Tauchen mit Haien - Nervenkitzel für Kontrollfreaks

Bei Risikosportarten wie dem Tauchen mit Haien geht es weniger um Todessehnsucht als viel mehr um die Kontrolle von Emotionen, sagte der Kärntner Sportpsychologe Thomas Brandauer am Dienstag zur APA.

Wenn man sich in einer Situation sicher fühlt, in der andere Menschen in Panik verfallen würden, erzeugt das ein Gefühl von Überlegenheit und Kompetenz.

Menschen, die derartige Herausforderungen suchen, bezeichnet er als Risikosucher, Kontrollfreaks und manchmal Wiederholungstäter.

Risikosucher haben einen starken Kontrollmechanismus in sich. “Diese Menschen wollen ihre Qualität in schwierigen Situationen beweisen. Es geht nicht um die oft behauptete Todessehnsucht, sondern darum, eine Handlung zu kontrollieren”, erklärte der Psychologe.

Es gehe um Kontrolle von Emotionen, das kann z. B. Angst sein. Wird so eine Herausforderung positiv bewältigt, geht damit ein sehr intensives Erlebnis einher.

Beim Tauchen mit Haien ist die Aufmerksamkeit durch die riskante Umgebung sehr stark auf das wesentliche konzentriert, wie sonst kaum irgendwann im Leben. “Wenn die gesamte Energie so stark auf den momentanen Reiz fokussiert ist, bleibt wenig über für andere Einflüsse. Hier zählt die Qualität des Augenblicks und das ist ein sehr starkes Erlebnis”, sagte Brandauer. Die hohe Konzentration kann in einen starken emotionalen Zustand münden.

Menschen, die das Risiko suchen, verlieren aber ungern die Kontrolle, denn das wäre ein Spiel mit dem Tod. “Sie sind gleichzeitig meist auch Kontrollfreaks”, so der Psychologe. “Wenn sich jemand einen Wasserfall hinunterstürzt oder ungesichert eine Hauswand hochklettert, geht es mehr um die Kontrolle.”

Diesen starken emotionalen Zustand suchen manche Menschen immer wieder. Brandauer bezeichnet diese Personen als “Wiederholungstäter”. Das Gefühl immer wieder eine höhere Herausforderung zu benötigen, macht den Suchtcharakter aus.

Risikobereite können eventuelle Persönlichkeitsdefizite in anderen Bereichen durch die Gefahr ausgleichen. “Oft sind solche Menschen nicht beziehungsfähig, was man aber nicht verallgemeinern kann”, sagte Brandauer.

Er nennt es ein Agieren zwischen Mangel und Luxus. Der eine gleicht Defizite aus, der andere wiederum hat alles (lebt im Luxus) und möchte durch das Spiel mit dem Risiko intensive Erlebnisse haschen.

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