The Hand of God - Kritik und Trailer zum Film

Paolo Sorrentino gehört zu den großen Filmemachern Italiens, der mit Werken wie "La Grande Bellezza" oder "Il Divo" auch außerhalb der Grenzen seines Landes ein Millionenpublikum erreichte. Wenn er in "Die Hand Gottes" nun die Geschichte des Buben Fabietto Schisa im turbulenten Neapel der 1980er-Jahre erzählt, weiß man recht schnell: Hier schildert der Oscar-Preisträger seine eigene Jugend.

Paolo Sorrentino bedankte sich vor sieben Jahren bei einer Reihe von Koryphäen, als er den Oscar für "La Grande Bellezza" gewonnen hatte - unter anderem bei Diego Maradona. Sein neuer Film, vielleicht sein bester, ist eine kleine Ode an die Fußballlegende, die ihm versehentlich das Leben rettete. "The Hand of God" ist persönlicher als alles, was der italienische Regisseur bisher gemacht hat. Am Montag kommt der Film in die Kinos, bevor er am Mittwoch bei Netflix abrufbar ist.

The Hand of God - Kurzinhalt zum Film

Am 22. Juni 1986 erzielte Diego Maradona das vielleicht umstrittenste Tor der Fußballgeschichte. Es war ein Moment, der von vielen als kosmische Vergeltung für den Falklandkrieg zwischen Argentinien und Großbritannien gelesen wurde. Die argentinische Fußballlegende schoss im Viertelfinale der WM 1986 gegen England ein Tor - mit der Hand. "Es war ein bisschen die Hand Gottes und ein bisschen Maradonas Kopf", sagte Fußballkollege Dieguito hinterher schelmisch.

Der italienische Auteur Paolo Sorrentino ("Ewige Jugend") übernimmt den Begriff für seinen filmischen Bildungsroman und kehrt zurück in seine eigene Jugend, wo die Hand einer göttlichen Kraft ihre wunderbaren und gleichzeitig grausamen Spielchen treibt - alles in hinreißend üppigen Bildern. Die Kamerafrau war Daria D'Antonio.

Wir lernen den introvertierten Teenager Fabietto (Filippo Scotti) - den fiktiven Timothée-Chalamet-artigen Stellvertreter von Sorrentino - und seine bunte Großfamilie inmitten der 1980er Jahre in Neapel kennen. Die Stadt ist in Aufruhr. Es geht das Gerücht herum, dass Diego Maradona kurz vor dem Wechsel in die neapolitanische Fußballmannschaft steht (die Gerüchte stellen sich als wahr heraus), und für Fabietto ist es, als würde der Allmächtige selbst erscheinen. Als sein älterer Bruder Marchino (Marlon Joubert) die Frage stellt, ob er lieber von ihrer schönen Tante Patrizia (Luisa Ranieri) flachgelegt werden würde oder Maradona für Neapel spielen soll, muss Fabietto nicht lange überlegen: Maradona natürlich.

Der erste Teil des Films ist ein herrlich absurder und derber Querschnitt des italienischen Lebens, wie er in Federico Fellinis 1973er-Film "Amarcord" zu sehen ist. Fabiettos Familie ist ein exzentrischer, liebenswerter Haufen und nicht gerade ein Vorbild für politische Korrektheit, aber urkomisch. Die Matriarchin der Familie, Signora Gentile (Dora Romano), sitzt auch bei heißem Wetter im Pelzmantel, und sagt jedem, der es wagt, sie beim Mozzarellaessen zu stören, dass er sich ins Knie ficken soll. Fabiettos Mutter (Teresa Saponangelo) spielt wahnsinnig gerne brutale Streiche, und sein kommunistischer Vater (Toni Servillo) liebt seine Mutter zwar, geht aber trotzdem fremd. Da ist auch Fabiettos sinnliche, verrückte Tante, die gerne nackt vor der versammelten Familie in der Sonne badet und auf die alle Männer in der Familie Lust haben.

The Hand of God - Die Kritik

Sorrentino lehnt sich hier wieder an sein Vorbild Fellini an, der seine Frauen groß und sinnlich mochte, mit großen Brüsten, einige von ihnen fast Karikaturen. Ähnlich wie Maradona, taucht der große italienische Regisseur im Hintergrund des Films auf, als Fabiettos Bruder versucht, für einen seiner Filme vorzusprechen. Fabietto späht neugierig in den Raum, in dem Fellini sein Vorsprechen hält, und wir können sehen, wie Sorrentino im echten Leben zu dem Mann heranwuchs, der "La Grande Bellezza" gemacht hat (was von einigen als ein Remake von "La Dolce Vita" abgetan wird). Ein tragischer Unfall führt dazu, dass die bis dahin recht herzhafte Geschichte eine ziemlich dunkle Kurve nimmt, und der einzige Grund, warum Sorrentino im wirklichen Leben von dieser Tragödie verschont wurde, sagte er später, war, dass er Maradona beim Fußballspielen zusah.

"Filme lenken von der Realität ab", sagt eine Figur an einer Stelle, denn die Realität ist "lausig". Paolo Sorrentino hat mit seinem schönen Film einen Weg gefunden, aus dieser "lausigen" Realität vielleicht ein wenig Sinn zu schaffen. Italien schickt "The Hand of God" ins Rennen um den Auslandsoscar, und es ist schwer vorstellbar, dass Sorrentino, sollte er gewinnen, sich nicht bei Maradona bedanken wird - und natürlich seinen Eltern.

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(APA/Red)

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