ÖSV wartet in Abfahrtskampf gegen Vonn auf Ausnahmekönnerin

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ÖSV-Gruppentrainer Jürgen Kriechbaum lässt sich vor der alpinen Weltcup-Abfahrt am Samstag in Zauchensee nicht von den guten Trainingsergebnissen seiner Läuferinnen täuschen.

Bis zum nächsten Sieg von Österreichs Damen nach jenem von Andrea Fischbacher am 28. Februar 2009 in Bansko wird es seiner Meinung nach noch dauern, vor allem gegen eine Lindsey Vonn in Topverfassung. Grund dafür ist, dass es dem ÖSV derzeit an modernen Abfahrtstypen mangelt.

Die körperliche Unterlegenheit der ÖSV-Equipe zu Vonn und Maria Riesch ist einfach schon beim Hinschauen offensichtlich. Während Vonn 1,77 m und Riesch gar 1,80 m misst und beide dementsprechend auch an Kampfgewicht mitbringen, ist die Durchschnittsgröße im am Samstag antretenden zehnköpfigen Abfahrtsteam knapp 1,63 m. Die Tirolerin Regina Mader fehlen mit 1,68 m als Größter in der ÖSV-Riege noch immer neun Zentimeter auf Vonn.

“Sie in Hochform zu schlagen, ist für uns derzeit Utopie”, sprach Kriechbaum im Vorfeld des Zauchensee-Wochenendes Klartext. “Wir können sie erst wieder besiegen, wenn eine Läuferin da ist, die das schaffen kann. Es braucht dazu eine Ausnahmekönnerin. Möglicherweise schafft das Görgl”, hob der Coach die Dritte von der ersten Lake-Louise-Abfahrt noch hervor. “Aber sie wird wahrscheinlich in der Abfahrt keine Seriensiegerin werden. Dafür sind wir zu weit weg.”

Noch größere Chancen sieht Kriechbaum auf Strecken wie Zauchensee, auf denen es technisch anspruchsvoller ist. “Da spielt die körperliche Konstitution bei weitem nicht so eine große Rolle. Aber auf der typischen Damen-Abfahrt, wo du oben in die Hocke gehst und unten raus aus der Hocke – da ist es schwierig.” Diese Lücke zu verkleinern gehe auch über das Material. “Da haben wir die letzten zwei Jahre Schwächen gehabt. Aber es sieht so aus, als ob wir dieses Loch gefüllt hätten.”

Demnach haben Österreichs Athletinnen nun mehr Bezug zu ihren Arbeitsgeräten. “Sie beschäftigen sich intensiver mit Material, Set-up und Abstimmung. Es ist wichtig, sich darüber intensiver Gedanken zu machen – ob in Form eines Kompetenzzentrums oder bei den Firmen selbst. Neben der Entwicklung der Ski gehe es etwa auch um jene bei den Anzügen. Der Herren-Ski bleibt im Gegensatz zu Vonn für die ÖSV-Asse aber tabu. Kriechbaum: “Anna Fenninger etwa ist dafür einfach zu klein (Anm.: 1,65 m), das wird nicht zusammenpassen.”

Es heißt also, wieder auf eine richtige Abfahrerin zu warten. “Der Abfahrtstypus ist bei uns ein bisschen ausgestorben”, musste Kriechbaum eingestehen, “nachdem Michaela Dorfmeister, Renate Götschl und Maria Holaus aufgehört haben. Das ist Fakt. Da muss sich einmal der Skiverband Gedanken machen, warum”, gab der 44-Jährige den Ball an seinen Arbeitgeber weiter. “Wir brauchen bei uns überhaupt generell wieder eine Abfahrtskultur – von den Landesverbänden in den ÖSV hinein.”

Gehe es im Winter von Rennen zu Rennen um die sukzessive Umsetzung kleiner Fortschritte – Kriechbaum: “Die Schritte dürfen nicht zu groß sein.” -, sei bei der Systemreform nur ein Mehrjahresplan sinnvoll. “Man hat ein Loch aufgerissen und muss schauen, dass man in den nächsten vier, fünf Jahren einfach wieder konzentriert auf die Nachwuchsarbeit den Fokus drauflegt. Ich denke, dass das in Zukunft passieren muss.”

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