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Strompreise und Kosten: So teuer wird unser Bier

Die Vorarlberger Brauereien reagieren unterschiedlich auf steigende Energie- und Produktionskosten.
Die Vorarlberger Brauereien reagieren unterschiedlich auf steigende Energie- und Produktionskosten.
Energie-Kosten, volatiler Strommarkt und unsichere Marktsituation: Vorarlberger Brauereien blicken schwierigen Zeiten entgegen und sind gezwungen, Bierpreise zu erhöhen.

Besonders energieintensiv ist bekanntlich die Braukunst, neben Strom werden für die Produktion des Gerstensafts auch große Mengen an Gas benötigt. VOL.AT sprach mit den Geschäftsführern der vier großen regionalen Brauereien über ihre Prognosen für das kommende Jahr und wie sie sich in Sachen Energie, Produktion und Rohstoffbeschaffung, aber auch was Personalkosten betrifft, für die kommenden Monate wappnen.

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Firmen: Fehlende Verträge und dem volatilen Spotmarkt ausgeliefert

Besonders kritisch ist die Situation für jene Betriebe, deren Energie-Verträge auslaufen. Aufgrund der unsicheren Marktsituation sind sie somit gezwungen, auf dem äußerst volatilen Spotmarkt einzukaufen. Und im schlechtesten Fall enorm hohe Preise in Kauf zu nehmen, da längerfristige Vertragsabschlüsse zu diesem Zeitpunkt mit enormem Risiko verbunden sind.

Wolfgang Sila, Geschäftsführer Brauerei Fohrenburg. ©Hofmeister

Strom und Gas: Fohrenburger kann auf langfristige Verträge bauen

Besonders ausführlich auf die VOL.AT-Anfrage reagierte das Bludenzer Unternehmen, das gerade in Bezug auf langfristige Verträge vorausschauend agiert hat. Im umfangreichen Interview gewährt Wolfgang Sila tiefe Einblicke in die Energiephilosophie der Brauerei.

VOL.AT: Wie wirken sich die steigenden Energiepreise (primär Strom und Gas) auf Ihren Betrieb aus? Womit sind sie aktuell konfrontiert, wie lässt sich die Steigerung in Zahlen beziffern?

Wolfgang Sila: "Seit meiner Übernahme der Geschäftsleitung in der Brauerei Fohrenburg vor neun Jahren haben wir vorausschauend geplant und haben langfristige Abnahmevereinbarungen mit der VKW getroffen. Deshalb beläuft sich für uns die Kostensteigerung in diesem Segment in einem überschaubaren Rahmen. So haben wir vorausschauend bereits Vereinbarungen für 2023 abgeschlossen. Durch die Umstellung auf erneuerbare Energien haben wir aber auch schon frühzeitig höhere Energiekosten zum Wohle unserer Natur in Kauf genommen."

VOL.AT: Inwiefern ist die Bier- und Getränkeproduktion energieintensiv? Wofür wird beispielsweise Gas benötigt?

Wolfgang Sila: "Die meiste Energie in der Brauerei wird für den Brauprozess benötigt. Gas wird dazu verwendet, um den Dampfkessel im Sudhaus aufzuheizen. Der Dampfkessel ist das Herzstück der Energieversorgung für den gesamten Brauvorgang und wird bei uns mit Vorarlberger Biogas gespeist."

VOL.AT:Welche Verträge kann Fohrenburger vorweisen, wie nachhaltig abgesichert ist die Produktion?

Wolfgang Sila: "Wir produzieren CO2-neutral und sind somit die erste grüne Brauerei Vorarlbergs:

  • Wasserkraft: Die Brauerei Fohrenburg wird ab dem Jahr 2022 mit Strom aus 100 Prozent österreichischer Wasserkraft beliefert. Dabei handelt es sich ausschließlich um erneuerbare Energie aus Wasserkraftwerken in Österreich. Das Unternehmen leistet so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Mit Strom aus Wasserkraft vermeidet die Brauerei im Vergleich zum deutschen Strommix jährlich rund 700 Tonnen CO2.
  • Biogas: Die Brauerei Fohrenburg wird ab dem Jahr 2022 mit Erdgas aus Vorarlberg beliefert. Dabei handelt es sich um erneuerbare Energie aus biologischen Hausabfällen und landwirtschaftlichen Reststoffen. Damit wollen wir auch den Ausbau der Vorarlberger Energieautonomie zu fördern und wir vermeiden damit rund 1400 Tonnen CO2 im Vergleich zu reinem Erdgas."

