Tausende Menschen arbeiten beim Donauinselfest hinter den Kulissen

Viele Hände arbeiten am Gelingen des Donauinselfests mit.
Viele Hände arbeiten am Gelingen des Donauinselfests mit. ©APA
Jedes Jahr sind es vor allem die Stars, für die sich die Besucher des Donauinselfests interessieren. Um die Auftritte von Cro, Revolverheld, Kosheen, Macy Gray und Co. möglich und das Wochenende für rund zwei Millionen Besucher zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen, arbeiten tausende Menschen im Hintergrund.
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So wird das Wetter

Der Aufbau der Bühnen, der Verkauf von Getränken, die Buchung der Bands, Erste Hilfe bei Verletzungen, Infos zu An- und Abreise: Tausende Menschen arbeiten hinter den Kulissen des Donauinselfests. VIENNA.at hat drei von ihnen zum Interview getroffen, um einen Einblick hinter die Kulissen zu bekommen: Josef Urban, der 27 Jahre lang für die Infrastruktur des Donauinselfests verantwortlich war, Meli Posch aus dem Organisationsteam und Felix Goldberg, der die Homepage und die Social Media-Kanäle der Veranstaltung betreut.

Seit dem ersten Donauinselfest dabei

Trotz Pension beobachtet Josef Urban den Aufbau auf der Donauinsel.
Trotz Pension beobachtet Josef Urban den Aufbau auf der Donauinsel. ©VIENNA.at

Josef Urban war 27 Jahre für die gesamte Infrastruktur des Donauinselfests zuständig. Er gehört seit der ersten Ausgabe zum DIF-Team und kennt sich auf der Insel aus wie kaum ein anderer. Mittlerweile ist er eigentlich in Pension, aber als Präsident des Wiener Kulturservices und somit Mitveranstalter des Events trotzdem schon im Vorfeld auf der Insel anzutreffen. “Beim 28. Donauinselfest war ich noch dabei, um zu helfen, falls Fragen oder Probleme auftauchen”, berichtet er. Das sei nun aber nicht mehr nötig.

Vom ersten bis zum 31. Donauinselfest hat sich viel verändert: Laut Josef Urban ist das heurige Donauinselfest überhaupt nicht mehr vergleichbar mit der ersten Ausgabe im Jahr 1984. Von Jahr zu Jahr sei das Fest größer geworden und die Infrastruktur habe sich deutlich verbessert: Es stehen beispielsweise mehr WCs zur Verfügung und die Beleuchtung wurde ausgebaut.

Sicherheit hat oberste Priorität

Bei der Planung und Organisation habe die Sicherheit der Besucher oberste Priorität, erklärt er bei einer gemeinsamen Fahrt über die Insel. Weil die öffentliche Beleuchtung nicht ausreiche, wurde in den letzten Jahren viel Geld in zusätzliche Beleuchtung investiert. Zudem seien die Zahl der Polizisten auf der Insel erhöht und die Alkohol-Kontrollen verschärft worden.

Manchmal gebe es auch unvorhergesehene Geschehnisse, die schnelles Eingreifen erfordern. So etwa bei dem ersten Auftritt der Kelly Family, als in einer sprichwörtlichen Nacht-und-Nebel-Aktion kindersichere Absperrgitter aus der Schweiz beschafft wurden. Die zum Teil recht jungen Fans verbrachten die Nacht vor dem Auftritt bereits vor der Bühne und waren unter keinen Umständen bereit, ihre Plätze aufzugeben. Also veranlasste Urban spontan, dass zusätzliche WCs aufgestellt und die Fans mit Tee und Traubenzucker versorgt wurden.

Nur das Wetter kann man nicht planen

Erst knapp vor der Eröffnung am Freitagabend geht der letzte Arbeiter von der Bühne – das sei der Moment, in dem das Team aufatmen könne und der größte Stress vorüber sei. Drei Wochen vor dem Fest beginnt der Aufbau, zuerst werden die Container aufgestellt (heuer sind es 240), um Lagerräume, Büros und auch Umkleidemöglichkeiten zu schaffen. “Ab Montag [Anm. vor dem Fest] kommen sie dann in geballter Ladung”, der Aufbau von Bühnen und Standln beginnt. Nur eine Sache kann die ganze Organisation und Planung über den Haufen werfen: das Wetter.

Urban erinnert sich an das Jahr, als die FM4-Bühne wegen Hochwassers evakuiert wurde oder an das Jahr, als ein Unwetter am Donnerstag vor dem Fest Container umgeweht und Zelte in die Baumkronen befördert hatte. In besagtem Jahr musste auf die Sportbühne verzichtet werden: Die Feuerwehr konnte nur mehr die Trümmer wegräumen, es war keine Zeit mehr, eine neue Bühne zu bestellen und aufzubauen. 25 Grad Celsius, gerne bewölkt, aber kein Regen – so sieht für ihn das perfekte Wetter für den Donauinselfest-Aufbau, aber auch das Fest an sich, aus.

