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Superstar Zadić

Alma Zadic stellt ich klar gegen Sebastian Kurz. Das kann noch gefährlich werden für sie.
Alma Zadic stellt ich klar gegen Sebastian Kurz. Das kann noch gefährlich werden für sie. ©APA/Hans Punz
Gastkommentar von Johannes Huber. Die Justizministerin stellt sich klar gegen Sebastian Kurz. Das kann noch gefährlich werden für sie.

Ganz nüchtern betrachtet war es ein unspektakulärer Auftritt, den Justizministerin Alma Zadić (Grünen) diese Woche bei Armin Wolf in der ZIB2 hingelegt hat: Sie hat einfach die Fragen beantwortet, die Unabhängigkeit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft betont und die Notwendigkeit hervorgehoben, ausreichend Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. Alles andere als aufregend, das Ganze.

Zumindest in der Twitter-Blase war das Feedback jedoch überwältigend. Und zwar so sehr, dass Grünen-Chef Werner Kogler ausnahmsweise keine Blasenentzündung bekommen musste, wie er das seinen Angaben zufolge tut, wenn er einen Blick auf die Timeline wirft: Zadić erlerne ihre Rolle der "Stateswoman", stellte beispielsweise "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk fest: Sie lasse sich "nicht in den Kleinkrieg des Bundeskanzlers" hineinziehen, der so "gar nicht Statesman-like" sei.

Das sagt schon sehr viel aus über die politischen Verhältnisse in Österreich: Es braucht nicht viel, um groß gemacht zu werden. Andererseits muss man zwei Dinge berücksichtigen, die das zumindest ein bisschen nachvollziehbar machen: Zunächst ist da ein Kanzler und ÖVP-Chef, der die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft attackiert, weil sie gegen Leute aus seinem Umfeld ermittelt. Da hat es gleich eine andere Qualität, wenn das Selbstverständliche betont wird, nämlich die Unabhängigkeit dieser Behörde. Außerdem haben es sich vorzugsweise türkise Ministerinnen angeeignet, Fragen bei Interviews grundsätzlich zu ignorieren und stattdessen irgendwelche Phrasen zu dreschen, die in keinem Zusammenhang damit stehen. Da ist es fast schon herausragend, wenn ein Regierungsmitglied wie Zadić das macht, was jeder normale Mensch im Alltag auch tut: Auf Fragen eingehen. Und Punkt. Wir lernen: Es braucht wirklich nicht viel, um zu einer Ausnahmeerscheinung zu werden.

Hinzugefügt werden muss jedoch ein dritter Punkt: Kurz und seine Leute sind mit ziemlich heftigen Methoden gegen die Staatsanwaltschaft vorgegangen. Unterlegt mit einem Papier "aus dem letzten Jahrtausend" (Zadić) haben sie transportiert, dass diese Beamten erstens Linke sind und zweitens extrem langsam arbeiten. Da schimmerte diese gewisse "Grundbösartigkeit" durch, die die Journalistin Annelise Rohrer einst schon bei Türkis-Blau geortet hat. Das ist ein wichtiger Punkt: Es macht Zadić, die sich couragiert dagegen stellt, automatisch zur Guten.

Wie gut oder erfolgreich die Justizministerin wirklich werden kann, steht in den Sternen. Kompetent ist sie, keine Frage. Ihre Persönlichkeitswerte sind ausgezeichnet; im APA/OGM-Vertrauensindex der Bundespolitiker ist sie vorne dabei. Sehr viel wird aber vom Koalitionspartner abhängen. Womit wir wieder bei Kurz und der ÖVP wären: Gerade weil Zadić in Teilen der Gesellschaft ankommt; und gerade weil sie versucht, Journalisten – wie "Heute"-Chefredakteur Christian Nusser, der das öffentlich gemacht hat – in einem persönlichen Mail zu vereinnahmen, indem sie sie duzt und ihnen für einen angeblichen "Support" dankt, könnte der Koalitionspartner noch sehr unangenehm werden. Damit macht sie sich zur Gegnerin, die ernstgenommen werden muss.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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