The Nest - Kritik und Trailer zum Film

Der britische Schauspieler Jude Law macht als Finanzhai Rory O'Hara im London der 80er Jahre seinen Kunden und Kollegen, seiner Familie und sich selbst etwas vor. Wegen einer angeblich vielversprechenden beruflichen Chance zieht er mit seiner amerikanischen Frau Allison (Carrie Coon) und den beiden Kindern von New York nach England um, wo er ein luxuriöses Herrenhaus auf dem Land mietet und für Statussymbole Geld ausgibt, das er nicht hat. Während Rory versucht, auf elitären Partys und Geschäftsessen den Schein zu wahren, drohen seine Ehe und seine Familienleben zu zerbrechen.

Vor 35 Jahren erlebte der britische Finanzmarkt eine Erschütterung, die von den Briten "Big Bang" genannt wird. Auf Wirken von Margaret Thatcher wurde die Londoner Börse 1986 dereguliert. Die Folge waren zahlreiche Übernahmen traditioneller Unternehmen durch große Banken. Vor diesem Hintergrund spielt nun "The Nest - Alles zu haben ist nie genug" des kanadischen Regisseurs und Autors Sean Durkin. Ab Freitag im Kino.

The Nest - Kurzinhalt zum Film

Der Brite Jude Law ("Der talentierte Mr. Ripley") und die Amerikanerin Carrie Coon ("Die Verlegerin") spielen die Hauptrollen in dem ruhig erzählten, aber intensiven Drama, das wie ein verfilmtes Kammerspiel wirkt. Law ist der scheinbar wohlhabende, intrigante Geschäftsmann Rory O'Hara, ein liebevoller Familienvater, der es aber mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, jedenfalls wenn es um die Finanzen geht.

Gelangweilt und weitestgehend beschäftigungslos überzeugt der Finanzhai seine amerikanische Ehefrau Allison (Coon), mit den beiden Kindern von New York nach England zu ziehen, weil sich in seiner ehemaligen Firma in London eine vielversprechende Chance bietet. Widerwillig stimmt Allison dem vierten Umzug in zehn Jahren zu.

In England mietet Rory für die vierköpfige Familie ein gigantisches, luxuriöses Anwesen auf dem Land. "Led Zeppelin haben hier gewohnt, als sie ein Album aufgenommen haben", schwärmt er. Wer hat, der kann. Aber hat Rory? Er kauft seiner Frau teure Geschenke, schickt die Kinder auf Privatschulen und verspricht das große Geld aus einem bevorstehenden Deal. Doch das Geschäft hakt, und das Geld lässt auf sich warten. Zweifel an Rorys Versprechungen bestätigen sich für Allison, als die Handwerker wegbleiben, weil sie nicht bezahlt wurden. Dann will sich Rory sogar Geld von ihr leihen.

Obendrein sind die Kinder - und auch Allison - einsam und unglücklich in der neuen englischen Heimat. In der elitären Oberschicht sind die Freundschaften oberflächlich. Während Rory seine Frau auf prätentiöse Dinnerpartys mitnimmt und gegenüber potenziellen Kunden bei teuren Geschäftsessen von einem Leben in New York City prahlt, dass die beiden nie geführt haben, werden die Risse in ihrer Ehe langsam, aber sicher immer größer. Die private Situation eskaliert zunehmend, und auch beruflich rutscht Rory unaufhaltsam in die Krise.

The Nest - Die Kritik

Es brodelt von Anfang an in Durkins elegantem Film. Von ruhiger Klaviermusik und Jazzklängen begleitet, schildert der kanadische Filmemacher die persönliche und weitestgehend selbstverschuldete Tragödie eines Mannes, der nicht nur seinem Umfeld, sondern auch sich selbst etwas vormacht. Dezent beleuchtet der Regisseur und Autor, der auch Autobiografisches einfließen ließ, Rorys Vergangenheit, über die selbst seine Familie kaum Bescheid weiß.

Dass der Film in den 80er Jahren spielt, erkennt man nur gelegentlich an der Musik, der Computerausstattung in Rorys Büro und an den fehlenden Mobiltelefonen. Durkin inszenierte die Geschichte, die sich gut als Theaterstück umsetzen ließe, ohne Effekthascherei und Klischees. Dass es fast anstrengend mitanzusehen ist, wie das vermeintlich idyllische Familienleben den Bach runtergeht, spricht für den Film. Die schauspielerische Leistung des bühnenerfahrenen Duos Law und Coon macht "The Nest" zu einem fesselnden Drama, das unter die Haut geht. Einziges Manko: Das Ende kommt etwas abrupt.

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(APA/Red)

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