Syrien-Flüchtlinge: Auswahl-Verfahren und Empfang der ersten vier Personen

In Syrien spitzt sich die Lage zu - Österreich nimmt 500 Flüchtlinge auf
In Syrien spitzt sich die Lage zu - Österreich nimmt 500 Flüchtlinge auf ©AP (Sujet)
Am 1. Oktober wird die Internationale Organisation für Migration (IOM) die ersten vier von 500 syrischen Flüchtlingen am Flughafen in Wien-Schwechat in Empfang nehmen. Welche Flüchtlinge aus Syrien ausgewählt werden, wird von Kirchen nach einem komplexen Listen-System entschieden.
Erste Flüchtlinge kommen
"10.000 aus Syrien aufnehmen"
Fischer: "So viel wie möglich"
25 kommen nach Wien
Plan: 500 Flüchtlinge aufnehmen

Die vier am Dienstag in Schwechat eintreffenden Flüchtlinge halten sich derzeit in der jordanischen Hauptstadt Amman auf und gehören zu den ersten der bis zu 500 syrischen Flüchtlinge, denen Österreich aufgrund der derzeitigen humanitären Notlage in Syrien und den benachbarten Ländern Asyl gewähren wird, teilte die IOM am Freitag mit. Die Auswahl der syrischen Flüchtlinge wird von den österreichischen Behörden und dem UNHCR vorgenommen.

Lage in Syrien: Rasches Handeln gefordert

“Die derzeitige Situation in Syrien verlangt rasches Handeln, besonders Frauen und Kinder sind stark schutzbedürftig”, so Katerina Kratzmann, Leiterin des Wiener IOM-Büros. “Wir begrüßen die Initiative Österreichs, Betroffenen des Konflikts schnellen Schutz und eine langfristige Lösung anzubieten.”

Die Auswahl erfolgte nach Übermittlung von Namenslisten durch die syrisch-orthodoxe Kirche und die katholische Kirche an das Innenministerium in den vergangenen Wochen. Laut Innenministerium wurden bisher zwölf Personen fix ausgewählt, weitere sollen folgen, hieß es in einem Bericht des ORF-Morgenjournals.

Syrische Flüchtlinge von IOM betreut

Die IOM-Büros in Amman und Wien unterstützen derzeit die Flüchtlinge bei der Reisevorbereitung und -durchführung. Nachdem die ersten Flüchtlinge am Dienstag abgeholt werden, werden sie in der Erstaufnahmestelle in Traiskirchen formell Asyl beantragen und erhalten. Sie sollen anschließend privat bei Verwandten und Bekannten unterkommen.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM), die im Jahr 1951 gegründet wurde, ist eine auf dem Gebiet der Migration weltweit aktive zwischenstaatliche Organisation mit Hauptsitz in Genf. Der IOM gehören 151 Mitgliedsstaaten an. Weitere zwölf Staaten haben Beobachterstatus. Österreich ist der Organisation im Jahr 1952 beigetreten.

Komplexe Gestaltung kirchlicher Flüchtlings-Listen

Als komplex gestaltet sich die Erstellung von Vorschlagslisten für die Auswahl syrischer Flüchtlinge durch die Kirchen: Es kursieren zwei unterschiedliche Kovolute, die dem Innenministerium als Grundlage für die Entscheidung der ersten 250 aufzunehmenden Personen seitens der Kirchen vorliegen.

Einerseits legte die katholische Kirche in Zusammenarbeit mit Kirchen vor Ort eine Vorschlagsliste mit 42 schutzbedürftigen Personen vor, so die Kathpress am Freitag. Eine weitere Liste potenziell Aufzunehmender stammt vom Bischofsvikar der syrisch-orthodoxen Kirche in Wien, Emanuel Aydin. Dieser gab an, im Namen des syrisch-orthodoxen Metropoliten von Jazirah und Euphrates, Matta Roham, zu handeln.

Zehn Flüchtlinge kommen nächste Woche

Im Laufe der nächsten Woche sollen die ersten zehn Syrien-Flüchtlinge nach Österreich kommen. Sie sollen Teil jener 250 von insgesamt 500 auszuwählenden Personen sein, die das Innenministerium basierend auf den kirchlichen Vorschlägen bestimmt. Die weiteren 250 Flüchtlinge sollen vom UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR vorgeschlagen werden.

