Tiergarten Schönbrunn in Wien will Bewusstsein für gefährdete Arten schaffen

Der Tiergarten Schönbrunn in Wien lädt vom 2. bis 4. September wieder zu den Artenschutztagen ein.
Der Tiergarten Schönbrunn in Wien lädt vom 2. bis 4. September wieder zu den Artenschutztagen ein. ©APA/TIERGARTEN SCHÖNBRUNN/DANIEL ZUPANC
Mit den Artenschutztagen von 2. bis 4. September 2022 will der Tiergarten Schönbrunn in Wien zum 16. Mal mehr Bewusstsein für gefährdete Arten - viele davon finden sich auch im Zoo selbst - schaffen.
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Zum 16. Mal veranstaltet der Wiener Tiergarten Schönbrunn die Artenschutztage. Dabei stellen 22 österreichische Natur- und Artenschutz-Organisationen, darunter das Jane Goodall Institute, die Nationalparks Donau-Auen und Hohe Tauern oder auch die Zoll-Spürhunde ihre Arbeit vor.

Wiener Tiergarten will Bewusstsein für gefährdete Arten schaffen

"Der Schutz bedrohter Arten ist eine der Kernaufgaben moderner Tiergärten", sagte Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Acht bis zehn Millionen Tiere- und Pflanzenarten gebe es auf dem Planeten, "mindestens zehn Prozent sind von der Ausrottung bedroht", erläuterte der Direktor. "Unsere tierischen Zoobewohner sind Botschafter für ihre gefährdeten Artgenossen in der Wildbahn", meinte Hering-Hagenbeck.

Diensthundestaffel des Zolls 2022 bei Artenschutztagen vertreten

Auch das UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) mit Fokus auf Umweltkriminalität und die Diensthundestaffel des Zolls sind heuer bei den Artenschutztagen vertreten. "Wildlife-Crime betrifft die ganze Welt, jedes Land, entweder als Herkunfts-, Transit- oder Destinationsland, erläuterte Elisabeth Seidl vom UNODC. Der Schmuggel gefährdeter Arten "ist nach wie vor extrem lukrativ", sagte die Expertin. Als Beispiel führte sie an, dass ein Kilogramm Nashorn auf dem Schwarzmarkt 15.000 bis 20.000 Euro kostet, die Strafe für die illegale Einfuhr eines gesamten Nashorns würde jedoch in Relation geringe 3.000 Euro betragen. "Wir versuchen, organisierte Umweltkriminalität zu verhindern, schaffen Bewusstsein, setzten auf Prävention", erläuterte Seidl.

Zwei Diensthunde des Zolls als Artenschutzhunde ausgebildet

UNODC arbeitet in Österreich eng mit dem Zollamt zusammen. Zwei Diensthunde sind als Artenschutzhunde ausgebildet und am Flughafen Schwechat stationiert, erläuterte Stefan Konrad vom Zollamt. Trainiert werden sie gemeinsam mit dem Tiergarten Schönbrunn, sowohl mit Geruchsträgern, also etwa Schlangenhaut oder Federn, aber auch mit lebenden Tieren. Dass sie ihren "Job" beherrschen, zeigten die beiden hoch spezialisierten Deutsch-Kurzhaar-Hunde Tobi und Falco bei einer Vorführung, die auch am Freitag zweimal im Tiergarten zu sehen ist. Trainiert werden die Tiere mit positiven Anreizen wie Spielzeug oder Futter. Tobi "erspürte" bei der Vorführung Federn geschützter Vögel, Falco in einem Koffer gar eine lebende Pythonschlange.

Hunde regelmäßig im Tiergarten Schönbrunn in Wien trainiert

Die Hunde werden regelmäßig im Tiergarten Schönbrunn trainiert, um im Ernstfall geschmuggelte Tiere am Flughafen aufzuspüren, sagte Konrad. Ungefähr einmal im Monat verlegen Tobi, Falco und ihre Diensthundeführer Trixi und Stefan ihren Arbeitsplatz in den Zoo. In der Vergangenheit wurden bereits zahlreiche exotische Tiere vom Zoll beschlagnahmt, die im Tiergarten Schönbrunn notversorgt wurden und teilweise ihr neues Zuhause gefunden haben - beispielsweise verschiedene bedrohte Chamäleon-, Papageien- und Schildkrötenarten. Rund 120 Tierarten im Tiergarten Schönbrunn sind von Ausrottung bedroht. Bei etwa der Hälfte gibt es international koordinierte Erhaltungszuchtprogramme, an denen sich der Tiergarten beteiligt - darunter beispielsweise Borneo Orang-Utans, Mhorrgazellen oder Schwalbensittiche. Der Tiergarten selbst leitet die Zuchtprogramme der Hundsfische, Fidschi-Leguane und der Nördlichen und Südlichen Felsenpinguine.

Tiergarten Schönbrunn setzt sich für bedrohte Tierarten ein

Wissenschaftlich geführte Zoos wie der Tiergarten Schönbrunn gehören zu den wenigen Institutionen, die in der Lage sind, so viele verschiedene bedrohte Tierarten zu erhalten. "Zoos sind letzte Zufluchtsorte für Tierarten, die es nicht mehr gibt auf dem Planeten", sagte Hering-Hagenbeck. In Schönbrunn leben so beispielsweise einige Fischarten, die es nur noch im Tiergarten in Wien gibt.

Wiener Zoos beteiligt sich an zahlreichen Artenschutzprojekten

Außerdem beteiligt sich der Tiergarten Schönbrunn an zahlreichen Artenschutz- und Auswilderungsprojekten im In- und Ausland, die nach strengen Richtlinien der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) ablaufen. Eisbären sind beispielsweise zum traurigen Symbol des Klimawandels geworden. Der Tiergarten Schönbrunn unterstützt die Organisation Polar Bears International (PBI), eine der größten Initiativen zur Rettung der Eisbären. Eine wichtige Maßnahme ist die Forschung, um aus den gesammelten Daten Rückschlüsse auf die Lebensweise der Eisbären ziehen und geeignete Schutzmaßnahmen treffen zu können. Dafür werden Eisbären mit Halsbandsendern ausgestattet, die laufend die GPS-Positionen der Tiere übermitteln.

(APA/Red)

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