Tanzen mit Arcade Fire: Neues Album "Reflektor"

Arcade Fire legen nach.
Arcade Fire legen nach. ©AP
Nach dem überwältigenden Erfolg ihrer letzten Platte "The Suburbs" (2010) machten sich Arcade Fire daran, den Nachfolger anzuteasern. Am Freitag erscheint nun das von Fans sehnlichst erwartete vierte Album "Reflektor".

Auf 13 neue Songs kann sich die Hörerschaft der kanadische Band aus Montreal freuen.

Die derzeit wohl größte Indie-Band der Welt, die 2011 einen Grammy für das Album des Jahres einstreifen konnte, setzte stets auf durchdachte, bisweilen ungemein komplexe Popkost, die gleichermaßen eingängig wie anspruchsvoll daherkam. An diesem Grundrezept hat die Gruppe rund um das kreative Gespann und Ehepaar Win Butler und Regine Chassagne nichts verändert. Besuchte man am Vorgänger aber nordamerikanische Vorstädte, geht es nun ab in die Disco.

Arcade Fire “überrschend” tanzbar

“Einige Sachen auf diesem Album werden die Leute wirklich überraschen”, versprach Butler bereits im September in einem Interview mit BBC Radio 1. Schon der im Voraus ausgekoppelte Titelsong schwingt zwischen tanzbaren Retro-Grooves, vielen elektronischen Spielereien und einem gewohnt großen Refrain. Sogar Altmeister David Bowie darf kurz seine Stimme erheben. Arcade Fire begeben sich eben auf Erkundungstour.

Mit ein Grund für die Neuaufstellung dürfte nicht zuletzt James Murphy sein. Der ehemalige Frontman von LCD Soundsystem kann getrost als Genius der Knöpfchendreher bezeichnet werden und brachte schon früher den Dancefloor zusammen. Neben Markus Dravs fungierte er als Produzent für “Reflektor”, das insgesamt stark von einem 80er-Vibe getragen wird. Pulsierender Funk (“We Exist”) trifft auf Dub-Einflüsse (“Flashbulb Eyes”), bevor man in die Dreampop-Ecke abbiegt (“Awful Sound (Oh Eurydice)”).

Und über all dem thronen die Stimme von Butler und Chassagne, mal im Duett, mal harsch aneinandergereiht.

Abwechslungsreiches Album “Reflektor”

Aufgeteilt auf zwei CDs klickert und klackt es, kommen stampfende Beats mit schwebenden Gitarren zusammen, dürfen melancholiegetränkte Streicher zu “Oh”-Chören anheben. Kaum ein Song, der die Fünf-Minuten-Marke nicht durchbricht.

“Ich wollte nie in einer Band sein, die nicht genau jene Musik spielen kann, die sie will.” Diesen Satz nimmt man Butler vollends ab. Seine Band versteckt sich nicht und nimmt mit “Reflektor” die Herausforderung der weltweiten Musikpresse und Fanscharen an. Größer, besser, vollendeter muss es werden, darüber war man sich einig. Mit dieser “klassischen Doppel-LP, wo dich jede Seite an einen anderen Ort bringt”, kann zumindest der erste Anspruch vollends eingelöst werden. Über den Rest darf man gerne streiten. Fans von Arcade Fire werden in jedem Fall ihre Freude an der neuen Platte haben.

(APA/Red.)

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