte unter Quarantäne gestellt werden mussten, wurden hunderte Gäste wiederum ungeordnet nach Hause geschickt. Einige übernachteten unterwegs in Innsbruck und so weiter und so fort. Tirol übte sich selbst als eine Art Virenschleuder ins übrige In- sowie ins Ausland.

Das Ergebnis ist noch gar nicht absehbar. Was aber vorliegt, ist schon viel zu viel. Hier wurde ein Beitrag zur größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg geleistet; dazu, dass wir alle zu Hause sitzen müssen; und dazu, dass Tausende ihren Job verlieren. Klar, das Virus kommt aus China und es gibt noch größere Krisenherde (die Lombardei etwa). Tirol trug zunächst aber weniger zur Eindämmung als zur weiteren Ausbreitung bei. Und das ist unverzeihlich.

Ein Bundeskuratel würde auch vielen Tirolerinnen und Tirolern helfen: Sie könnten dann nicht nur beten, dass ihre Politiker das Ruder vielleicht doch noch herumreißen. Sie hätten vielmehr Grund zu Hoffnung, dass das mit Leuten wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gelingen könnte. Bisher haben die beiden in dieser Krise jedenfalls Großes geleistet.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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