Grüne Agenda: Fohrenburger investiert 7,8 Millionen Euro

VOL.AT: Wie steht es um Sparmaßnahmen im Energiebereich, oder um Investition in erneuerbare Energie?

Wolfgang Sila: "Fohrenburger investiert in den nächsten fünf Jahren rund 7,8 Millionen Euro, um die selbstgesetzten Ziele der grünen Agenda hinsichtlich noch mehr Nachhaltigkeit bei sämtlichen Betriebsabläufen zu erreichen. Den Anfang mach seit Februar 2022 die vollständige Umstellung der gesamten Produktion auf Ökostrom und Biogas. In Summe spart die Brauerei Fohrenburg damit mehr als 2000 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Die Umstellung auf Ökostrom und Biogas kostet die Brauerei pro Jahr zusätzlich 350.000 Euro an laufenden Betriebskosten. Damit sind wir Vorarlbergs erste grüne Brauerei."

Produktion: Energieverbrauch
um 25 Prozent senken

Wolfgang Sila: "Gleichzeitig soll der Energieverbrauch in der Produktion innerhalb der nächsten fünf Jahren um etwa 25 Prozent gesenkt werden. Der Aufwand für diese Investitionen wird mit rund 100.000 Euro pro Jahr beziffert."

Braumeister Felix Schiffner: "Die ersten fünf bis acht Prozent an Reduktion gehen relativ rasch. Danach sind auch größere Investitionen notwendig. In einem weiteren Schritt soll in Zukunft zur Erreichung der grünen Agenda der Kessel für die Dampferzeugung in der Brauerei von Biogas auf Holzverbrennung umgestellt werden. Danach ist nach jetzigem Wissensstand die Produktion bezüglich geringstmöglichem Energieverbrauch bestmöglich optimiert."

VOL.AT: Wie wirkten sich die angesprochenen Faktoren auf den Endverbraucherpreis aus?

Wolfgang Sila: "Der anhaltende Krieg in der Ukraine und gestörte Lieferketten bringen Preisanpassungen unserer Vorlieferanten in allen Bereichen, welche wir wo immer möglich durch interne Einsparungen und erhöhte Effizienzmaßnahmen auffangen. Einen Teil der gestiegenen Kosten müssen wir durch eine Preisanpassung kompensieren, um auch künftig Beständigkeit und beste Qualität sichern zu können."

VOL.AT: Wie steht es um Steigerungen im Rohstoffpreis, z.B. Malz, Hopfen, Zucker oder Reinigungschemie?

Wolfgang Sila: "Preissteigerungen treffen auch uns ausnahmslos in allen Bereichen. Bei den Rohstoffen haben wir einen großen regionalen Vorteil. Denn wir haben erkannt: Regionalität in Bio-Qualität trifft den Zeitgeist. In Kooperation mit neun Vorarlberger Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern ist es uns gelungen, das einzige Bio-Hofbier mit 100 Prozent Braugerste aus Vorarlberg zu brauen."

Brau Union und Heineken: Monopolvorteil für Fohrenburger?

VOL.AT: Hat die Fohrenburger Brauerei diesbezüglich Vorteile durch die Nähe zur Brau Union bzw. Heineken?

Wolfgang Sila: "Als größtes Brauereiunternehmen Österreichs ist sich die Brau Union ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung bewusst und ist bestrebt, genau wie wir eine nachhaltige Bierkultur zu schaffen. Deshalb freuen wir uns besonders über das Gütesiegel 'Nachhaltiges Engagement 2023'. Hier wurden vom Institut für Management und Wirtschaftsforschung die größten Unternehmen in Österreich analysiert – eine unabhängige Anerkennung für unsere Arbeit im Nachhaltigkeitsbereich"

VOL.AT: Wie sieht die Prognose für das nächste Jahr aus?

