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Tirol: Britische "Skilehrer" waren eher "Skischüler"

Die Briten waren wohl noch Ski-Anfänger.
Die Briten waren wohl noch Ski-Anfänger. ©APA
Nach dem B117-Verdacht im Tiroler Jochberg werden jene Briten unter die Lupe genommen, die sich in Tirol zu Skilehrern ausbilden lassen wollten. Das war auch während des Lockdowns rechtlich möglich, laut Skilehrerverband ist ihre Ausbildung aber gar nicht offiziell anerkannt.

Nach dem Bekanntwerden von 17 Verdachtsfällen der britischen Coronavirus-Mutation im Tiroler Jochberg gibt es eine Diskussion, unter welchem Titel die britischen Staatsbürger eine Skilehrerausbildung absolvierten und ob sie sich wirklich gesetzes- und lockdown-konform in Tirol aufhielten. Das Land Tirol berate darüber mit Rechtsexperten, eine behördliche Prüfung wurde vorerst noch nicht eingeleitet, hieß es gegenüber der APA am Mittwoch.

Am Dienstag hatte das Land erklärt, dass sich die Betroffenen zu beruflichen Zwecken in Tirol im Rahmen einer SkilehrerInnen-Aus- bzw. Weiterbildung in der Unterländer Gemeinde aufhielten. Eine Angabe, die der Arbeitsrechtsexperte Martin Gruber-Risak von der Universität Wien offenbar teilt. Gegenüber dem "Standard" (Mittwochausgabe) meinte er, dass ungeachtet einer "gewissen Bizarrität" das rechtliche Problem in dem Fall nach den bisher vorliegenden Informationen "überschaubar" sei. Es handle sich um Arbeitskräfte, die zum Zweck der Ausbildung und der Aussicht auf eine nachfolgende Anstellung im Land seien.

Engländer machten "im Wesentlichen einen Skikurs"

Zumindest an einer offiziellen Skilehrerausbildung dürften sie laut Medienberichten nicht teilgenommen haben. Denn eine solche biete nur der Skilehrerverband an. Und dort betonte man, dass die Betroffenen, die zwischen Oktober und Mitte Dezember nach Tirol einreisten, an keinem Ausbildungskurs des Verbandes teilnahmen. Laut einem Bericht der "Tiroler Tageszeitung" (Mittwochausgabe) nahmen die Briten, die sich auch mit Hauptwohnsitz in Jochberg angemeldet haben sollen, hingegen an einem Vorbereitungskurs der "Ski Instructor Academy", einer privaten Firma mit Sitz im Salzburger Taxenbach, teil. Dort werde ein "legendäres Anwärter-Ski-Instructor-Programm" angeboten. Offenbar arbeite der Wiener Skilehrerverband eng mit dieser Akademie zusammen.

"Das ist ein Vorbereitungskurs, im Wesentlichen ein Skikurs, um dann den nächsten Schritt in Richtung Ausbildung zu machen. Es handelt sich um ein nicht ganz hohes Niveau", meinte Tiroler Skilehrerverbands-Geschäftsführer Christian Abenthung im APA-Gespräch über die private Konkurrenz. Aus der Sicht des Verbandes sei ein solcher Vorbereitungskurs - vor allem in Lockdown-Zeiten - "nicht notwendig". Im Skilehrergesetz sei ein solcher Kurs auch nicht vorgesehen. Der Tiroler Skilehrerverband habe jedenfalls eine Prüfung hinsichtlich der Berechtigung eingeleitet und werde seine Erkenntnisse bzw. seine Meinung der zuständigen Behörde übermitteln, so Abenthung. Der Skilehrerverband führe aufgrund der Corona-Umstände übrigens derzeit maximal ein Viertel des sonstigen Ausbildungsumfanges durch.

Bisher alle 191 Tests in Jochberg negativ

Nach dem Bekanntwerden von 17 Verdachtsfällen der britischen Coronavirus-Mutation im Tiroler Jochberg sind mit Stand Mittwochvormittag 191 Coronatests in der Gemeinde durchgeführt worden. Alle waren negativ, sagte der Leiter des Corona-Einsatzstabes des Landes, Elmar Rizzoli, der APA. Die möglicherweise von der Virus-Mutation Betroffenen seien zumindest noch bis Mittwochabend in Quarantäne, berichtete indes der Jochberger Bürgermeister Günter Resch (FPÖ).

Jochberg/Innsbruck. Über eine mögliche Verlängerung sei er bisher nicht informiert worden. Die rege Testbereitschaft im Ort stimme ihn jedenfalls positiv. Über 80 Jochberger hätten sich am Mittwoch im örtlichen Kultursaal bereits testen lassen, sagte Resch der APA am Vormittag. "Das Testzentrum ist sehr, sehr gut besucht". Die rund 1.500 Bewohner Jochbergs können sich seit Dienstag auf das Virus testen lassen.

Ansteckung der Briten unklar

Wo genau sich die großteils Briten angesteckt haben, war vorerst weiter unklar und Gegenstand von Untersuchungen. Parallel zur Überprüfung der Tests durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) werde derzeit das routinemäßige Contact-Tracing mit Unterstützung der Exekutive durchgeführt, meinte unterdessen Rizzoli. Für die Ermittlung des genauen Ursprungs der Virusmutation sei die Bezirkshauptmannschaft Kitzbühel zuständig.

"Es ist schon Empörung da, so etwas wünscht sich keiner", beschrieb Bürgermeister Resch die Stimmung im Ort: "All das kam äußerst überraschend."

(APA/red)

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