The Bubble - Kritik und Trailer zum Film

54 Golfplätze, 96 Swimmingpools, unzählige Freizeitanlagen und Clubs: Das sind die Villages für 150.000 Pensionisten. In diesem Habitat für Silver-Ager beginnt die Happy Hour um 11 Uhr mit Bauchtanz, Synchronschwimmen oder Karaoke. Valerie Blankenbyl porträtiert diese weltgrößte Seniorenstadt, in der es keinen Friedhof gibt, und in der die Mehrheit nicht nur ähnlich alt, sondern auch ähnlich gestrickt ist.

150.000 Pensionisten leben in den Villages in Florida und genießen ein durchgeplantes, aber permanent kontrolliertes und überwachtes Leben. Valerie Blankenbyl ist in "The Bubble" der Idylle auf den Grund gegangen und hat unter der glänzenden Oberfläche so manches Problem wie gefährdete Umwelt oder gefilterte Nachrichten entdeckt. Der daraus entstandene Dokumentarfilm der Wiener Regisseurin kommt am Freitag in die Kinos.

The Bubble - Kurzinhalt zum Film

"Früher war ein Altersheim ein Platz, um zu sterben, dieser Ort schenkt dir zehn Jahre Leben. Ich war noch nie so aktiv wie hier", äußert sich eine Bewohnerin der Villages euphorisch. Aktivität wird groß geschrieben in diesem Seniorencamp, von Trommelkursen über Gymnastik, Wasserballett und natürlich Golf gibt es hier alles für die Bewohner, die ab einem Alter von 55 Jahren einziehen können. Dass es einen eigener Waffenshop und - wie im Film ersichtlich gut frequentierten - Schießstände gibt, passt zu den Pro-Trump-Aufklebern, die man hier sieht.

54 Golfplätze, 70 Swimmingpools und 96 Freizeitzentren sorgen dafür, dass den Senioren nicht langweilig wird. "Keiner bleibt zu Hause, alle machen dauernd etwas", meint einer der Bewohner. Die Bilder, die den ehemaligen Wohnwagenpark zeigen, sind pastellfarben, hell, freundlich. Dass für die Monsteranlage viel Natur zerstört und landwirtschaftliche Fläche in Baugrund umgewidmet wurde, kümmert kaum jemanden. "Es ist profitabler, Yankees hier anzusiedeln als Wassermelonen anzubauen", meint die Besitzerin des Waffengeschäfts, die selbst ihr Land verkauft hat, eher gleichgültig. "Es gibt keine Insekten. Ich glaube, die gehen herum und sprühen, während wir schlafen", beobachtete eine Bewohnerin.

The Bubble - Die Kritik

Dass das Leben von den Village-Betreibern gesteuert oder sogar manipuliert wird, versuchte die Regisseurin auch aufzuzeigen. Es gibt einen eigenen Radiosender und eine eigene Zeitschrift, alles auf die oberflächliche Unterhaltungsmentalität ausgerichtet. Der Radiosender beschallt von den Straßenlaternen aus die ganze Gegend - es hat ein wenig von einem futuristischen Horrorstreifen. Alles ist vorhanden, alles darf konsumiert werden, solange es nur der Unterhaltung und Zerstreuung dient, und man ist hier ziemlich unter sich. Wie vorsichtig betont wird, gibt es kaum "colored people or minorities", denn finanziell sei alles "etwas über dem Durchschnitt".

Eine Expertin spricht von einem "seltsamen sozialen Experiment", das hier ablaufe. Dazu gibt es eindrucksvolle Aufnahmen von den gleichförmigen, geometrisch angeordneten Häusern und den vielen Schranken auf den Straßen. "Die Bewohner haben keine Ahnung, was sie uns angetan haben", meinte einer der früheren Einwohner. Die Menschen, die in vielen Großaufnahmen zunächst von dem angenehmen Leben in den Villages schwärmen, wirken mitunter auch ein wenig resigniert, als müssten sie sich selbst versichern, dass das Dasein hier ein einziger Traum ist. "Ich habe mein Leben lang gearbeitet, um in der Pension Spaß zu haben", heißt es da. Dass der Spaß nicht einmal oberflächlich Bestand hat, zeigt der Film sehr eindrucksvoll.

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(APA/Red)

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