27 Jahre lang hatte er keine Zeit, die Konzerte auf der Donauinsel zu genießen. Seit er mit der Organisation nichts mehr zu tun hat, schaut er sich das Programm auch an. Er sei “eher so bei den Oldies dabei” und ein erklärter Fan der Schlagerbühne.

4.000 Mitarbeiter der Wiener Linien im Einsatz

Die Mitarbeiter der Wiener Linien sorgen für eine sichere An- und Abreise.
Die Mitarbeiter der Wiener Linien sorgen für eine sichere An- und Abreise. ©Wiener Linien / Thomas Jantzen

Die Aufgabe der Wiener Linien bestehe darin, dass die Festival-Besucher “schnell und sicher” an- und abreisen können, so Unternehmenssprecher Daniel Amann im Gespräch mit VIENNA.at. Und dafür sind an den drei Inselfest-Tagen rund 4.000 Mitarbeiter im Einsatz. Jährlich werde ein Projekt-Team eingesetzt, das aber bereits über viel Erfahrung verfüge, denn schließlich ist es auch für die Wiener Linien bereits der 31. Einsatz beim Donauinselfest. Es gebe eine enge Zusammenarbeit mit dem Veranstalter und der Polizei, sowie “sehr viel Erfahrung”.

Mehr Züge werden eingesetzt, die Intervalle verdichtet und Mitarbeiter am Bahnsteig sorgen in den Stationen “Handelskai”, “Neue Donau” und “Donauinsel” dafür, dass es nicht zu Gedränge kommt. Vor den genannten Stationen halten sich auch Mitarbeiter auf, bei denen man Fahrscheine kaufen kann.

Mehr Züge und dichtere Intervalle

Auf den Linien U1 und U6 seien beispielsweise am Wochenende am Abend normalerweise 17 Züge unterwegs, am Donauinselfest sind es 41. Bis 02.00 Uhr fahren auf beiden Linien die Bahnen in Drei-Minuten-Intervallen. Aber auch Bus- und Bim-Linien im Umkreis der Donauinsel werden verstärkt.

Nicht nur mehr Fahrpersonal wird am Donauinselfest eingesetzt, sondern auch Info- und Sicherheitspersonal.

Info-Bus bei “Sicherheitsinsel”

Bei der “Sicherheitsinsel” (mehr Infos zu den verschiedenen Inseln finden Sie hier) sind die Wiener Linien mit einem Infos-Bus vertreten. Dort können Fahrscheine und Wiener Linien-Merchandise erworben werden, zusätzlich werden Infos zu An- und Abreise erteilt. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es ist, eine Straßenbahn zu fahren, kann sich im Straßenbahnsimulator als Bim-Fahrer versuchen. Am Samstag und Sonntag sind am Info-Bus fünf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Verkehrsbetriebe anzutreffen.

Nachwuchskünstler und Gewinner glücklich machen

Seit 2008 gehört Meli Posch zum vierköpfigen Organisationsteam rund um Projektleiter Thomas Waldner und ist zuständig für den Bereich Marketing und Kooperation. Von einem verflixten siebten Jahr will sie aber nichts hören – genau das Gegenteil sei der Fall, die Vorbereitungen laufen gut: “Je länger ich dabei bin, desto einfacher wird’s”, meint sie.

Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Organisation des Rock the Island Contests, bei dem Nachwuchskünstler Auftritte auf der Donauinsel gewinnen können, die Durchführung von Gewinnspielen, sowie die Organisation von Meet&Greets. Außerdem kümmert sie sich um das Akkreditierungsmanagement, betreut den Fuhrpark vor Ort und koordiniert den Nachbericht vom Donauinselfest.

Nach dem Fest ist vor dem Fest

Meli Poschs Arbeit beginnt jeweils im Herbst, also nur wenige Wochen nach dem jeweils vorherigen Donauinselfest, mit den Vorbereitungen des Rock the Island Contests. Die Website wird aufgebaut, der Online-Contest startet Ende Februar und im Mai gibt es schließlich Veranstaltungen mit Jury- und Publikumsvoting.

Die Freude der Contest-Gewinner darüber, beim Donauinselfest auftreten zu dürfen, gehöre zu den schönsten Seiten ihres Jobs. Aber auch die Glücklichen aus dem In- und Ausland, die bei Gewinnspielen eine Reise zum DIF oder ein Treffen mit ihrem Lieblingsstar gewonnen haben, wenden sich an Meli Posch und lassen sie an ihrer Freude teilhaben.

Das Büro zieht auf die Insel

Die stressigste Phase in der Arbeit des Organisationsteams ist die Zeit direkt vor der Veranstaltung: “Die letzten Wochen sind Wochen, in denen wir rund um die Uhr arbeiten”, berichtet sie und betont, dass in dieser Zeit auf gar keinen Fall jemand krank werden dürfe. Auch sie hat am 23. Juni ihr Büro in einen Container auf die Insel verlegt. Das ist ein Moment, den sie jedes Jahr schätzt: Jedes Jahr treffe man sich dort mit den Bühnenverantwortlichen, zum Teil handle es sich dabei um Mitarbeiter, die seit 20, 30 Jahren an Bord sind.

