The Green Knight - Kritik und Trailer zum Film

US-Regisseur David Lowery hat für sein neuestes Filmprojekt die Artus-Sage als Vorlage genommen. Genauer gesagt geht es in "The Green Knight" um die Geschichte von Sir Gawain und den Grünen Ritter: Als Neffe des Königs will sich Gawain (Dev Patel) beweisen und enthauptet bei einem sonderbaren "Weihnachtsspiel" den Grünen Ritter - allerdings darf sich diese mysteriöse Kreatur, die ihren Kopf einfach wieder vom Boden aufhebt, in einem Jahr revanchieren. Was folgt, ist eine abenteuerliche, vor allem philosophisch angehauchte Reise, die den Sinn des Lebens zum Thema hat.

Filme über König Artus gibt es viele, mit Kokosnüssen und Jungfrauen in Not, aber noch nie gab es eine so surreale und philosophische Adaption wie "The Green Knight" von David Lowery. Der texanische Filmpoet hat aus einer uralten Ritterromanze ein faszinierendes Filmgedicht gemacht, über das man neu rätseln kann. Eine Parabel darüber, ob man seine Ehre behalten kann, ohne seinen Kopf zu verlieren. Ab Freitag im Kino.

The Green Knight - Kurzinhalt zum Film

Der schneidige Dev Patel ("Slumdog Millionaire", "David Copperfield") spielt Sir Gawain. In der ursprünglichen Legende ist er der größte und reinste Ritter. Aber hier ist er nur Gawain. Er ist noch kein Ritter, wenn wir ihn treffen, sondern nur ein Hallodri, der sich gerade versucht, von seiner Geliebten Essel (Alicia Vikander) loszureißen, um vom Bordell zur Burg seines Onkels König Artus (Sean Harris) zu gelangen.

Es ist Weihnachten und der König bittet seinen Neffen, ihm eine Geschichte zu erzählen, aber Gawain gesteht, dass er nichts zu erzählen hat. Da kommt mit einer Axt ein Grüner Ritter hereingaloppiert, eine imposante Halb-Mann-Halb-Baum-Kreatur (Ralph Ineson mit einer tiefen Stimme wie knisterndes Holz). Er schlägt ein "Weihnachtsspiel" vor und lädt alle Anwesenden dazu ein, ihm einen Schlag zu versetzen - unter der Bedingung, dass er sich in einem Jahr revanchieren darf.

Das klingt nicht nach einem sehr lustigen Spiel, aber der ungestüme Gawain glaubt, sich so seinen Platz an der Tafelrunde verdienen zu können, und enthauptet den Ritter. Der wiederum hebt gelassen seinen Kopf vom Boden auf und erinnert den Burschen an ihre Verabredung in einem Jahr. Ob Gawain sich entscheidet, sein Versprechen zu halten und seinem Tod zu begegnen, ist die entscheidende Frage.

The Green Knight - Kritik zum Film

Der Zauberer, der hinter alldem steckt, ist der Autor und Regisseur David Lowery, ein in Texas lebender Künstler, der dem familienfreundlichen "Elliot, der Drache" (2016) die gleiche bezaubernde Melancholie verlieh wie so stimmungsvollen Indie-Filmen wie seiner Bonny und Clyde-Romanze "The Saints" (2013) und "A Ghost Story" (2017), sein betörendes Grübeln über den Tod.

Das Quellmaterial des Films wurde von einem unbekannten Dichter um 1400 geschrieben, in dem es im Grunde um die Suche nach dem Sinn des Lebens geht. Am wichtigsten ist, dass Dev Patels Gawain vielleicht nicht der Edelste unter den Adligen ist, aber er macht ihn zu einem Helden, der widersprüchlich und eingeschüchtert, eitel und ehrenhaft ist.

Wie das Originalgedicht ist der Film offen für mehr als nur eine Interpretation (eine Doktorarbeit würde nicht ausreichen), während Gawain mit unerlaubtem Verlangen und seiner eigenen Feigheit im Angesicht des Todes ringt. Lowery hat Tarkowskis "Andrej Rubljow" (1966) und Kenneth Branaghs "Henry V." (1989) als Quellen der Inspiration zitiert, aber der Film erinnert auch an das Schachspiel zwischen dem Tod und Antonius Block in Ingrid Bergmans "Das Siebente Siegel" (1957). Lowery drückt alldem seinen eigenen Stempel auf.

Auf seinem Weg zur Grünen Kapelle des Ritters werden Gawains Prinzipien auf fantasievolle Weise auf die Probe gestellt. Es gibt einen exzentrischen Aasfresser, der durch die verkohlte Ödnis verstümmelter Körper wandert, eine geisterhafte Jungfrau, die nach ihrem Kopf sucht, ganz zu schweigen von nackten Riesen, die wunderschöne Lieder singen. Lowery malt praktisch, während er Gawain über neblige Berge und durch moosbewachsene Wälder schickt. Sogar mit Leichen übersäte Schlachtfelder haben eine unheimliche Schönheit. Die warmen Töne von Gawains goldenem Umhang dringen durch die kühlen Töne der Dunkelheit. Dann brechen überall bedrohliche Rottöne hervor: eine Blutlache, ein sprechender roter Fuchs, der Gawains Kumpel wird. Jedes Bild sieht aus wie ein Gemälde.

Es gibt hier keine Kokosnüsse und auch nicht viel Action, aber "The Green Knight" ist etwas Außergewöhnliches. Es gibt eine Montage am Ende der Reise, die auf ungewöhnlich wundersame Weise ein integres gelebtes Leben herauskristallisiert - ganz ohne Jungfrauen in Not. "Ist das alles im Leben?", will der Bursche an einer Stelle wissen. Die Antwort findet man in diesem wunderbaren Film.

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(APA/Red)

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