Wolfgang Sila: "In Österreich hat die Inflation aktuell ein 70-Jahres-Hoch erreicht und auch in der Eurozone ist sie auf einen Rekordwert gestiegen. Hauptpreistreiber sind Energiekosten, insbesondere Strom und Gas, sowie steigende Rohstoffpreise und rasant steigende Verpackungsmaterialkosten. Eine Prognose für die nächsten Jahre abzugeben, ist aktuell nicht möglich."

Thomas Pachole, Geschäftsführer Mohrenbrauerei. ©Paulitsch

Mohren: "Bis zu einer Million Euro Mehrkosten nur bei Strom"

"Die aktuellen Energiekosten machen uns schwer zu schaffen. Gerade bei Strom sind wir aufgrund des im Vorjahr ausgelaufenen Vertrags dem Spotmarkt ausgeliefert. Längerfristige Planung und neue Vertragsabschlüsse sind deswegen kaum möglich bzw. mit großen Risiken verbunden", informiert Thomas Pachole, Geschäftsführer der Mohrenbrauerei auf VOL.AT-Anfrage. Konkret bedeute dies nur beim Strom Mehrkosten von 800.000 bis zu 1 Mio. Euro, was sich auf etwa 50 Cent netto mehr pro Kiste Bier umlegen ließe. Beim ebenfalls für die Produktion benötigten Gas habe man noch einen laufenden Vertrag und hoffe, dass sich hier die Preise bis zum nächsten Jahr wieder einspielen würden.

"Neben den Energiekosten sind auch die Rohstoffpreise explodiert. Gerade bei Malz und Zucker haben sich die Anschaffungskosten verdoppelt, auch für die Reinigung benötigte Chemieproukte sind um rund 30 Prozent teurer im Einkauf", führt der gebürtige Lustenauer weiter aus.

Mohren-Produktion im Zentrum von Dornbirn. ©Paulitsch

Das würde sich natürlich auch auf den Kunden auswirken, auch wenn man alles daran setze, eine attraktive Preispolitik zu fahren: "Generell ist eine große Nervosität am Markt spürbar, gerade für kleine, regionale Brauereien wird es schwierig, mitzuhalten. Es wird für alle ein schwieriges Jahr und wir setzten alles daran, die Preise für den Endverbraucher zu halten. Angesichts der aktuellen Inflation wollen wir die Menschen nicht zusätzlich belasten."

Außerdem würde die Dornbirner Traditionsbrauerei auf alternative Energieproduktion setzen, unter anderem mit einer Fotovoltaik-Anlage. "Inmitten einer Stadt tun wir uns aber schwer, ein eigenes Kraftwerk zu bauen", schließt Pachole.

Kurt Michelini, Geschäftsführer Frastanzer. ©Mathis, handout/Frastanzer

Frastanzer plant Fernwärme-Werk und stellt im Notfall auf Öl um

Diesen Weg beschreitet, wie bereits berichtet, die Frastanzer Brauerei, die gemeinsam mit dem Papierfabrikanten Rondo Ganahl ein Fernwärmewerk in Frastanz planen, um energieautonom zu werden. "Wir befinden uns intensiv in der Planungsphase und hoffen, heuer noch den Bauantrag einzureichen. Mit einer Fertigstellung ist aber frühestens Ende 2024 zu rechnen", informiert Kurt Michelini, Geschäftsführer der Frastanzer Biergenossenschaft. Denn gerade beim Gas wolle man sich absichern, auch weil Ende dieses Jahres die Verträge auslaufen würden. Man wappne sich aber auch für den Ernstfall, um die Produktion über den Winter zu gewährleisten: "Aktuell rüsten wir unsere Anlage um, somit könnten wir im Notfall unsere Maschinen mit Öl betreiben. Natürlich nicht langfristig, aber es gilt, den Standort zu sichern."