Die Atmosphäre in der Woche vor dem Fest sei eine ganz besondere, ihr Kollege Günther spricht in diesem Zusammenhang gar von der “Insel-Familie”. In dieser letzten Woche steht also nicht nur besonders viel Arbeit, sondern auch besonders viel Spaß auf dem Programm. “Wenn am 27. Juni alle Bühnen abgenommen sind, alle Gewinner im Hotel sind und alle Namen auf der Gästeliste stehen”, ist der Großteil ihrer Arbeit erledigt und sie kann das Fest genießen, bevor sich das gesamte Team einen Urlaub gönnt.

600 Polizeikräfte im Einsatz

600 Polizisten werden beim Donauinselfest eingesetzt.
600 Polizisten werden beim Donauinselfest eingesetzt. ©APA

„So wie im letzten Jahr werden an den drei Tagen wieder etwa 600 Polizeikräfte im Einsatz sein”, berichtet Polizeisprecherin Michaela Rossmann auf Anfrage von VIENNA.at. Die Sicherung eines ordnungsgemäßen Veranstaltungsablaufes, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit und die Gewährleistung für sicheren und geordneten Zu- und Abstrom der Besucher gehöre zu den primären Aufgaben vor Ort. Entscheidend für einen reibungslosen Ablauf sei die enge Zusammenarbeit mit den anderen Einsatzkräften wie Rettung, den Magistratsabteilungen und dem Veranstalter. Während des Donauinselfestes gibt es vor Ort eine durchgehend besetzte Sicherheitszentrale.

Das DIF im Netz

Felix Goldberg betreut unter anderem die Facebook-Seite des Donauinselfests.
Felix Goldberg betreut unter anderem die Facebook-Seite des Donauinselfests. ©VIENNA.at

Felix Goldberg arbeitet als Online-Redakteur für das Donauinselfest. Er schreibt Artikel für die Homepage, verschickt Newsletter und versorgt täglich 86.021 Facebook-Fans und 658 Follower auf Twitter (Stand: 24. Juni 2014) mit aktuellen Infos rund um das Fest. Zusätzlich ist er für die Bildreaktion zuständig. Das bedeutet, dass es ihm am Donauinselfest-Wochenende kaum gelingen wird, den Pressecontainer über längere Zeit zu verlassen, denn im Minutentakt werden die Fotos angeliefert, die er sofort bearbeitet und online stellt.

Das Donauinselfest 2.0

Das 31. Donauinselfest ist Felix Goldbergs zweites Jahr als Online-Redakteur. Im Jubiläumsjahr war er ausschließlich für die Betreuung der Social Media-Aktivitäten zuständig, heuer kümmert er sich zusätzlich um die Homepage. Obwohl sich sein Aufgabenbereich vergrößert hat, findet er trotzdem, dass die Arbeit in diesem Jahr entspannter ist. Anlässlich des 30. Donauinselfests gab es nämlich Sonder-Programmpunkte, Rückblicke auf Highlights und Themenschwerpunkte. Alte Plakate wurden aus dem Archiv geholt, Programme gewälzt und Fotos aus 30 Jahren gesichtet.  Diese Arbeit habe sich aber ausgezahlt, denn nun gibt es einen Material-Pool, auf den auch in den kommenden Jahren immer wieder zurückgegriffen werden kann.

Festbesucher auf Plakaten

In der ganzen Stadt sieht man Plakate, auf denen Donauinselfest-Besucher abgebildet sind, die zuvor an einem Facebook-Wettbewerb teilgenommen haben: 1.500 Fotos wurden online gestellt und die User konnten abstimmen, welche Bilder als Plakate verwendet werden sollen. Diese Aktion ist laut Felix Goldberg sehr gut angekommen und angenommen worden – generell sei die Stimmung auf der Donauinselfest-Facebook-Seite eher positiv: Mit “Trollen” muss er sich kaum herumschlagen, die häufigsten Kritikpunkte betreffen das Programm: “Warum kann heuer nicht XY auftreten?” ist eine der häufigsten Fragen.

Rettung leistete 886 Mal Hilfe

Mitarbeiter des Samariter-Bundes beim Donauinselfest.
Mitarbeiter des Samariter-Bundes beim Donauinselfest. ©Arbeiter-Samariter-Bund

Der Arbeiter-Samariter-Bund ist am Freitag und Samstag jeweils mit 200 Sanitätern und Sanitäterinnen und 16 Rettungswagen vor Ort. Am Sonntag werden voraussichtlich 150 Rettungskräfte und 14 Rettungswagen im Einsatz sein. Im vergangenen Jahr leisteten die Mitarbeiter des Samariterbundes in 886 Fällen Hilfe und transportierten 159 Personen in ein Krankenhaus. Diese Zahlen, so betont die Rettungsorganisation, seien erfreulich, da es 2013 deutlich weniger Notfälle gab als in den Jahren zuvor.

Alle Infos rund um das Fest auf der Wiener Donauinsel finden Sie in unserem Special.

(SVA)

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