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Strache wie Pilz

Politik ist eine Droge. Peter Pilz und Heinz-Christian Strache abhängig davon.
Politik ist eine Droge. Peter Pilz und Heinz-Christian Strache abhängig davon. ©APA/HANS KLAUS TECHT
Gastkommentar von Johannes Huber. Politik ist eine Droge. Wer zu lange davon lebt, kommt nicht mehr los. Siehe Heinz-Christian Strache und Peter Pilz.

Beide waren zu 180 Prozent Politiker, sind zurückgetreten, haben mit ehemaligen Parteifreunden gebrochen und sich dann doch nicht zurückgezogen: Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und der ehemalige Grünen-Star Peter Pilz. Beide kämpfen, auf sich allein gestellt, um ein Comeback bei der Wiener Gemeinderatswahl im kommenden Jahr. Sie merken nicht, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Was heißt „merken“? Natürlich tun sie das. Sie können es nur nicht wahrhaben. Kein Wunder: Ein Leben ohne Politik ist für sie unvorstellbar geworden.

Bei Heinz-Christian Strache war die Sache zunächst sonnenklar: Im Ibiza-Video hatte er ein Amtsverständnis an den Tag gelegt, das in einer entwickelten Demokratie nichts verloren hat; willkürliche Auftragsvergaben auf Kosten der Steuerzahler gehen zum Beispiel gar nicht. Also hat er am Tag nach Veröffentlichung des Videos seinen Rücktritt erklärt.

Was dann passiert ist, ist nachvollziehbar: Strache fiel in ein Loch. Über Jahre hinweg war er rund um die Uhr unterwegs gewesen. Ständig war er von Leuten umgeben, die ihm zujubelten. Zuletzt war er auch noch Vizekanzler und damit ein ziemlich wichtiger Repräsentant der Republik Österreich. Diese Machtfülle macht etwas mit dem Ego dessen, der sie genießt. Mit einem Schlag war es damit jedoch vorbei.

Im Grunde genommen hätte der 50-Jährige sein Leben neu beginnen müssen. Das sagt sich jedoch einfacher als es ist. Einfacher ist es jedenfalls, zu versuchen, sich zurück in die Politik zu bringen, wie es Strache seither immer wieder tut. Das Tragische ist nur, dass es zunehmend peinlich und mitleidserregend wirkt.

Wer soll Heinz-Christian Strache noch wählen, wenn er bei der Gemeinderatswahl antritt? Natürlich, ein paar Fans gibt es immer. Schon die Folgen der jüngsten Spesenaffäre sollten ihm jedoch gezeigt haben, dass er da sehenden Auges in ein Debakel laufen würde: Bei der Nationalratswahl hat diese Affäre zu einem wesentlichen Teil zu den massiven FPÖ-Verlusten geführt.

Dass aber nicht einmal eine solche Niederlage einen Politjunkie eines Besseren belehren muss, sieht man bei Peter Pilz: Nachdem er vor zwei Jahren mit Belästigungsvorwürfen konfrontiert gewesen war, kündigte er seinen Rücktritt an. Er lege hohe Maßstäbe bei sich selbst an, hatte er noch wissen lassen. Bald darauf war er wieder da. Doch damit tat er sich selbst nichts Gutes. Im Gegenteil: Das war wohl der Zeitpunkt, zu dem seine Karriere vorbei war. Und zwar nachhaltig. Siehe die 1,9 Prozent der Liste Pilz (bzw. „Jetzt“) bei der Nationalratswahl.

Genug? Nein. Am Wahlabend spottete der 65-Jährige gegenüber Journalisten, er werde die Seiten wechseln und zu einem der Ihren. Kaum hatte er darüber geschlafen, überlegte er sich’s wieder anders und meinte, die Wien-Wahl werde seine „nächste Chance“. Mein Gott, Pilz: Warum tut er sich das noch an, warum geht er nicht in Pension oder versucht sich in seiner eigenen Medienwelt? Ganz einfach: Weil Politik eine Droge ist: Wenn man zu lange davon gelebt hat, kommt man nicht mehr davon los.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik

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