“Auf unserer Liste sind Personen, die sich auf der Flucht befinden und sich großteils in den Nachbarländern Syriens, also zumeist in Jordanien, Libanon und der Türkei aufhalten. Sie wurden einerseits durch die Bischöfe und Geistlichen vor Ort ermittelt, andererseits durch deren Verwandte und Angehörige, die sich in Österreich befinden”, so der syrisch-orthodoxe Bischofsvikar Aydin.

Nur syrisch-orthodoxe Christen kommen

Auf dieser Liste seien ausschließlich syrisch-orthodoxe Christen. Ein Großteil von ihnen habe Angehörige in Österreich. Untergebracht werden sollen sie dementsprechend bei Verwandten und Bekannten in Österreich, so Aydin. “Die Liste wird tagtäglich größer, ich bekomme immer neue Anfragen und Ansuchen. Derzeit befinden sich 850 Personen darauf”, sagte der Bischofsvikar. Welche Flüchtlinge tatsächlich nach Österreich kommen und welche nicht, entscheide letztlich das Ministerium. Er selbst, Aydin, assistiere in der Flüchtlingsfrage nur dem syrisch-orthodoxen Erzbischof Matta Roham.

Die zweite Liste mit 42 potenziell Aufzunehmenden entstammt der Zusammenarbeit von katholischer Kirche mit den Kirchen in der Krisenregion. “Es handelt sich um Vorschläge, die Entscheidung liegt freilich einzig beim Innenministerium”, betonte der Sekretär Kardinal Christoph Schönborns, Hubert Philipp Weber, von der Erzdiözese Wien. Man habe bei der Auswahl der vorgeschlagenen Personen noch auf Empfehlungen des entführten syrisch-orthodoxen Metropoliten Mar Grigorios Yohanna Ibrahim zurückgreifen können, so Weber. Mar Grigorios war im Frühjahr in der Nähe von Aleppo von Unbekannten verschleppt worden.

Schutzbedürftigkeit ist Kriterium

“Im Unterschied zu den Vorschlägen von Bischofsvikar Aydin befinden sich auf unserer Liste keine Personen mit Verwandtschaftsbezügen zu Österreich. Kriterium für die Erstellung war ausschließlich die Schutzbedürftigkeit”, so der Erzbischöfliche Sekretär. Ursprünglich seien keineswegs nur Christen darauf gestanden, sondern auch einige muslimische Syrer. Da jedoch angesichts der dramatischen Notlage und den undurchsichtigen Zuständen in Syrien selbst und in den Flüchtlingslagern immer wieder einzelne Personen nicht mehr auffindbar seien, befänden sich auf der aktuellen Vorschlagsliste syrische Christen unterschiedlicher Konfessionen, darunter der aramäisch-katholischen, syrisch-katholischen, chaldäisch-katholischen, syrisch-maronitischen und rum-orthodoxen Kirche.

Diese 42 zu Aufnahme empfohlenen Flüchtlinge befinden sich derzeit im Libanon und Jordanien und sollen – im Falle eines positiven Bescheids durch das Innenministerium – über Beirut nach Wien kommen. “Für eine Unterbringung innerhalb der in Österreich lebenden syrischen Community ist gesorgt”, so Weber.

Vorzug bei Bezug zu Österreich

Neben den Kirchen greift das Innenministerium auf Vorschläge des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR zurück. Man wähle Personen nach einem Kriterienkatalog des UNHCR gemäß der obersten Prämisse der Schutzbedürftigkeit aus, so der Leiter des UNHCR-Büros in Österreich, Christoph Pinter, im Ö 1-Morgenjournal am Freitag: “Wenn sich darunter dann Personen befinden, die Anknüpfungspunkte nach Österreich haben, werden diese ziemlich sicher bevorzugt behandelt werden, weil es natürlich Sinn macht, solche Leute nach Österreich zu holen.”

Unter besondere Schutzbedürftigkeit fallen laut dem UNHCR etwa medizinische Notfälle, Gewaltopfer, Kinder und Frauen. Noch zu klären sei, aus welchen Nachbarländern Syriens die Flüchtlinge nach Österreich kommen werden.

(apa/red)

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