Eine Visualisierung des geplanten Kraftwerks in Frastanz. ©handout/Rondo Ganahl

Sorgenfalten bereiten Michelini die aktuellen Entwicklungen am Strommarkt: "Diesbezüglich haben wir ebenfalls noch einen Vertrag bis Ende des Jahres, dann sind wir aber dem volatilen und sprunghaften Spotmarkt ausgeliefert. Gerade für das nächste Jahr sind die Prognosen diesbezüglich eher düster, auch wenn in den Future-Märkten für 2024 und 2025 die Preistendenz eher wieder nach unten zeigt. Es herrscht aber Angst und Nervosität an den Strombörsen, was sich auch auf die Preise niederschlägt." Außerdem setze man im Betrieb auf stromsparende Umrüstung und könne bereits mit 30 Prozent Energieersparnis kalkulieren.

Preissteigerung von 7 Prozent,
im Frühjahr neue Evaluierung

Angesichts gestiegener Rohstoffpreise und generellen Produktionskosten sieht sich der Brauunternehmer aber ebenfalls gezwungen, den Endverbraucherpreis anzuheben. Auch was Verpackungsmaterial betreffe, sei man mit Lieferzeiten von bis zu acht Monaten konfrontiert, aktuell würden bei Frastanzer beispielsweise die Sechser-Träger knapp werden.

"Aktuell haben wir den Preis um 7 Prozent erhöht, was bis ins Frühjahr Bestand hat. Dann werden wir neu evaluieren. Der Preis für eine Kiste wird sich aber um 2 bis 3 Euro erhöhen. Wir befinden uns im Wettbewerb und gerade als kleine Brauerei hat man im Gegensatz zu den großen Playern in vielerlei Hinsicht Nachteile. Nicht nur, wenn es um Energieverträge geht, auch bei Rohstoffen und Maschinen können wir nicht mit großen Konzernen konkurrieren", zeigt sich der Brauunternehmer kritisch.

Lukas Dorner, Geschäftsführer Brauerei Egger.

Egger Bier: "Preise werden aktuell um 5 Prozent erhöht"

In der Bregenzerwälder Brauerei zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, wie Geschäftsführer Lukas Dorner gegenüber VOL.AT bestätigt: "Wir brauen zwar mit Öl, aber auch hier sind wir einem volatilen Markt ausgeliefert, da wir aufgrund fehlender Lagerkapazität kurzfristig einkaufen müssen. In Sachen Strom vertrauen wir auf unsere Energieberater, die aktuell den Markt sondieren. Langfristige Vertragsabschlüsse sind aktuell aber mit hohen Risiken verbunden." Deswegen prüfe man auch alternative Technologien oder versuche, Strom einzusparen: "Aktuell testen wir gerade E-LKWs, haben die Batterien unserer Staplerflotte erneuert oder profitieren seit Jahren von einer vollausgestatteten PV-Anlage."

Neben den bereits angesprochenen Rohstoffpreisen sei auch die Situation am Markt in Bezug auf Glas oder Papier äußerst heikel und man sehe sich beinahe täglich mit Steigerungen konfrontiert. "Für einen gesunden Betrieb muss die Wertschöpfung muss gegeben sein. Als kleiner Betrieb am harten Markt lassen sich Preisausreißer nach oben hin nicht beim Endverbraucher argumentieren", führt Dorner fort. Aktuell müssen die Fans der Wälder Brauerei 5 Prozent Preissteigerung in Kauf nehmen, zumindest bis März/April.

"Lohnverhandlungen werden ebenfalls zum wichtigen Faktor"

"Bei den Brauereien stehen jetzt ebenfalls die Lohnverhandlungen an. Und angesichts der Inflation klaffen auch in unserer Branche die Vorstellungen von Unternehmern und Beschäftigten weit auseinander. Meiner Meinung nach wird das für unseren Betrieb zum größeren Faktor als beispielsweise die Rohstoffpreise", schließt der Bregenzerwälder Brauer.

(VOL.AT)

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