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Szenenapplaus im Minutentakt: "Don Quixote" in der Staatsoper

Am Montag feierte das Nurejew-Ballett, das hier 1966 uraufgeführt wurde, seine Heimkehr in der Staatsoper - unterbrochen von Szenenapplaus im Minutentakt.
"Don Quixote" in der Wiener Staatsoper

Manuel Legris darf sich freuen. Der neue Ballettchef hat die Wiener Compagnie in wenigen Monaten hochgebürstet, wie es ihm wohl nur wenige zugetraut hätten. Von Premiere zu Premiere, Epoche zu Epoche, Leistungsschau zu Leistungsschau wurden sie getrieben – und doch haben die Tänzer auch im neuen, großen Ballett, der feurigen Folklore-Revue “Don Quixote” nicht nur ihr sportliches Potenzial vorgeführt, sondern scheinen auch am Höhepunkt ihrer Spielfreude.

Es war das erste Mal, dass Legris ein Stück mit seinen Tänzern einstudiert hat – er selbst lernte zahlreiche Partien im “Don Quixote”, jener Adaptierung Nurejews nach Marius Petipa, direkt von seinem Mentor Nurejew. Dass er den Abend nun nach Wien zurückgebracht hat, dankt ihm vor allem das Publikum: Selten sind drei Opern-Stunden so kurzweilig, farbenfroh und fröhlich, selten gibt es zwischen spanischem Temperament, zigeunerischem Csardas und einem klassischen Traum aus Tüll alles, was das schlichte Liebhaberherz begehrt, selten dürfen so viele Publikumslieblinge in artistischen Soli glänzen.

Denn “Don Quixote” ist Handlungsballett und Nummernrevue gleichzeitig. Während die Geschichte um das Liebespaar Kitri und Basil, das vor Kitris Vater flüchtet und letztlich von Don Quixote und Sancho Pansa unterstützt wird, vor allem in kurzen, überspitzten Stummfilmszenen erzählt wird, gibt es dazwischen viel Platz für reines Schautanzen. Von Beifallsstürmen unterbrochen wurden dabei vor allem Denys Cherevychko und Maria Yakovleva, die an diesem Abend mit mustergültiger Finesse und spitzbübischem Charme ein wahres Gewaltprogramm ablieferten.

Die beiden Hauptpartien übernehmen in den Reprisen allerdings auch andere – die Kitri wird noch von Nina Polakova, von Olga Esina (die gestern eine ätherisch-schöne Königin der Dryaden gab), von Ludmila Konovalova (die jüngste Solistinnen-Addition der Compagnie hatte gestern einen kurzen, aber prägnanten Auftritt als Brautjungfer) sowie von der chinesischen Gastsolistin Qimin Wang. Mit dem Basil gestaltet Masayu Kimoto seine erste abendfüllende Hauptpartie, Vladimir Shishov tanzt die Rolle ebenso wie zwei Gäste: Leonid Sarafanov und Denis Matvienko, Principal Dancer am Mariinsky-Theater.

Aber im Gegensatz zu früher – als gerade an neuralgischen Punkten Gäste zum Zug kamen – setzt Legris bei der Premiere nur auf die eigene Compagnie. Und gewinnt: Eno Peci als heißblütiger Edelmann und Ketevan Papava als seine feurige Gespielin, die in stets ausgesuchten spanischen Roben einen Parcours durch gezogene Messer und einen Stierkampf durch rote Seide hinlegt, gestalteten souverän und mit viel Charakter. Thomas Mayerhofer als Don Quixote torkelt und taumelt durchaus liebenswert über die Bühne und sein dicker Diener Sancho Pansa (Christoph Wenzel) sorgt für Slapstick am Fließband.

Auch das Staatsopernorchester hat gestern wieder einmal bei einem Ballettabend vorbeigeschaut. Eine angenehme Abwechslung, die vor allem Ermanno Florio zu verdanken ist: Aus dem melodischen Show-Medley, das John Lanchbery aus Ludwig Minkus’ Musik arrangiert hat, holte der Dirigent kräftigen, klar konturierten Sound und wurde dafür auch eifrig bejubelt. Dabei muss das Publikum, dem auch die Opernstars Anna Netrebko und Erwin Schrott angehörten, vom vielen Klatschen zwischendurch zum Schluss schon fast so erschöpft gewesen sein – wie die Leistungssportler auf der Bühne.

(Quelle: APA)

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