Tierisches in "Vegetarischem": Zutaten oft nicht klar deklariert

Beim Einkaufen müssen Vegetarier und Veganer genau hinschauen - und oft hilft nicht mal das
Beim Einkaufen müssen Vegetarier und Veganer genau hinschauen - und oft hilft nicht mal das ©BilderBox.com (Sujet)
Es geht nicht nur um Fleisch allein: Kälberlab, Rinder- und Schweinegelatine, Schildlaus und Schellack sind tierische Bestandteile zahlreicher pflanzlicher Lebensmittel, die sich für viele Vegetarier und Veganer deswegen nicht mit ihrer Ernährungsweise vertragen. Laut dem Verbrauchermagazin "Konsument" hapert es hier oft an den notwendigen Angaben.

Nicht immer wird der Kunde auf tierische Bestandteile in vermeintlich vegetarischen Lebensmitteln hingewiesen, kritisiert das Verbrauchermagazin “Konsument” in seiner Februar-Ausgabe.

Konsumenten nicht immer gut informiert

“Aus den meisten Zutatenlisten lässt sich für gut informierte Konsumenten herauslesen, dass auch tierische Stoffe enthalten sind”, schreibt der Konsument. “Bei anderen, wie zum Beispiel bei den Fruchtsäften, erfährt man aber nur auf Nachfrage, was Sache ist.” Vieles, was unproblematisch wirke, “ist weder für Vegetarier noch für Veganer geeignet”. Auf Auslobungen wie “rein pflanzlich”, “vegetarisch”, “vegan” oder “veggie” könne man sich auch nicht blind verlassen, denn diese Begriffe sind juristisch nicht definiert.

Schildlaus färbt Punschkrapferln

So könne es vorkommen, dass vermeintlich “vegetarische” Punschkrapferln ihre schöne rosa Glasur der Schildlaus verdanken. Auf der Verpackung ist dann meist “Farbstoff E 120 – Echtes Karmin” zu lesen. Für Farbe sorgt Karmin mitunter bekanntlich auch in Topfencremen, Joghurt, Gummibären und weiteren Süßigkeiten. Hinweise fanden sich in allen untersuchten Zutatenlisten.

Verarbeitungshilfsstoffe, die bei der Herstellung verwendet und anschließend entfernt werden, müssen erst gar nicht aufgeführt werden: Gelatine wird laut “Konsument” bei vielen Fruchtsäften zur Klärung von trüben Stoffen eingesetzt. “Der Käufer des Saftes erfährt davon aber genau nichts.”

Gelatine oftmals nicht deklariert

Bei einigen Firmen wie Pago, Pfanner und Rauch haben neue Filtrationstechniken Gelatine überflüssig gemacht, andere Erzeuger setzen sie noch ein, so die Konsumentenschützer. Speisegelatine stammt überwiegend aus Schweineschwarten und sorgt für eine cremige bis feste Konsistenz. Enthalten sein kann sie u.a. in Brotaufstrichen, Schokobananen, Gummibären und Joghurt – und nur in letzterem untersuchten Produkt tauchte sie laut “Konsument” auch in der Zutatenliste auf.

Problematisch: Lab im Käse

Kälberlab ist ein Gerinnungsenzym, das bei der Käseerzeugung zum Einsatz kommt. Lab kann aber auch mithilfe gezüchteter oder gentechnisch veränderter Mikroorganismen sowie aus Pflanzen hergestellt werden. Auf verpacktem Käse erkennt man den Zusatz von Lab nicht. Wo das Enzym herkommt, erfährt man nur, wenn der Hersteller es freiwillig angibt.

Auch Schellack kommt vom Tier

Als Schellack bezeichnet man die Ausscheidungen der weiblichen Gummilackschildlaus. Das Harz diente früher als Schutzlack für Möbel und Material für die ersten Schallplatten. In der Lebensmittelindustrie wird es meist mit Bienenwachs (E 901) als Überzugsmittel verwendet, etwa für Schokoglasuren.

Ein Inhaltstoff, der sich laut “Konsument” häufig in Brot und Gebäck findet, ist das Mehlbehandlungsmittel Cystein, eine schwefelhaltige Aminosäure, die aus Haaren, Schweineborsten und Federn bzw. mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt werden kann. Cystein macht Teige elastischer und leichter knetbar.

Vegetarier und Veganer: Ein paar Daten

Laut einer IFES-Erhebung geben neun Prozent der Bevölkerung an, sich vegetarisch bzw. vegan zu ernähren. Die “Körndlesser” von heute sind demnach überwiegend weiblich, gebildet und jung und verfügen über ein mittleres Monatseinkommen von 1.500 bis 2.500 Euro.

Vegetarier verzichten auf Lebensmittel vom toten Tier, Veganer kommen ganz ohne tierische Lebensmittel aus.

(apa/red)

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