Tanzbare Provokationen: M.I.A. in Wien

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Am Dienstag kam nach langer Wartezeit M.I.A. in den Wiener Gasometer, um eine Mischung aus Elektroparty und Liveauftritt zu feiern. Wir haben die besten Bilder des lautstarken Gigs.
M.I.A. im Gasometer Wien

M.I.A., die auf Provokation setzende tamilisch-britische Sängerin, wütete am Dienstag auf der Bühne im Wiener Gasometer. Es war eine zum Teil martialische Show, die trotzdem in Richtung Electroparty tendierte, denn die 35-Jährige setzte größtenteils auf Musik aus der Konserve. Die Liveumsetzung setzte auf fette Beats, viel künstlichen Nebel und eine intensiv flackernde Lichtshow. Das recht junge Publikum geriet bei der musikalischen Mischung aus HipHop, Electro und Baile-Funk schnell in Bewegung und hätte ohne Frage länger als knapp mehr als eine Stunde mit M.I.A. getanzt.

Wenn es darum geht, Musik auf die Bühne zu bringen, die mehrheitlich mit elektronischem Equipment entstanden ist, gibt es zwei Extreme. Entweder lässt man den Sound aus der Konserve kommen, oder man setzt auf eine Liveadaption mit echten Instrumenten. M.I.A. entschied sich für die erste Möglichkeit und setzte auf ein Ensemble aus zwei Tänzern, einer eher als Bühnendeko agierenden Drummerin und einen weiblichen DJ. Es war aber durchaus kein Fehler, so anzutreten, denn das Konzept ging auf. Die Mischung aus einer Elektroparty und Liveauftritt kam gut an. In Fahrt gebracht wurde der Saal erst von einem kurzen DJ-Set, ehe die intensive Lichtshow das Erscheinen des Stars des Abends ankündigte.

Keine Scheu vor dem Publikum

Scheue vor dem Publikum zeigte die gebürtige Londonerin dann gar keine, denn für einen Song lud sie so viele Leute auf die Bühne, wie auf dieser Platz finden konnten. Doch erst einmal zeigte M.I.A. dem Wiener Publikum ein wenig, warum sie zum Teil recht umstritten ist und das nicht nur, wegen ihres anfänglichen Stylings mit PLO-Kopftuch. Der Song “Bucky Done Gun” aus ihrem zweiten Album “Arular” wurde auf der Videowand mit Bildern von Kampfhubschraubern garniert und die wummernden Beats nicht nur hier mit Samples von Pistolenschüssen garniert. M.I.A. brachte auch den von einem Selbstmordattentat handelnden Track “Lovalot” ihres dritten Albums “Maya”, bei dem man auch live mutmaßen durfte, ob sie nun “I really love a lot” oder doch “I love Allah” sang. Auch Pop-Dissidenten brauchen halt ihre Vermarktungsstrategien und wenn es nicht der Sex ist, muss man nehmen, was übrig bleibt.

Es waren aber sicher nicht diese Aspekte allein, die das Publikum zu diesem Konzert führten, wenngleich der radikale Chic sicher einen Teil der Anziehungskraft von M.I.A. ausmachen. Die Tochter eines tamilischen Rebellen-Kämpfers bot neben den provokanten Elementen einfach eine dynamische Show, bei der die Kürze nicht wirklich störend war. Zu bemängeln war einzig, dass die Stimme oft doch zu sehr im Soundgewitter unterging. Dass es eine Mischung aus Liveauftritt und Party war, zeigte sich nach 45 Minuten Bühnenpräsenz. Da gingen M.I.A. und Gefolge nämlich auch schon wieder ab. Die Musik lief aber weiter und der Saal hörte nicht auf zu tanzen, anstatt wie üblich in das “Zugabe”-Ruf-Ritual zu verfallen. Die Zugabe gab es ja dann auch so und nach drei Tracks endete der Abend mit ihrem Hit “Paper Planes” samt seinen Pumpgun-Samples.

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