Straches Hass im Netz

Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber.
Der heutige Gastkommentar von Johannes Huber. ©pixabay.com (Sujet)
Gastkommentar von Johannes Huber. Der Vizekanzler und FPÖ-Chef spielt mit dem Feuer. Siehe die Antwort auf Ulli Simas Ankündigung, Kampfhunde zu verbieten.

Dienstag, 26. März, 20:17 Uhr: Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zitiert auf Facebook Philippa Strache, die nicht nur seine Ehefrau, sondern auch Tierschutzsprecherin seiner Partei ist: „Wie eiskalt kann man sein …“, hat sie festgestellt, nachdem SPÖ-Stadträtin Ulli Sima in „Wien heute“ angekündigt hatte, Kampfhunde zu verbieten.

Was folgte, ist Hass im Netz. Eine gewisse Sabine H. tut in einem Kommentar ihre Meinung über Sima kund: Sie sei „die dümmste Person überhaupt“. Ein Joe Z. schreibt wiederum, die SPÖ sei die „Sharia Partei Österreichs“ und nun ganz offensichtlich dabei, „mit vorauseilendem Gehorsam schon einmal die unreinen Viecher“ abzuschaffen.

Vollkommen harmlos? Nein, doch auf der Facebook-Seite von Philippa Strache ging’s zum selben Thema noch viel heftiger zu. Die Gratiszeitung „Heute“ berichtete von Mordfantasien, die unter ihren Anhängern aufgekommen seien. Beispiel: „Habts ka Patrone mehr über?“ Tags darauf war derlei nicht mehr vorzufinden. Einiges ist gelöscht worden. Verbliebenes war aber auch nicht ohne: „De oide soi sofot zurücktreten, de hod 0 Ahnung!!!“, schrieb eine Kathi K., ebenfalls an Sima gerichtet: „Da muss ma se Scho zamreisn dass ma dera nd mit schwung ins Gsicht hupft!!!“ Und ein Michael H. bezeichnete die Liste der Kampfunde, die von Bullterrier bis Rottweiler reicht, gar als Rassenliste – die ihn wiederum „an die Liste in den 30er Jahren“ erinnere.

Man könnte jetzt lang und breit über den Anlass schreiben: Ist ein Kampfhundeverbot notwendig? War es vernünftig von Ulli Sima, das nebenbei und auch nur auf Nachfrage einer Reporterin mit einem unmissverständlichen „Ja“ anzukündigen? Und so weiter und so fort. All das ist jedoch nebensächlich: Die Auseinandersetzung hat ein Niveau erreicht, das in keinem Verhältnis mehr dazu steht.

Der Chefredakteur der Wiener Zeitung, Walter Hämmerle, hat vor einem Jahr ein sehr lesenswertes Buch über die politischen Verhältnisse geschrieben. „Der neue Kampf um Österreich“, lautet der Titel. Gerichtet ist es nicht gegen Rechte und auch nicht gegen Linke; es ist vielmehr ein Weckruf für alle: Weil immer öfter keine vernünftige Debatte mehr stattfindet, sondern Kontrahenten eher nur wie erbitterte Feinde übereinander herfallen, ortet Hämmerle eine Art Bürgerkrieg. Genau daran erinnert das eine oder andere Posting zu Ulli Sima.

Umso schlimmer, dass der Vizekanzler der Republik gemeinsam mit seiner Ehefrau eine Bühne dafür bietet. Weiß er, was er tut? Sicher: So hält er seine Anhänger bei Laune und macht daneben auch unangenehme Geschichten wie die mit den Identitären vergessen. Unter Kontrolle hat er jedoch kaum noch etwas. Womit man sich über nichts mehr wundern sollte, um es mit den Worten des freiheitlichen Präsidentschaftskandidaten von 2016 und wohl auch 2022, Norbert Hofer, zu sagen.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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